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Scientology wirbt vor dem Berliner Dom

Die Scientology Kirche Berlin wirbt seit Sonntag auf dem Schlossplatz in einem großen gelben Zelt für sich. Im Inneren und vor dem Eingang stehen Scientology-Anhänger, bekleidet mit gelben T-Shirts, auf einigen ist die Aufschrift "Ehrenamtlicher Geistlicher" zu lesen. Eine Woche lang dürfen sich die Scientologen direkt vor der Ampel zum gegenüberliegenden Berliner Dom präsentieren.

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Die Verantwortlichen der Domgemeinde und der evangelischen Kirche sind empört. Sie finden es "unbegreiflich", dass das Bezirksamt dieser vom Verfassungsschutz als "verfassungsfeindliche Organisation" eingestuften Vereinigung ein Forum zur Werbung bietet. Für den Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Pfarrer Thomas Gandow, ist das ein "ungeheuerlicher Vorgang". Es sei schwer zu verkraften, wenn Menschen, zumal Berlin-Besucher, aus Neugier in das Zelt liefen und dort emotional missbraucht würden.

Gandow: "Durch ein geschicktes Verkaufsgespräch, bei dem auch ein so genannter Persönlichkeitstest eingesetzt wird, sollen Männer, Frauen und Jugendliche für die teuren scientologischen Psychokurse eingeschrieben werden." Der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber will sich erst heute "nach Überprüfung der Angelegenheit" zu dem Vorgang äußern.

Die "Geistlichen" auf dem Schlossplatz verstehen die Aufregung nicht. "Die Aktion dient der Eigenwerbung und ist als Informationsveranstaltung gedacht", sagt eine Scientologin. Dass es allerdings um etwas mehr geht, wird bei einem kurzen Besuch des Zeltes klar. Dort liegen Berlin-Touristen auf so genannten Beistandsliegen und werden entweder über Kopfhörer mit Scientology-Losungen berieselt oder von den "Geistlichen" betreut. "Wir führen lediglich Gespräche und verschließen unsere Augen nicht vor dem Leid anderer Menschen", heißt es. "Das alles gehört zur Taktik der Organisation", warnt Pfarrer Gandow.

Obwohl im von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) im April vorgelegten Verfassungsschutzbericht klar formuliert wird, dass Scientology zu den "verfassungsfeindlichen Organisationen" gehört, schien das Bezirksamt Mitte keine Bedenken bei der Genehmigung der Schlossplatz-Aktion zu haben. Das von Stadträtin Dorothee Dubrau (für Grüne) geführte zuständige Straßen- und Grünflächenamt gab für die Zeit vom 30. Mai bis zum 6. Juni das Okay ohne Auflagen. Bezirksamtssprecherin Karin Rietz: "Es wurde die Genehmigung für eine reine Informationsveranstaltung erteilt." Standgebühr für eine Woche: 22,50 Euro. Bei derartigen Aktionen dürften keine Passanten auf der Straße angesprochen werden, so Rietz.

Mittes Bürgermeister und Berlins CDU-Chef Joachim Zeller ist "nicht glücklich" über das gelbe Zelt und die "wahren Gründe der Betreiber". Aber: "Das Verwaltungsgericht hat von einem Verbot abgeraten, da es keine rechtliche Grundlage gibt."

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