03.11.07

Amokfahrer landet in der Psychiatrie

Rahmat S., der am 2. Juli 2006 mit einem Auto auf die Fanmeile der Fußball-Weltmeisterschaft fuhr und dabei mehrere Personen verletzte, ist von einer Moabiter Schwurgerichtskammer in die Gefängnispsychiatrie - den sogenannten Maßregelvollzug - eingewiesen worden.

Von Michael Mielke

Rahmat S., der am 2. Juli 2006 mit einem Auto auf die Fanmeile der Fußball-Weltmeisterschaft fuhr und dabei mehrere Personen verletzte, ist von einer Moabiter Schwurgerichtskammer in die Gefängnispsychiatrie - den sogenannten Maßregelvollzug - eingewiesen worden. Richter Peter Faust sagte bei seiner Begründung, der Beschuldigte habe am 2. Juli "ganz offensichtlich im Zustand einer Geisteskrankheit agiert". Diese Einschätzung sei von einem Sachverständigen bestätigt worden.

Der 34-jährige Deutsch-Inder durchbrach am Tattag mit dem VW Polo seines Vaters unvermittelt eine Barriere vor der Fanmeile am Brandenburger Tor, fuhr mit etwa 40 Stundenkilometern in eine Menschengruppe und prallte mit dem Wagen schließlich gegen einen Poller. Bei dieser Amokfahrt verletzte er mindestens 20 Personen. Ein Polizist wurde direkt vom Wagen erfasst. Andere Personen wurden von Gitterteilen und an den Gittern befestigten Fahrrädern getroffen oder stürzten bei ihrer panischen Flucht.

Das Schwurgericht wertete die Tat als "versuchten Mord mit gemeingefährlichen Mitteln in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung". Ausgeführt jedoch "im Zustand der Schuldunfähigkeit", so Faust. "Und wer ohne Schuld handelt, kann auch nicht bestraft werden."

Rahmat S.' Verteidigerin hatte dafür plädiert, ihren Mandanten die Unterbringung in der Gefängnispsychiatrie nur anzudrohen und sie auf Bewährung auszusetzen. Auch Rahmat S. hatte bei seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung das Gericht darum gebeten, ihn nicht wieder in die Anstalt zurück schicken. "Ich leide unter meinen Mitpatienten", sagte der ehemalige Wirtschaftsstudent, der zuletzt bei einem Pflegedienst arbeitete. Und er betonte - wie schon zu Beginn des Prozesses -, dass ihm "das alles sehr leid" tue. "Es war nicht mein Wille und auch nicht meine Intention, jemanden töten zu wollen."

Das Gericht sah jedoch keine Möglichkeit, dem Antrag der Verteidigung zu folgen. Rahmat S. sei noch immer gefährlich, sagte Richter Faust, und die Allgemeinheit müsse vor ihm geschützt werden. Nach der Festnahme am 2. Juli habe es bei Rahmat S. noch zwei akute Rückfälle gegeben, weil er von sich aus das Einnehmen der Medikamente abgesetzt habe. Es gebe bei dem als sehr intelligent geltenden Beschuldigten ganz offenkundig auch noch kein inneres Warnsystem, das ihm helfen könnte, bei ersten Symptomen sofort zu reagieren.

Nebenklägerin Angelika K., die am 2. Juli verletzt wurde und noch immer unter den Folgen der Amokfahrt leidet, zeigte sich nach der Urteilsverkündung erleichtert. Es sei gut, so die 42-Jährige, dass Rahmat S. nun erst einmal in die geschlossene Psychiatrie komme und behandelt werde. Sie habe "während des Prozesses nicht das Gefühl gehabt, dass er seine Krankheit wirklich ernst" nehme.

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