20.01.06

Können die Theater am Kudamm doch bleiben?

Grün ist die Hoffnung. Und dunkelgrün ist auch der neue S-Klasse-Mercedes, dem Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck gestern nachmittag vor dem Roten Rathaus entstieg.

Von Brigitte Schmiemann und Isabell Jürgens
Foto: Joachim Schulz
Auf dem Weg zu Wowereit: DB-Vorstand Tessen von Heydebreck
Auf dem Weg zu Wowereit: DB-Vorstand Tessen von Heydebreck

Grün ist die Hoffnung. Und dunkelgrün ist auch der neue S-Klasse-Mercedes, dem Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck gestern nachmittag vor dem Roten Rathaus entstieg. Pünktlich um 16.30 Uhr fuhr der Bankvorstand zum vertraulichen Gespräch über die Zukunft der Kudamm-Theater mit Klaus Wowereit vor. Doch von Heydebreck gab sich vor Journalisten zugeknöpft. Auf die Frage, ob er gute Neuigkeiten für den Bürgermeister im Gepäck habe, antwortete er: "Sie müssen mich wohl verwechseln."

Die mangelnde Auskunftsfreude des Konzernchefs werten Kenner der Kulturszene indes nicht als schlechtes Omen: Schließlich hatte von Heydebreck, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung ist, erst am Vormittag das Sponsoring für das Brechtjahr 2006 vorgestellt (nachzulesen auf Seite 22). Außerdem hatten die Gesprächsparteien vorab Stillschweigen vereinbart. Die Senatskanzlei teilte nach dem gut anderthalbstündigen Gespräch, bei dem auch die Wölffer-Bühnen vertreten waren, dann aber doch noch mit, daß die Atmosphäre "konstruktiv" und man um eine "vertretbare Lösung" bemüht gewesen sei. Über Ergebnisse wurde nichts bekannt. Es seien weitere Gespräche zwischen dem Bank-Immobilienfonds und den Bühnen vereinbart worden.

Die Proteste und Solidaritätsbekundungen sind unterdessen ungebrochen. Die Fangemeinde der beiden gekündigten Theater wächst jeden Tag. Prominente wie Katharina Thalbach, Volker Schlöndorff oder Claus Peymann machen sich für den Erhalt stark. Aber auch die Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt oder der Arbeitsgemeinschaft "60 plus" der Spandauer Sozialdemokraten kämpfen für die Traditions-Spielstätten. Mehr als 22 000 Unterschriften in wenigen Tagen sind ein deutliches Zeichen, über das auch die Bank wohl nicht länger hinwegsehen wollte. Auch wenn gestern noch nicht verkündet wurde, was Tessen von Heydebreck im Gepäck hatte: Er wird sich nun wohl nicht mehr lumpen lassen.

Baurechtlich steht das Kudamm-Karree nicht unter Denkmalschutz und könnte abgerissen werden. "Bei einem Neubau würden wir aber die Forderung nach dem qualifizierten Erhalt der beiden Theater stellen, so daß sie attraktive Boulevard-Theater bleiben können", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Eine Ecke im vierten Obergeschoß sei nicht akzeptabel.

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