31.10.08

Bildung

Zöllner will Abiturienten wieder mehr Zeit lassen

Geht es nach den Vorstellungen von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), könnten Real- und Gesamtschüler, die kein Abitur ablegen oder das Abitur in 13 statt in zwölf Jahren machen wollen, bald wieder zwei bis drei Unterrichtsstunden weniger pro Woche haben.

Von Regina Köhler

Die von Zöllner vorgeschlagene Schulstrukturreform sieht vor, dass nicht mehr alle Schüler ab Klasse sieben das gleiche Unterrichtspensum absolvieren müssen. Zurzeit stehen für alle 265 Unterrichtsstunden pro Jahr auf dem Plan. Diese Reglung trat vor drei Jahren in Kraft, als die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre beschlossen wurde.

André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses, wirft Zöllner vor, mit seinem Modell Lehrerstellen einsparen zu wollen. "Mindestens 50 Prozent der Schüler machen kein Abitur; wenn die künftig weniger Unterrichtsstunden haben sollen, ist das nichts anderes als ein Sparmodell", sagte er. Der Vorschlag gehe eindeutig zulasten der förderbedürftigen Schüler, kritisierte Schindler.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses forderte, dass alle Schüler bis zur zehnten Klasse die gleiche Stundenzahl absolvieren sollten, um wenigstens eine annähernde Chancengleichheit zu garantieren.

Gerade Schülern, die die Schule nach dem mittleren Schulabschluss verlassen wollen, dürften keine Stunden weggenommen werden, sagte er. "Sie müssen im Gegenteil so gut wie möglich auf den Abschluss vorbereitet werden." Angesichts der Tatsache, dass viele gegenwärtig den Anforderungen einer Lehrstelle nicht nachkommen könnten, sei das bitter nötig.

Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung, betonte indes, dass niemanden etwas weggenommen werden solle. Zöllners Anliegen sei aber klar: "Schule soll sich stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einstellen", so Frisse. Zöllner habe dabei vor allem die Schüler im Blick, die neben der Schule umfangreichen Freizeitaktivitäten nachgehen wollen. Diese könnten den längeren Weg zum Abitur wählen, hätten dann zwei bis drei Unterrichtsstunden weniger pro Woche und mehr Zeit für außerschulische Tätigkeiten.

Nicht erforderlich für mittleren Abschluss

Ralf Treptow, Vorsitzender der Oberstudiendirektoren, hält Zöllners Vorschlag für logisch. "Wenn Zöllners Modell umgesetzt wird und es künftig nur noch Regionalschulen und Gymnasien gibt, ist es nicht notwendig, dass die Regionalschulen die gleiche verdichtete Stundentafel habe wie die Gymnasien", so Treptow. Für den mittleren Schulabschluss sei das nicht erforderlich. Festgeschrieben wäre dann aber, dass Schüler der Regionalschule nur in 13 Jahren zum Abitur kämen.

Hiltrud Rothaus, Leiterin der Helmholtz-Gesamtschule Neukölln, hält eine Stundenreduzierung nur dann für machbar, wenn die Rahmenpläne entsprechend reduziert werden. "Das muss aber länderübergreifend mit Blick auf den mittleren Schulabschluss abgestimmt werden", sagte sie.

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