07.02.09

Eröffnungsfilme

Doppelstart ins Panorama mit "Human Zoo" und "Nord"

Auf den ersten Blick könnten die beiden Eröffnungsfilme des Panoramas gar nicht unterschiedlicher sein. Im Hauptprogramm erzählt "Human Zoo" die Leidensgeschichte einer jungen Serbo-Albanerin, die im Kosovokrieg zwischen die Fronten gerät, vergewaltigt wird und später als Gefährtin eines desertierten Gangsters so manche harte Darwinismuslektion lernen muss.

Schließlich landet sie illegal in Marseille, wo sich ein amerikanischer Lebemann in sie verliebt und ihr neue Hoffnung gibt - doch da ist noch ihr Drang nach Vergeltung. Die 30-jährige Regisseurin Rie Rasmussen, die auch die Hauptrolle spielt, inszeniert ihre selbst geschriebene Geschichte auf drei Zeitebenen als einen wilden, oft kruden Mix aus brutalen Kriegs- und Gewaltszenen und schwitzigem Sex mit ihrem amerikanischen Lover. Die knallige Handschrift Luc Bessons, der den Film produzierte, ist unverkennbar und sicher nichts für Feingeister.

Sehr viel kontemplativer eröffnet das Panorama Special mit dem norwegischen Roadmovie "Nord" von Rune Denstad Langlo, einer lakonischen, oft wortkargen Tragikomödie über einen depressiven, unter Angstattacken leidenden Skiliftbetreiber, der alles hinwirft, um im hohen Norden nach der Liebe seines Lebens und dem gemeinsamen Kind zu suchen. Ähnlich wie in David Lynchs "Straight Story" entwickelt sich die Geschichte auf der gemütlichen Fahrt entlang des Wegs, wo Jomar immer wieder auf kuriose Gestalten trifft, hier und da ein wenig verweilt, auch mal versehentlich eine Hütte in Brand steckt, und dann weiterzieht. Ein kleines Mädchen freut sich, dass der Besucher endlich Leben in die Einöde bringt, doch der schneeblinde Jomar verkriecht sich lieber tagelang in der dunklen Besenkammer und verlangt "Sprit". Doch je weiter man mit dem stoischen Kerl durch die verschneite Landschaft reist, umso mehr wächst er einem ans Herz mit seiner brummelig-tapsigen Art. Ganz anders als seine Hauptfigur ist "Nord" das perfekte Antidepressivum.

Auf ihrer Suche nach Erlösung vom Trauma, nach einem Zustand inneren Friedens, sind sich die Protagonisten der beiden Filme dann also doch nicht so unähnlich. Nur der Weg, den sie bis dorthin zurücklegen müssen, der ist für Adria und Jomar höchst verschieden.

Quelle: abel
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