Konspirative Treffen in der Moschee
Dienstag, 10. Juni 2008 08:30In Berlin leben laut Verfassungsschutz rund 160 Hisbollah-Aktivisten. Bundesweit haben die Staatsschützer knapp 1000 gewaltbereite Anhänger der schiitischen Terrororganisation ausgemacht.
In Berlin leben laut Verfassungsschutz rund 160 Hisbollah-Aktivisten. Bundesweit haben die Staatsschützer knapp 1000 gewaltbereite Anhänger der schiitischen Terrororganisation ausgemacht. Im Visier der Fahnder stehen mehrere Moscheen und islamistische Netzwerke in der deutschen Hauptstadt. So sollen sich in der Neuköllner Imam-Reza-Moschee libanesische Hisbollah-Mitglieder konspirativ mit Vertretern der iranischen Botschaft treffen. Die Moschee gilt seit Jahren als möglicher Verbindungsstützpunkt für die Hisbollah. Darauf verweist auch ein Gutachten über islamische Netzwerke und Ideologien unter Migranten in Deutschland, das Ende 2004 für den Integrationsbeauftragten der Bundesregierung erstellt wurde.
Die Hisbollah kämpft vom Libanon aus gegen Israel. Sie wird vom Iran unterstützt. Die Organisation ist in Deutschland nicht verboten. "In Berlin agieren die Anhänger nicht offen", heißt es im Berliner Verfassungsschutzbericht. Zu ihren Aktivitäten zähle vor allem das Spendensammeln und die Organisation des "Al-Quds"-Tages, an dem gegen Israel auch in Berlin demonstriert wird. Die Moscheen sollen dabei seit langem als Ort der Agitation und Planung dienen. Auch die Imam-Cafer-Sadik-Moschee in Wedding gilt als Anlaufpunkt für Hisbollah-Aktivisten. So ging einer der Mykonos-Attentäter in der Weddinger Cafer-Sadik-Moschee, die 1978 gegründet wurde, ein und aus. Die Bundesanwaltschaft schrieb zum damaligen Prozeß gegen die Attentäter, die iranische Oppositionelle im Restaurant Mykonos ermordeten, daß die Moschee an der Koloniestraße schon Mitte der 90er Jahre "auch Treffpunkt fundamentalistischer Moslems ist". Nach Erkenntnissen der Hamburger Verfassungsschützer gibt es auch Verbindungen zwischen den Berliner Hisbollah-Aktivisten und dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH), dessen Strukturen angeblich direkt aus dem Iran kontrolliert werden. Gemeinsam organisierten sie die Demonstrationen am "Al-Quds"-Tag in Berlin. In dem Gutachten über islamische Netzwerke wird detailliert auf die Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin verwiesen.
Eine Spur zu den Hisbollah-Aktivitäten in Berlin führte danach 2003 auch über einen iranischen Verein. Ein Vorstandsmitglied der "Islamischen Gemeinde der Iraner in Berlin-Brandenburg" hatte den "Al-Quds"-Tag angemeldet. Laut Innenverwaltung gab es "offenkundig" enge Verbindungen zwischen dem IZH und dem Verein. So gehörte das Grundstück, auf dem der Verein seinen Sitz hat, dem IZH. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Öczan Mutlu an den Innensenator hervor. Trotz der Situation im Libanon gebe es gegenwärtig jedoch "keine konkreten Hinweise, daß hier eine Gefahr von der Hisbollah droht", hieß es gestern aus der Verwaltung.
BM






















Jobs
Immobilien
Reisen
Branchenbuch




















