Artemis Fowl und sein Erfinder
Dienstag, 10. Juni 2008 06:27Von dem neuesten Harry-Potter-Buch ist noch nicht viel zu hören, denn die englische Ausgabe des sechsten Bandes erscheint erst am 16. Juli. Das heißt aber noch lange nicht, daß es zur Zeit keine guten Fantasy-Romane gibt. Im Schatten von Harry Potter haben sich die Abenteuer um den jungen Meisterdieb Artemis Fowl zu einem festen Bestandteil der Charts gemausert. Ganz oben auf den aktuellen Bestseller-Listen steht der vierte Teil der Artemis-Fowl-Saga von Eoin Colfer, Titel: "Die Rache". Darin geht es um die Existenz des unterirdischen Elfen-Volkes, mit dem Artemis in der Vergangenheit schon öfter aneinander geraten ist. Diesmal muß er helfen, es zu retten. Der irische Autor Eoin Colfer hat seinen Roman gerade bei einer Lesereise durch Deutschland vorgestellt. In Berlin konnte ich ein Gespräch mit ihm führen.
Eoin Colfer ist ein netter und lustiger Typ. Wenn der Ex-Pauker mit den kurzen grauen Haaren auf die Bühne kommt und vorliest oder Geschichten aus seinem Leben erzählt, zieht er das Publikum schnell auf seine Seite. Und bringt es zum Lachen. In Berlin erinnerte er sich beispielsweise an seinen Gastauftritt in der berühmten US-Talk-Show "Good Morning America". Nach der Sendung habe in den USA zwei Wochen lang fast jeder sein Gesicht gekannt, und er sei "ein bißchen berühmt" gewesen. "Es war furchtbar", sagt er ganz trocken. Und grinst ein bißchen.
Lieber ist es dem erfolgreichen Autor offenbar, wenn er unerkannt bleiben kann. Zuhause ist er in Wexford, Irland, wo er mit seiner Frau und den zwei Söhnen lebt. Nach seiner Ausbildung in Dublin kehrte Colfer 1986 als Grundschullehrer in das Dorf zurück. Später unterrichtete er ein paar Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien. Seine ersten Bücher schrieb er nebenher, 2001 schaffte er mit Artemis Fowl den großen Durchbruch. Im Gespräch in Berlin verriet er, daß er auf jeden Fall zwei weitere Bände von ,,Artemis Fowl" plant.
Als er selbst jung war, hat Eoin Colfer, der inzwischen 40 Jahre alt ist, gern Abenteuer-Bücher gelesen, wie zum Beispiel Mark Twains Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Außerdem mag er die James-Bond-Filme sehr, was man auch seinen Artemis-Romanen anmerken kann: Sie stecken voller Action, und manche der technischen Spielereien könnten aus einem Bond-Film stammen. Mit Technologie will Colfer ganz besonders Jungen ansprechen, die ja bekanntlich weniger Bücher lesen als Mädchen.
Mit den Auflagen der Harry-Potter-Bücher kann Eoin Colfer zwar noch nicht ganz mithalten, doch von seinen Artemis-Büchern hat er weltweit auch schon etliche Millionen verkauft. J. K. Rowling, die Harry-Potter-Erfinderin, hat er noch nicht kennengelernt. Er hofft aber darauf, sie einmal zu treffen. Vielleicht klappe es ja, wenn der siebte Harry-Potter-Band erschienen sei.
Von Harry Potter unterscheidet sich Artemis Fowl deutlich. In dem neuen Band "Die Rache" spielt die hinterhältige Wichtelin Opal Koboi eine wichtige Rolle, denn sie will ihre alte Gegenspielerin, die Elfe Holly Short von der Zentralen Untergrund-Polizei, ausschalten. Außerdem will sie den jungen Meisterdieb Artemis Fowl vernichten. Dazu hat sich Opal einen raffinierten Plan ausgedacht, der Holly in den Augen ihres eigenen Volkes zur Mordverdächtigen macht. Helfen könnte ihr zwar Artemis, doch der hat dank unterirdischer Spitzentechnologie alle Erinnerungen an das unterirdische Volk verloren. Außerdem versucht er gerade, ein berühmtes Gemälde zu stehlen. Deshalb muß Captain Holly Short in einem Wettlauf gegen die Zeit das Gedächtnis von Artemis aktivieren. Auch dieser Band ist wieder sehr spannend - und überhaupt gefallen mir die Bände besser als die Harry-Potter-Bücher. (Eoin Colfer: Artemis Fowl - Die Rache. List, Berlin. 336 Seiten, 18 Euro)
Francisco Sommer, Kl. 8 c, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Wilmersdorf





















