In Gottes Stiefeln
Dienstag, 10. Juni 2008 07:33Den Golden Globe hat er dafür schon bekommen, seit gestern ist er auch für einen Oscar nominiert: In "Walk the Line", der morgen in die Kinos kommt, spielt Joaquin Phoenix nicht irgendwen, sondern den Gott der Countrymusik - Johnny Cash.
Den Golden Globe hat er dafür schon bekommen, seit gestern ist er auch für einen Oscar nominiert: In "Walk the Line", der morgen in die Kinos kommt, spielt Joaquin Phoenix nicht irgendwen, sondern den Gott der Countrymusik - Johnny Cash. Und er spielt ihn nicht nur, er singt auch seine Lieder. Mit dem scheuen Star sprach Alexander Soyez.
Berliner Morgenpost: Jamie Foxx durfte in "Ray" keine Ray-Charles-Songs singen. Sie aber haben die Cash-Songs selbst gesungen. War das von vorneherein klar?
Joaquin Phoenix: Überhaupt nicht. Wir haben das Thema gar nicht angesprochen. Lange jedenfalls. Dann habe ich mich mit unserem Musikproduzenten T-Bone Burnett hingesetzt, und wir sind eine lange Nacht alle Songs durchgegangen. Am Morgen meinte er dann, daß ich es schaffen könnte. Er war glücklicherweise nicht der beste Sänger der Welt, eher eine prägnante Stimme. Für mich war das ein entscheidender Zugang in die Rolle, denn erst durch seine Sing- habe ich auch zu seiner Sprechstimme gefunden.
Wie sah ansonsten Ihre Vorbereitung auf die Rolle aus?
Ich wußte nicht viel über Johnny Cash, was vielleicht ganz hilfreich war. Aber es war klar, daß ich mir alle Informationen holen mußte, die ich kriegen konnte. Er ist zu bekannt, zu gegenwärtig, um sich da auf Experimente einzulassen. Ich las alle Bücher über ihn, seine Autobiographie und ich begann, mich mit seiner Musik auseinanderzusetzen.
Waren Sie vor dem Angebot schon ein Countrymusic-Fan?
Nicht unbedingt, aber Johnny Cash war meiner Ansicht nach mehr als nur ein Countrysänger. Was mir gefällt, was ich einzigartig an Countrymusic finde, ist die geradlinige Erzählstruktur. In jedem einzelnen Song stecken eine Story und diese gewisse Einsamkeit.
Was hat Sie besonders daran gereizt, Johnny Cash zu spielen?
Seine innere Reise. Und natürlich, einen faszinierenden Menschen möglichst ehrlich darzustellen. Außerdem bewundere ich seine Integrität als Künstler. Er hat sich nie verbogen und ist sich immer treu geblieben. Der Versuchung kann man besonders als junger Künstler schnell erliegen, wenn man erst mal vom Erfolg gekostet hat. Als Elvis berühmt wurde, sang er fast nur noch Songs für den Teeniemarkt. Johnny hat sich auf solche albernen Sachen nie eingelassen.
Sind Sie Johnny Cash vor seinem Tod persönlich begegnet?
Ich war mal bei ihm zum Essen. Er wollte mich kennenlernen, weil er mich in "Gladiator" gesehen hatte. Ich war sehr beeindruckt. Er mochte keinen Smalltalk, seine Hände zitterten, er wirkte eher unsicher. Aber dann holte er eine Gitarre heraus, sang und spielte. Seine Hände wurden ruhig und er sicher. Das war ein toller Moment und hat einfach viel über ihn gesagt. Die Gitarre und der Gesang, durch sie hat er sich verständlich gemacht.
Wäre Johnny Cash heute noch am Leben, was würden Sie ihn nach der Erfahrung mit "Walk the Line" gern noch fragen?
Es gibt vieles, was ich an ihm nicht verstanden habe. Ich bin mir jedoch sicher, daß er es nicht einmal selbst wußte. Nein, es gibt nichts, was ich Johnny noch fragen würde.
Hätten Sie nicht über Parallelen in Ihrem Leben sprechen wollen: über Drogenprobleme und den Tod des Bruders?
Dazu möchte ich nichts sagen. Grundsätzlich nicht. Aber diese beiden Punkte hatten so oder so nichts mit meiner Herangehensweise zu tun.
Anders gefragt: Was nehmen Sie mit aus Ihren Rollen? Lernten Sie von Cash etwas für ihre eigene Karriere?
Nicht wirklich. Natürlich haben Rollen eine Auswirkung. Es läßt sich mit dem Aufenthalt in einer fremden Stadt vergleichen. Man wird dort, sagen wir, Schuhmacher, und bemerkt, daß man sich in dieser Stadt auf eine bestimmte Art kleidet und als Schuhmacher bestimmte Dinge tut. Kommt man zurück, legt man diese Dinge zum Teil, aber nie mehr völlig ab. Als Schauspieler versucht man genau das zu erreichen. Man löst sich von dem, was einen selbst ausmacht, und sucht das, was die Rolle ausmacht. Es gibt für mich bei jedem Film diesen seltsamen Prozeß der Eingewöhnung. Erst muß ich mich von mir selbst lösen, bringe keine Bücher mit, keine Lieblingsklamotten. In dieser Zeit fühle ich mich extrem verloren und nackt. Aber nach einer Weile lernt man diese Welt kennen und beherrscht deren Werkzeuge.
Was heißt das in Bezug auf Cash?
Man bleibt nachts wach und schreibt Songs, auch wenn sie vielleicht nichts taugen. Irgendwann wacht man morgens auf und kämmt sich sein Haar auf bestimmte Art. Tja, und wenn man mit dem Film fertig ist, hört man wieder damit auf und macht den Umkehrprozeß durch.
Und was macht Joaquin Phoenix aus?
Das behalte ich für mich. Es gibt nur wenige Dinge, die ich noch als privat bezeichnen kann und deswegen möchte ich sie schützen. Aber es gibt da nichts Aufregendes.





























