Ausstellung
Charlie Koolhaas gibt der Großstadt ein Gesicht
Donnerstag, 5. Februar 2009 02:32 - Von Gunnar LuetzowWas ist Stadt? Diese Frage stellt die Fotografin, Künstlerin und Soziologin Charlie Koolhaas in ihrer Ausstellung "True Cities" (wahre Städte) in der Galerie Aedes Land am Savignyplatz - und nimmt den Besucher mit auf Weltreise
- : Von London, wo sie aufgewachsen ist, über Lagos und Dubai nach Guangzhao in China, wo sie derzeit ihr Atelier hat.
Dieser fotografische Crash-Kurs in Sachen Globalisierung ist nicht nur inhaltlich hoch interessant, sondern auch klug arrangiert. Die ungefähr 200 Arbeiten im Format DIN B1 vermitteln durch die Hängung, worum es geht: Die asiatische Megalopole vermittelt sich als dichtes Bilderlabyrinth, während die Studien des von Armut geprägten, zerbombten und inzwischen der olympischen Komplettsanierung gewidmeten Londoner East Ends bewusst Lücken lassen und Lagos und Dubai sich auf Stoffbögen wie auf einem Textilmarkt an einer langen Reihe von Bügeln hängend präsentieren.
Zielgenau dokumentiert ihre Kamera all das, was sich normalerweise nicht zur Selbstdarstellung von Städten eignet: London wirkt bei ihr wie ein trauriger Hinterhof der Weltgeschichte. Wo man angesichts der jüngsten Beliebtheit Ostlondons im Milieu der erfolgreichen Jungkreativen aus Kultur, Werbung und Medien eigentlich pulsierendes Leben und jede Menge bunter Szene vermutet, dominieren in Koolhaas' Aufnahmen triste Plattenbauten, aussichtslose Fenster und Rinnsteine, die mal wieder jemand kehren sollte - auf kulturelle Aktivitäten lassen nur noch die langsam in den Zustand der De-Collage zerfallende Wandwerbung für Hardcore-Rap von "Klashnekoff" oder Elektro-Nächte von "Bunker Records" schließen.
Statt dessen ist zu beobachten, wie sich ein zur Spekulation frei gegebener Teil der Stadt in etwas verwandelt, das bisweilen an Ikonen der modernen Kunst wie die abstrakte Farbfeldmalerei erinnert, verstärkt wird dieser Effekt durch die sensible geometrische Komposition der Arbeiten.
Scheinbar das genaue Gegenteil vermitteln die Eindrücke aus Guangzhao. Gezeigt wird höchste Verdichtung ohne Rücksicht auf Traufhöhe oder Belüftung, Verzicht auf jede Form von sozialer Stadtkosmetik, über Putz und quer über der Straße verlaufende Kabelstränge, Raum- und Bodennutzung auf Verschleiß und inmitten dieser klaustrophobischen Hölle erschöpfte Menschen, denen das Überleben unter diesen Bedingungen alles abverlangt hat - ein weiterer tragischer Verweis darauf, wie notwendig ein Minimum an Planung ist, um ein Grundgerüst annehmbarer Bedingungen zu schaffen und zu sichern.
Die Künstlerin selbst kann davon berichten - in einem Video zur Ausstellung berichtet sie, öffne auch sie bisweilen noch ihr Fenster, nur um dann in ihrer Hoffnung auf Frischluft immer wieder erneut enttäuscht zu werden.
Galerie Aedes Land , Savignyplatz, Else-Ury-Bogen 600-601, Charlottenburg. Tel. 282 70 15. Bis 26. 3., Öffnungszeiten: Mo-So 10-20 Uhr, der Eintritt ist frei.





























