20.02.12

BVG

2,40 Euro für den Einzelfahrschein

Fahrten mit Bussen und Bahnen sollen in Berlin noch ab diesem Sommer teurer werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost planen die im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zusammengeschlossenen Unternehmen eine Erhöhung der Ticketpreise zum 1. August. Zuletzt hatte der VBB die Tarife zum 1. Januar 2011 um 2,8 Prozent angehoben.

Von Thomas Fülling

Die neuerliche Fahrpreiserhöhung wird von den Verkehrsunternehmen - darunter BVG, S-Bahn und DB Regio - vor allem mit den in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Energiepreisen begründet. Auf die Preise im Berliner Tarifgebiet könnte indes auch der Ausgang des aktuellen Tarifstreits bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) Auswirkungen haben.

Bereits am Mittwoch berät der zuständige VBB-Beirat die neuen Fahrpreistabellen. Vorgesehen ist unter anderem, den Einzelfahrschein in Berlin (Tarifzone AB) um zehn Cent auf 2,40 Euro zu verteuern. Aber auch die Preise für alle anderen Tickets sollen steigen - im Durchschnitt um etwa drei Prozent. Notwendig für eine Tarifanhebung ist jedoch noch ein Beschluss des VBB-Aufsichtrats, der das nächste Mal Mitte März tagt. Dort haben die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg sowie die Landräte das letzte Wort.

Nikutta verweist auf Diesel-Preise

"Jeder kann derzeit an Tankstellen sehen, wie sich die Preise vor allem für Diesel entwickelt haben. Das wollen wir zumindest zum Teil über eine Fahrpreiserhöhung ausgleichen", bestätigte BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta die Pläne, ohne jedoch Einzelheiten nennen zu wollen. Die BVG ist das größte Einzelunternehmen im VBB und bestimmt mit ihren Vorschlägen maßgeblich das Niveau der Berliner Tarifzonen.

Die tatsächlichen Erhöhungen könnten auch davon abhängen, mit welchem Ergebnis die aktuelle Tarifauseinandersetzung zu Ende geht. "Wir haben in unseren Vorschlag eine moderate Erhöhung der Löhne mit eingerechnet", sagte Nikutta. Sollte der Tarifabschluss jedoch über dem kalkulierten Niveau liegen, müsste neu gerechnet werden. Vor einigen Tagen hatte Nikutta die Forderungen von Ver.di so kommentiert: "Wer solche Forderungen aufstellt, muss sich fragen lassen, ob in Berlin jemand bereit ist, 2,80 Euro für einen Fahrschein zu bezahlen."

Die Fahrgeld-Erlöse sind für die BVG die wichtigste Einnahmequelle. Rund 550 Millionen Euro kamen im Vorjahr über den Ticketverkauf in die Kasse. Damit kann die BVG allerdings gerade so die Personalkosten decken. Hinzu kommen aber noch die Ausgaben für Fahrzeuge, Energie und die Instandhaltung. Allein Strom und Kraftstoffe kosten die BVG rund 105 Millionen Euro im Jahr. Zweitwichtigster Posten bei den Einnahmen sind die Überweisungen des Landes Berlin - im Vorjahr insgesamt rund 350 Millionen Euro. Doch die Hälfte des Geldes ist für Investitionen in die Infrastruktur, also zum Beispiel den Erhalt der teils mehr als 100 Jahre alten U-Bahn-Tunnel, reserviert.

Auf mehr Geld vom Senat kann BVG-Chefin Nikutta angesichts einer Landesverschuldung von 63 Milliarden Euro nicht hoffen. Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratschef Ulrich Nußbaum (parteilos) stellte jetzt klar: "Wir sind da am Ende der Fahnenstange." Nußbaum sieht daher auch keine Möglichkeiten, das Arbeitgeberangebot zur Erhöhung der Löhne und Gehälter für die rund 12 500 BVG-Mitarbeiter noch spürbar aufzustocken. "Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist das, was wir wirtschaftlich leisten können", sagte er der Berliner Morgenpost. Der Finanzsenator verwies darauf, dass das aktuelle Angebot über dem liege, was den Landesbeamten zugebilligt werde. Deren Bezüge würden in diesem und im nächsten Jahr jeweils um zwei Prozent erhöht.

Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) hatte den BVG-Beschäftigten zuletzt ab Mai 2,3 Prozent mehr Geld angeboten, weitere 1,3 Prozent ab Juni 2013 und 1,5 Prozent ab Juli 2014. Hinzu kämen im Januar 2015 einmalig 100 Euro. Das Gesamtvolumen dieser Einkommensverbesserungen wurde mit 38,6 Millionen Euro beziffert. Die Gewerkschaft Ver.di will dagegen - bei einer deutlich kürzeren Vertragslaufzeit - Lohnzuschläge oberhalb der Teuerungsrate, die 2011 bei 2,3 Prozent lag. Die Forderungen der Gewerkschaft würden laut KAV für die BVG Mehrkosten von etwa 62 Millionen Euro verursachen.

Bei Ver.di, die ihre Lohnforderung für die BVG-Beschäftigten ihrerseits mit allseits steigenden Lebenshaltungskosten begründet, ist man empört darüber, dass Nikutta nun höhere Fahrpreise ins Spiel bringt. "Hier wird versucht, die Mitarbeiter und die Fahrgäste gegeneinander auszuspielen", sagte Betriebsrat Axel Schröder. Nikutta ignoriere damit, dass gerade die Mitarbeiter mit ihrer guten Arbeit dafür gesorgt hätten, dass die BVG im Vorjahr so viele Fahrgäste wie noch nie befördert habe. Das habe dem Unternehmen schließlich erhebliche Mehreinnahmen gebracht.

Anders als ihr Vorgänger Andreas Sturmowski, der regelmäßig mit Vorschlägen für höhere Ticketpreise vorpreschte, setzt Nikutta zur Einnahmeverbesserung vor allem auf ein Plus an Fahrgästen. Nicht zuletzt bedingt durch die Ausfälle bei der krisengeschwächten S-Bahn und deren teure Entschuldigungs-Freifahrten konnte die BVG im Vorjahr mit mehr als 930 Millionen Fahrgästen einen neuen Rekord aufstellen. Finanziell stand unterm Strich dennoch erneut ein Minus von 74 Millionen Euro. Der Schuldenberg erreicht inzwischen eine Höhe von fast 800 Millionen Euro. Nikutta will ab 2016 zumindest keine neuen Schulden mehr machen. Dieses Ziel kann sie jedoch nur bei einem maßvollen Lohnwachstum oder mit spürbar höheren Fahrpreisen erreichen. "Es ist in unser aller Interesse, aus den roten Zahlen herauszukommen", appellierte sie an die Tarifparteien, die sich heute zu ihrer 7. Verhandlungsrunde treffen. "Gibt es kein verhandlungsfähiges Angebot, sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen", kündigte ein Sprecher bereits an. Ver.di will am Montagabend das weitere Vorgehen im Tarifstreit beraten.

"Hier wird versucht, die Mitarbeiter und die Fahrgäste gegeneinander auszuspielen"

Axel Schröder, BVG-Betriebsrat

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