"Ich soll ihnen sagen, dass Schluss ist . . ."
Donnerstag, 5. Juni 2008 13:14 - Von Julia SiepmannSchluss machen als Dienstleistung: So lautet die ungewöhnliche Geschäftsidee von Bernd Dressler.
Schluss machen als Dienstleistung: So lautet die ungewöhnliche Geschäftsidee von Bernd Dressler. Der Existenzgründer hat für diesen besonderen Trennungs-Service einen Raum in einer Zehlendorfer Sprachschule gemietet. Dort sitzt er nun mit seinem Praktikanten Tadeusz Fudala und nimmt Anrufe und Mails entgegen. Gut 200 Trennungsbotschaften hat er als Schlussmacher schon persönlich überbracht. So ein Besuch vor Ort inklusive Vorgespräch und nachträglichem Telefonat kostet 49,95 Euro. Dressler bleibt während des Gesprächs, das durchschnittlich drei Minuten dauert, grundsätzlich im Hausflur stehen. Eine Einladung zum Kaffee würde er ablehnen. "Die bekomme ich aber fast nie, weil die Betroffenen so überrascht sind", sagt er.
Partnerschaften als Geschäftsfeld
Während Bernd Dressler über seinen ungewöhnlichen Beruf redet, klingelt manchmal das Telefon auf dem Schreibtisch vor ihm. Dann meldet er sich mit "Arbeitsgemeinschaft Existenzgründung Dressler, Guten Tag". Der gelernte Volkswirt erzählt, dass seine Trennungsagentur nur eine von mehreren Geschäftsideen sei, die er anbietet. Neben der Trennungsagentur bietet er Beziehungsrettungsdienste an. Auf den Internet-Seitenwww.komm-zurueck24.de
und
www.verzeih-mir24.de
heißt es: "Wir reden auch mit Ihrem/r Ex, wenn er/sie nicht mehr bereit ist, mit Ihnen zu reden." Für andere Existenzgründer bietet er "elf weitere Konzepte an, mit denen sich Leute selbstständig machen können, die nur über ein kleines Budget verfügen". Für die angehenden Existenzgründer habe er ein nützliches Handbuch entwickelt: "Da steht alles drin. Wie man ohne eigenes Geld und Büro ein Geschäft aufzieht, und wie man an seine Zielgruppen rankommt."
Über die Osterfeiertage gelangte ein längerer Brief in sein Postfach. Da beklagte eine schwangere Mittzwanzigerin, dass sie von ihrem älteren Freund schon länger schlecht behandelt und nun sitzengelassen worden sei. Die Frau will ihren Freund zurück, kann nicht glauben, dass er sie nicht mehr liebt. Ob er ihr helfen könne?
"Jetzt sagen Sie so einem Mädchen mal, dass das keinen Zweck hat", sagt er genervt. "Manche Frauen rennen offenen Auges in ihr Unglück." Auf diesen Auftrag hat er keine Lust, das sieht man ihm an. Vielleicht vermittelt er das Mädchen an die TV-Sender Sat.1 oder RTL für eine dieser Reality-Shows, "die rufen manchmal an und fragen, ob ich jemanden vermitteln kann".
Bevor er seinen Hausbesuch abstattet, müssen seine Kunden einen Fragebogen ausfüllen. Dort geben sie an, wo und wann ihr Expartner am besten zu erreichen ist, ob er zu Gewalt neigt, was sie, bitte schön, von ihm zurückhaben möchten. Bernd Dressler ist allerdings kein Geldeintreiber. Er übergibt lediglich eine Liste mit zurückgeforderten Dingen. Wenn der verärgerte Expartner eine Szene macht und nichts herausrücken will, dann lässt Dressler es gut sein. Wenn er etwas zurückgeben kann, berechnet er 20 Euro extra - "bis Koffergröße".
Vier "Trennungspakete" im Angebot
Insgesamt bietet Bernd Dressler vier Trennungspakete an. Sein Besuch an der Haustür gehört zu Paket 4 ("Persönlich Schluss machen"). Eine anderes Angebot heißt "Lass uns Freunde bleiben" (19,95 Euro), die er als "einfühlsames Gespräch am Telefon" beschreibt. Dann gibt es noch "Lass mich in Ruhe" zum gleichen Preis. Da telefoniert Dressler auch, aber resoluter. Beim "Schriftlichen Schlussmachen" formuliert er für 29,95 Euro persönliche Briefe.Wer seine Klienten sind? Zwei Drittel seiner Kunden sind Frauen, der Altersdurchschnitt liegt bei 24 Jahren, was die Betroffenen beruflich machen, weiß Dressler oft nicht. Eine Auftraggeberin jenseits der 40 Jahre gab es bei ihm noch nicht. Dressler glaubt den Grund zu kennen: "Diese Generation konnte ihre Probleme noch selber lösen."
Infos unter:
www. trennungsagentur.com























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