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Ein Gesicht für die Scheinwerfer

Ein Star, dessen Karriere vom Stummfilm bis zu Gastauftritten beim "Denver Clan" dauerte, muss schon ein gerüttelt Maß an Unverwüstlichkeit besessen haben.

Ein Star, dessen Karriere vom Stummfilm bis zu Gastauftritten beim "Denver Clan" dauerte, muss schon ein gerüttelt Maß an Unverwüstlichkeit besessen haben. Barbara Stanwyck, die am Montag 100 Jahre alt geworden wäre, hatte sie. Als sich ihr Double während der Dreharbeiten zum Western "40 Gewehre" weigerte, sich von einem Pferd eine Straße entlang schleifen zu lassen, machte sie den Stunt selbst. Damals war Stanwyck schon fast 50 Jahre alt.

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Bei jeder anderen Hollywoodschauspielerin würde das Adjektiv "unverwüstlich" womöglich ungalant klingen. Nicht so bei Stanwyck, deren Leinwandaura faszinierend schillert zwischen Glamour und einer rustikalen physischen Präsenz. Sie konnte hartgesotten sein, ohne dass dies ihre Weiblichkeit je kompromittiert hätte. Sie sprengte die Kategorien des Sexsymbols ebenso wie die des guten Kameraden. Ihre sinnliche Ausstrahlung steht außer Frage. Man sehe sich nur ihre frühen Tonfilmauftritte bei Frank Capra und William Wellman an, um zu entdecken, wie vorteilhaft sie seidene Unterwäsche kleidete.

Als Tänzerin in "Lady of Burlesque" konnte sie zeigen, wie wohlgeformt ihre Beine waren. Und ihr erster Auftritt in "Frau ohne Gewissen", wo ihr Fußkettchen Fred Mac Murray außer der Fassung bringt, gehört zu den suggestivsten Verführungsszenen der Filmgeschichte. Dennoch ist sie hierzulande kaum als ganz großer Hollywoodstar wahrgenommen worden.

Stanwyck entsprach nie dem Schönheitsideal. Aber ihr Gesicht, mit scharfem Profil und hohen Wangenknochen, reagierte wunderbar auf das Licht der Scheinwerfer. Die Kamera liebte sie so sehr, dass auch die subtilen Akzente auf der Leinwand große Wirkung erzielten.

Als Ruby Stevens wurde sie in Brooklyn geboren. Ihre Kindheit erinnert an einen Dickens-Roman. Sie stammte aus armen Verhältnissen, ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war, der Vater verließ sie kurz danach. Mit 15 trat sie erstmals als Tänzerin auf und debütierte wenig später als Schauspielerin.

1927 kam sie mit ihrem ersten Mann, dem Vaudeville-Star Frank Fay, nach Hollywood. Dort wahrte sie stets ihre Unabhängigkeit, blieb nie lange bei einem Studio, hat sich nie eng an einen Regisseur gebunden und ihre Karriereplanung auch nie abgestimmt auf die ihres zweiten Ehemannes Robert Taylor. 1944 war sie die bestverdienende Amerikanerin.

Viermal wurde sie für den Oscar nominiert, erhielt den Preis aber erst 1982 für ihr Lebenswerk. Als Mitte der 60er Jahre die Kinoangebote seltener wurden, wechselte sie zum Fernsehen. Als Rancherin in der Serie "Big Valley" feierte sie einen großen Triumph und blieb bis zu ihrem Tod 1990 eine gefragte TV-Darstellerin.

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