Bühne Peter Lund inszeniert "Leben ohne Chris" als Musical

Chris ist eine echte Plage für seine Umwelt. Ein Ekelpaket. Überall wo er auftaucht, brennt die Luft. Ein Wunder, dass seine Clique ihn nicht schon längst vor die Tür gesetzt hat.

- "Leben ohne Chris", so heißt die neue Produktion der Neuköllner Oper - ein Rock-Musical mit tragischer Ausgangssituation und ohne Happy End.

Chris nämlich, um den sich hier alles dreht, stirbt gleich zu Beginn bei einem Unfall. Bevor er durch das Himmelstor schreitet, konfrontiert ihn Erzengel Michael mit ein paar Rückblenden aus seinem Leben. Und zeigt ihm, wie unterschiedlich die Leute um ihn trauern. Peter Lund, der Autor und Regisseur des Stückes, hat seinem zehnköpfigen Ensemble die Rollen quasi auf den Leib geschneidert. Frisch und authentisch wirkt das Spiel der Schauspieler, die neben ihren gepflegten Soulstimmen auch eine gehörige Portion tänzerisches Talent in die Waagschale werfen.

Virtuos gelungen sind die Verschränkung von Rückblenden und spekulativer Zukunftsvisionen, die Mischung aus Einzel- und Gruppenaktionen, das sich ständig verschiebende Beziehungsgeflecht der Protagonisten. Ohne sich über seine Figuren zu erheben, reflektiert Peter Lund die Ängste und Hoffnungen einer jungen Generation, die noch nicht so recht weiß, was sie vom Leben erwarten kann. Alles ist noch im Werden begriffen, nichts wirklich festgelegt - das Erwachsenwerden mutet wie eine schwierige Zeit voller Zweifel und Schuldzuweisungen an.

Doch da "Leben ohne Chris" in erster Linie ein Musical ist, gespickt mit Charakterdetails, Situationskomik und herrlich absurden Tanzeinlagen, überwiegt am Ende das gute Gefühl. Und der leicht bekleidete Erzengel mit den faszinierenden Sprunggelenken und dem Laptop wird uns ewig im Gedächtnis herumschwirren.

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