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Das Künftige war schon

5. "5x2" ist also nur ein weiteres Experiment im Retro-Labor. Das immerhin von zwei großen Darstellern lebt, die alle Abgründe der jeweiligen Situation metertief ausloten. Ozon ironisiert das zusätzlich, indem er für jede Szene einen anderen Erzählstil wählt. Mit einem Bergman beginnt und einem Rohmer endet.

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Mit klaustrophobischen Kammer-Spielen, die sich langsam in die Landschaft öffnen, und einem Halbdunkel, das sich in einem der schamlosesten Sonnenuntergänge auflöst. Fehlt nur noch der Einsprengsel eines deutschen Schlagers, wie wir das bei Ozon aus "Tropfen auf heiße Steine" kennen: "Und immer, immer wieder geht die Sonne auf."

Sein dekonstruktivistisches Spiel stählt den Blick des Zuschauers. Aber um so klarer sieht der auch, daß nur das Experiment ein im Grunde triviales Buch ein bißchen interessanter macht. "5x2" ist lediglich ein neuer Aufguß des ewigen Beziehungskisten-Kinos. Das schön trostlos sein darf und trotzdem optimistisch endet.

4. Dekonstruktion ist das Zauberwort der Postmoderne. Auch im Kino. Es ist alles schon gesagt, alles schon gezeigt worden. Also muß man immer wieder nach neuen Formen und Effekten suchen, um zu überraschen und Erwartungshaltungen zu brechen. Naturgesetze außer Kraft setzen.

Die erzählte Zeit per Vor- und Rückblenden in ein kompliziertes Mosaik aufbrechen. Personen zeigen, die es nie gegeben hat oder die längst tot sind und es nur nicht wissen. Oder aber die letzte philologische Gewißheit, daß jeder Text einen Anfang, eine Mitte und einen Schluß habe, frech ins Gegenteil verkehren.

Dieser Retro-Trend der anderen Art ist durchaus nicht neu. Er hat großartig funktioniert in Christopher Nolans Thriller "Memento", wo es sinnigerweise um einen Mann ohne Gedächtnis ging. Er wurde, aufs rein Reißerische spekulierend, in Gaspar Noes "Irreversibel" kopiert, wo der Film ebenfalls mit dem schlimmstmöglichen Schluß beginnt. Und Jane Campion hat das bereits einmal auf zwei Menschen reduziert, in "Two Friends", ein Fernsehfilm immerhin, der in Europa weithin unbekannt ist.

3. Nichts ist demnach, wie es scheint. Und alles Künftige, was wir schon gesehen haben, erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht. Ist Gilles gar nicht der Vater seines Sohnes? Sind seine Ausbruchsversuche nur Reaktionen auf den geahnten, gefühlten Treuebruch seiner Frau? Durch den Rückwärtsdreh sieht sich der Zuschauer ständig gezwungen, das erste Bild, das er sich gemacht hat, zu revidieren.

2. Wir lernen das Paar Marion (Valeria Bruni-Tedeschi) und Gilles (Stéphane Freiss) also an ihrem Tiefpunkt kennen. Dem Urteilsspruch des Scheidungsrichters und einem letzten Treffen in einem schäbigen Hotel, in dem sie sich noch einmal, ein verzweifeltes, letztes Mal, lieben wollen. Was dann leider mißlingt und zum wohl endgültigen Bruch führt.

Das gibt denn auch die Dramaturgie aller vier Szenen, die noch folgen, vor. Ozon zeigt uns ganz alltägliche, ganz banale Momente, die jeder kennt: Abendessen mit Freunden, Geburt des Sohnes, Hochzeitsnacht, erstes Rendezvous. Aber er zeigt sie uns stets mit einem Verfremdungs-Effekt, einem kleinen Störmechanismus.

Gilles erklärt vor Freunden, daß er seine Frau betrogen hat; er fährt zur Geburt in die Klinik und kommt dann doch nicht hinein. Er scheint der Fiese in der Partnerschaft. Bis wir Zeuge werden, wie er in der Hochzeitsnacht schnöde einschläft, die frisch Angetraute frustriert spazieren geht - und mit einem Wildfremden einen Quickie absolviert.

1. Diese Kritik müssen Sie ausnahmsweise von hinten nach vorn lesen. Wir können nicht garantieren, daß das irgendeinen Sinn macht. Aber damit sind wir schon mitten in der Problematik von Francois Ozons "5x2".

In seinem kammerspielartigen Drama zeigt uns Frankreichs Wunderkindregisseur etwas, das wir zur Genüge kennen: Szenen einer Ehe. Mit einem besonderen, aber auch dem einzigen Dreh, daß er es nicht streng linear erzählt, oder doch linear, aber in die verkehrte Richtung.

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