16.03.06

Stasi-Offiziere leugnen den Terror

Ist Hohenschönhausen noch eine Stasi-Hochburg? Seit Dienstag abend kann diese, von der Linkspartei.

Ist Hohenschönhausen noch eine Stasi-Hochburg? Seit Dienstag abend kann diese, von der Linkspartei.PDS des Bezirks verneinte Frage nur mit einem klaren Ja beantwortet werden. Mehr als 200 ehemalige Generäle, Offiziere und Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes haben eine Diskussionsveranstaltung des Bezirksamtes mit Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei.PDS) über vier künftige Informationstafeln am Ex-Stasi-Untersuchungsgefängnis massiv zu Beleidigungen der Opfer und Verleugnung der Repressalien genutzt. Angeführt wurden sie von Mielke-Stellvertreter Werner Großmann und dem letzten DDR-Stasi-Chef Wolfgang Schwanitz. Dem Rest der insgesamt 300 Besucher im überfüllten BVV-Saal ließ die stabsmäßig organisierte Stasi-Übermacht kaum eine Chance, sich zur Wehr zu setzen.

Es begann mit wütendem Buh-Gejohle und "Lügen"-Rufen der Stasi-Leute, als in der Podiumsdiskussion das frühere Gefängnis - heute Stasiopfer-Gedenkstätte - als "Ort des Terrors, der Mißhandlungen und des Leidens" charakterisiert worden war. Der ehemalige Stasi-Hauptabteilungsleiter Dieter Skiba nannte die Gedenkstätte ein "Gruselkabinett". Es wurden gar wutentbrannte Stimmen laut, die Gedenkstätte zu schließen.

Der ehemalige Haftanstaltsleiter Siegfried Rataizik verunglimpfte einstige politische Häftlinge, die jetzt als Zeitzeugen durch die Gedenkstätte führen: "Sie stellen sich als Opfer dar und deklarieren uns als Täter", geiferte er, wo es doch in Hohenschönhausen human zugegangen sei. Als ein Stasi-Mann gar die Einrichtung von Wasser-Folterzellen leugnete, überführte ihn Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe mit einer bewegenden Zeugenaussage erst Recht der Lüge.

Sichtlich entsetzt sagte Knabe gestern: "Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer, wenn Stasioffiziere darüber befinden wollen, wie die Erinnerung an ihre Verbrechen aussehen soll." CDU-Fraktionschefin Astrid Jantz zeigte sich ebenfalls schockiert: "Es ist unfaßbar, daß ehemalige Stasioffiziere ohne jedes Unrechtsbewußtsein auftreten und historische Tatsachen leugnen."

Von ehemaligen Häftlingen wurde kritisiert, daß der Kultursenator "nur die Rolle eines neutralen Beobachters gespielt" habe. Auch zu dem in der Linkspartei.PDS des Bezirkes umstrittenen Vorschlag Knabes für die Formulierung "vierzigjährige kommunistische Diktatur in Ostdeutschland" auf den Tafeln bezog Flierl keine klare Stellung. Man müsse weiterdiskutieren, auch kontrovers, sagte er, und möglichst differenziertere Begriffe finden.

rg

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