So erobert Knut weltweit die Herzen
Donnerstag, 5. Juni 2008 13:09 - Von Regina KöhlerDas ist alles noch gar nicht so lange her: Selig lagen sich völlig Unbekannt in den Armen, hemmungslos kamen fremde Menschen miteinander ins Gespräch.

Das ist alles noch gar nicht so lange her: Selig lagen sich völlig Unbekannt in den Armen, hemmungslos kamen fremde Menschen miteinander ins Gespräch. Die Fußball WM in Berlin sorgte für gute Stimmung und ließ viele einfach nur glücklich sein. Sie sollte nie zu Ende gehen, war dann aber doch ganz plötzlich vorbei. Danach kam der Katzenjammer. Und dann kam Knut.
Genau im richtigen Moment. Das Gefühl der Leere war schon fast nicht mehr auszuhalten. Alle hatten sich wieder auseinander gelebt. Der Alltag war wieder so banal, so grau und so traurig geworden wie vor dem Fußballwunder. Dann kamen die ersten Bilder von Knut. Niemand war darauf vorbereitet. Und plötzlich leuchtet der Alltag wieder, fast so hell wie das weiße Eisbärenfell.
Nach der Fußballelf ist es nun einem arglosen kleinen Wesen gelungen, die Menschen erneut zu vereinen, Länder übergreifend auch dieses Mal. Von seiner Mutter verlassen, ist Knut so schutz- und liebebedürftig, so anhänglich und trotzdem so fröhlich. Das öffnet unser aller Herzen. Wir fühlen uns angesprochen. Wir finden wieder zusammen, vereint in Liebe zu diesem unschuldigen Geschöpf.
Und wir können gar nicht genug bekommen von Knut. Wir gehen in den Zoo, wir kaufen Videos und DVDs, wir bestaunen die immer neuen Bilder im Internet und in der Zeitung, wir decken uns ein mit Knut-Plüsch-Bären, Knut-Postkarten und Knut- T-Shirts ein. Wir machen Knut für alles mitverantwortlich, was erfolgreich ist und unser Gemüt aufhellt. Kurzum: Wir können nicht mehr ohne Knut. Der ist längst ein Wirtschaftsfaktor und sorgt auch diesbezüglich für Aufwind - in den Kassen wie im Gemüt.
"Ich werde Knut zum Gegenstand meines nächsten Seminars machen", sagt auch Peter Walschburger, Biopsychologe an der Freien Universität. Die Knut-Geschichte beinhalte alles, was Psychologie ausmache, praxisnäher könne man deshalb gar nicht sein.
Walschburger erklärt das Knut-Phänomen folgendermaßen: Da greife zunächst das so genannte Kindchen-Schema. Knuts rundliche Konturen, seine Stupsnase, die kleinen Ohren, seine Knopfaugen würden die Menschen anrühren und für das Tier einnehmen. Auf der anderen Seite sei gerade der Eisbär Synonym für das starke Raubtier sowie für den einsamen Jäger. Dieses Wissen setze bei vielen romantische Assoziationen frei. Hinzu käme der Mythos der Kindesaussetzung. Knut sei von seiner Mutter verstoßen worden, eine dramatische Geschichte, die bis in die Bibel zurückreicht. Schließlich fasziniere die überaus enge Beziehung, die den kleinen Eisbären mit seinem menschlichen Pfleger verbindet. "Wir alle haben Sehnsucht nach einer derart verlässlichen Bindung", sagt Walschburger.
Ohne die Medien allerdings wäre der kleine Eisbär nicht zu dem geworden was er ist - ein globaler Star. Walschburger macht vor allem die vielen Bilder von Knut, die jederzeit und überall zu haben sind, für dessen Berühmtheit verantwortlich. Auch die Berichte in Fernsehen und Internet hätten eine gigantische Verstärkerwirkung, sagt er. "Meist schaffen es die negativen, furchterregenden Nachrichten ganz nach vorn. Im Fall von Knut ist endlich einmal eine positive Nachricht das Top-Thema, "das macht die Leute glücklich."
So kommt es, dass sogar in den USA viele Menschen inzwischen Knut-verrückt sind und die Plüschvariante des kleinen Bären auch dort reißenden Absatz findet.























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