20.08.02

Fortuna soll Stadthaus Glück bringen

Von Peter Schubert

Mitte Weder Schinkel noch Stimmann haben wohl so sehr das Gesicht der Stadt geprägt wie er. Die Rede ist von Ludwig Hoffmann, dem Berliner Stadtbaurat des Kaiserreiches.

Über 100 Bauten konnte er in seinen 28 Dienstjahren von 1896 an in Berlin verwirklichen - vom Märchenbrunnen über das Märkische Museum bis zum Virchow-Krankenhaus. Im 150. Geburtsjahr des Baumeisters wird nun endlich auch Hoffmanns bekanntestes Wahrzeichen, das Berliner Stadthaus, wieder in alter Pracht erstrahlen: Wenn Ende des Jahres (und damit 100 Jahre nach der Grundsteinlegung des Gebäudes) auch der 80 Meter hohe Turm sein Baugerüst verliert, soll die markante Kuppel mit einer Replik der seit fast 50 Jahren verschollenen Fortuna gekrönt werden.

In seinem Atelier an der Lehrter Straße in Tiergarten ist der Künstler Joost van der Velden dieser Tage mit den letzten Feinarbeiten an der Nachschöpfung beschäftigt. Anhand einer nur 33 Zentimeter großen Miniatur, die der stellvertretende Landeskonservator Klaus von Krosigk bei den Erben des Münchner Bildhauers Ignatius Taschner entdeckt hatte, konnte van der Velden eine 3,25 Meter große Gipskopie modellieren, die nun von der Metallbau-Firma Helmich in Kupfer getrieben werden soll.

Mehr als 125 000 Euro kostet das Ganze - doch Berlin muss dafür keinen Cent zahlen. «Die Fortuna ist ein Geschenk des Unternehmers und Kunstmäzens Peter Dussmann», freut sich Peter Fleischmann, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres. Fleischmann, der sich bereits für die Rückkehr des großen Bären im renovierten Bärensaal des Stadthauses eingesetzt hatte, hofft nun, dass die Fortuna der Stadt tatsächlich Glück bringt. Taschners Original von 1911 hatte den Ersten und den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Erst nachdem Otto Grotewohl das Stadthaus zum Amtssitz des DDR-Ministerrates gemacht hatte, wurde die Figur 1951 von der Helmspitze entfernt, um einer Rundfunkantenne Platz zu machen. «Bis in die 60er-Jahre war das Kunstwerk noch in der Kuppel eingelagert», berichtet Fleischmann. Dann wurde die kupferne Glücksbringerin mit ihrem Lorbeerkranz und der vergoldeten Kugel offenbar eingeschmolzen.

Mit einem Blick nach Potsdam, wo derzeit gleichfalls mit Spenden des Fernsehmoderators Günther Jauch das Fortunaportal des Stadtschlosses rekonstruiert wird, lobt Fleischmann, dass zunehmend «nun auch in Berlin ein bürgerliches Engagement zu verzeichnen» sei.

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