Studie: Raucherzimmer sind gefährlich
Dienstag, 10. Juni 2008 02:22 - Von Gilbert SchomakerDas gestern im Abgeordnetenhaus verabschiedete Nichtraucherschutz-Gesetz hat offenbar erhebliche Schwächen.
Das gestern im Abgeordnetenhaus verabschiedete Nichtraucherschutz-Gesetz hat offenbar erhebliche Schwächen. Nach einer noch nicht veröffentlichten Studie des Deutsche Krebsforschungszentrums Heidelberg geht von den Raucherräumen in Gaststätten eine erhebliche Gefahr für die Menschen in den Nichtraucherbereichen aus. Genau solche abgeschlossenen Raucherräume sieht das neue Gesetz in Berlin, das im Januar in Kraft tritt, vor. Die Nichtraucher sollen im Tresenbereich vor dem Tabakqualm geschützt werden - doch der Schutz trügt.
Martina Pötschke-Lange vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagte: "Durch das Öffnen der Tür des Raucherraums dringen kleinste, lungengängliche Partikel auch in den Nichtraucherbereich. Wie in einem Sog verbreiten sich die schädlichen Stoffe beim Öffnen der Tür." Die Krebsexpertin verwies auf die Ergebnisse ihrer Studie. Danach lag die Konzentration kleiner Partikel (PM 2,5) im Raucherraum genauso hoch wie im unmittelbar benachbarten Nichtraucherbereich.
Konsequentes Verbot gefordert
"Mit der Zeit verbreiten sich die gefährlichen Stoffe auch im ganzen Nichtraucherraum", sagte Pötschke-Lange. Um eine Gefährdung durch den Zigarettenqualm für Gaststättenbesucher und Beschäftigte zu verhindern, sei ein absolutes Rauchverbot nötig. "Raucherräume sind mit ihrer extrem hohen Belastung die reinsten Giftküchen", sagte die Krebsexpertin.Das Abgeordnetenhaus beschloss gestern das Nichtraucherschutzgesetz. Danach darf vom 1. Januar an nicht mehr in öffentlichen Gebäuden, in Vereins- und Sportheimen sowie in Gaststätten, Bars, Restaurants und Diskotheken geraucht werden. Einzig, wenn ein abgeschlossener Raucherraum im hinteren Bereich vorhanden ist, darf in Gaststätten und Diskotheken darin ein Raucherzimmer eingerichtet werden.
Verstöße gegen das Rauchverbot kosten 100 Euro Bußgeld. Wirte können mit bis zu 1000 Euro belangt werden. Kassiert werden soll aber erst nach einer Übergangsfrist von sechs Monten. Die Ordnungsämter der Bezirke sind für die Einhaltung des Nichtraucherschutzes zuständig. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke): "Damit ist der Weg frei für mehr Gesundheitsschutz der Berliner und der Gäste Berlins. Sie haben künftig einen Rechtsanspruch auf eine rauchfreie Umgebung in allen öffentlichen Gebäuden und in der Gastronomie."
Während die FDP das Gesetz als "Zwangsbeglückung" kritisierte, sprach Stefanie Winde (SPD) von einer "enormen Verbesserung der jetzigen Situation". Ein von Wirten und Rauchern angekündigtes Volksbegehren werde keine Chance haben, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.
Das Volksbegehren wollen ein Verein mit dem Namen "Netzwerk Rauchen" und die "Initiative für Genuss". Wirte sollten die Wahl haben zu entscheiden, ob Gäste in ihren Räumen rauchen dürften. "Die rigide Verbotspolitik des Senats gefährdet die einmalige Kneipenkultur Berlins", sagte ein Sprecher der Initiative. Er zeigte sich zuversichtlich, dass als erste Hürde vor einem möglichen Volksentscheid innerhalb von sechs Monaten mindestens 20 000 Unterschriften pro Entscheid gesammelt werden können.
Auf Bühnen darf weiterhin geraucht werden
Wolfgang Albers (Linke) forderte eine Intensivierung der Aufklärung über die Gesundheitsgefahren, die vom Rauchen ausgehen. Aus seiner Sicht geht das Gesetz sogar nicht weit genug. So sei es unverständlich, dass weiterhin auf Theaterbühnen geraucht werden dürfe.Mario Czaja, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, signalisierte die Unterstützung seiner Partei für das Senatsvorhaben. Wichtig sei es aber, dass man die Ängste der Wirte ernst nehme. Allerdings seien die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern positiv. Dort habe es keine wirtschaftlichen Einbußen durch Rauchverbote gegeben. Heidi Kosche (Grüne) kritisierte die vielen Ausnahmen, insbesondere die Möglichkeit, Raucherzimmer in Gaststätten und Vereinsheimen sowie Diskotheken einzurichten.
Die CDU setzte sich nicht mit einem Antrag durch, der auch ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen vorsah. Dabei geht die Gefahr weniger von dem Rauch aus, sondern vielmehr von den weggeworfenen Kippen. "Kippen auf Kinderspielplätzen stellen für kleine Kinder eine echte Vergiftungsgefahr dar", sagte Martina Pötschke-Lange vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Beim Berliner Giftnotruf laufen pro Jahr mehr als 200 Notrufe ein, weil Kleinkinder Zigarettenkippen verschluckt hatten.























Jobs
Immobilien
Reisen
Branchenbuch




















