Anna und Bernhard Blume Malerei mit der Kamera

Sie gehören zu den Pionieren der inszenierten Fotografie. Als Künstlerpaar waren sie über 40 Jahre lang unzertrennlich: Anna und Bernhard Blume. Doch im September ist Bernhard Blume verstorben. Nun ist die neueste und letzte gemeinsame Werkgruppe der beiden in der Galerie Buchmann zu sehen.

Wie gewohnt setzten sich die beiden Künstler in den Fotografien selbst in Szene, zeigen ein aus den Fugen geratenes Universum. Anfang der sechziger Jahre hatten sie sich an der Kunstakademie in Düsseldorf kennengelernt. In den 80ern begannen sie mit ihren gemeinsamen Fotoarbeiten, narrative Serien, in denen sie stets selbst als Akteure in oft akrobatischer Verrenkung auftraten. Anfangs demontieren sie in der Verkleidung eines kleinbürgerlichen Ehepaars die manisch fixierte engstirnige Lebenswelt des Spießbürgers.

Beglückende neue Möglichkeiten eröffnete ihnen die Digitalfotografie. "Mit ihr hat sich für uns ein Traum erfüllt", meint Anna Blume, biete sie doch viel mehr Freiheiten im künstlerischen Ausdruck. All das, was früher in mühsamer Retuschierarbeit geleistet werden musste, lasse sich nun viel effektiver bewältigen. "Malerei mit der Kamera" sei das.

Die Blumes haben ein visuelles Theater in Schwarzweiß geschaffen, das oft tragikomische bis comic-hafte Züge annimmt. Geschult an Dada, Fluxus, Performance und auch Beuys sind ihre fotografischen Serien nicht nur sarkastische Kritik an der biederen Beschränktheit des Kleinbürgertums, sondern immer auch philosophischer Diskurs über das Subjekt und sein Verhältnis zu einer vermeintlich beherrschbaren Dingwelt. In einer der ausgestellten Arbeiten stiehlt sich Bernhard Blume mit einem großen Kugelobjekt von dannen. Im September hat er sich für immer aus dem Leben gestohlen. Diese Ausstellung hatte Anna Blume ihm noch versprochen. Wie es für sie weitergeht, kann sie noch nicht sagen. "Dazu ist alles noch viel zu frisch".

Buchmann Galerie Charlottenstr. 13, Kreuzberg. Tel. 25 89 99 29. Bis 14. Januar, Di-Sa 11-18 Uhr.

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