15.01.04

Angst vor der eigenen Courage

Von Sascha Westphal
Foto: © SPYGLASS ENTERTAINMENT GROUP, LP., ALL RIGHTS RESERVED
Die Flucht nutzt Colin Farrell nichts: Die CIA hat ihn längst in der Mangel
Die Flucht nutzt Colin Farrell nichts: Die CIA hat ihn längst in der Mangel

Der CIA und allen anderen Geheimdiensten ist grundsätzlich nicht zu trauen. Das wissen Kinogänger spätestens seit den siebziger Jahren. In der Dekade, die von Vietnam und Watergate geprägt wurde, hat Hollywood mit so pessimistischen Filmen wie "Die drei Tage des Condor", "Der Dialog" oder "Zeuge einer Verschwörung" Mechanismen und Machenschaften der Geheimdienste schonungslos offen gelegt.

Die Tradition der filmischen Dekonstruktion des Spionagegeschäfts ist zwar nie ganz abgerissen, hat aber im Lauf der Zeit ihre Selbstverständlichkeit verloren und damit auch etwas von der kritischen Konsequenz, die jene Filme zu Klassikern machte. Selbst wenn Roger Donaldson mit "Der Einsatz" auf den ersten Blick noch weiter geht als seine Vorbilder, bleibt er am Ende doch hinter ihnen zurück.

Der erfahrene CIA-Agent Walter Burke (Al Pacino) hat einen untrüglichen Blick für potentielle Rekruten; und er versteht es wie kein anderer, sie in die Welt der Lügen und Manipulationen hineinzuziehen. Schon einige vage Andeutungen über den Jahre zurückliegenden Tod von James Claytons Vater reichen Burke, um das von Colin Farrell gespielte Computergenie für ein Ausbildungsprogramm zu gewinnen. Und natürlich hat sein Schützling nicht die geringste Ahnung, worauf er sich da eigentlich einlässt.

Roger Donaldson treibt das Spiel um Manipulation und Misstrauen in ungeahnte Höhen. Die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit nie die ganze Wahrheit ist, gewinnt eine dezidiert politische Dimension. Mit jeder Wendung des Films wird klarer, dass es so etwas wie Wahrheit in dem ganz auf Argwohn und Paranoia basierenden Geheimdienst-Business nicht geben kann. Selbst wenn die Ziele, die von der CIA und ähnlichen Einrichtungen verfolgt werden, ursprünglich einmal hehr waren, ihre Methoden sind so verkommen, dass sie früher oder später alles korrumpieren müssen.

Diese ernüchternde Erkenntnis, die so gar nicht in das momentan in Amerika herrschende Klima passt, drängt sich mit jeder weiteren perfekt inszenierten Drehung der Thriller-Schraube immer unvermeidlicher auf. Nur schreckt Donaldson am Ende plötzlich vor ihr zurück. Das nicht ganz überraschende Happy End ist reiner Hohn und weckt eine unstillbare Sehnsucht nach der Zeit, als Hollywood noch konsequent sein durfte.

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