Tempelhof: Mehdorn schreibt Wirtschaftsbosse an
Montag, 2. Juni 2008 00:26 - Von Katrin SchoelkopfBahn-Chef Hartmut Mehdorn hat mehr als 100 Wirtschaftsführer in Deutschland und Europa angeschrieben, um diese im Vorfeld des Tempelhof-Volksentscheids am 27. April in eine Kampagne für den Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof einzubinden.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat mehr als 100 Wirtschaftsführer in Deutschland und Europa angeschrieben, um diese im Vorfeld des Tempelhof-Volksentscheids am 27. April in eine Kampagne für den Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof einzubinden.
"Der Rücklauf war enorm", sagte der Generalbevollmächtigte der Deutschen Bahn, Wolf-Dieter Siebert, am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung des Hauptverbandes für den Ausbau von Infrastrukturen (Infraneu). Es habe sich gezeigt, dass, sollte Tempelhof von der Bildfläche verschwinden, dies nicht nur ein Berliner, sondern ein internationales Problem darstellen würde. Die Meinungsbildung von Wirtschaftsführern außerhalb Berlins sei "sehr erstaunlich". Bislang habe Mehdorn 60 Rückantworten erhalten. Mit weiteren 20 bis 30 rechne man.
Siebert zitierte am Donnerstagabend aus Briefen großer Wirtschaftsunternehmen. So hieß es von Seiten der Adolf Würth GmbH & Co. KG, dass man in London den City-Airport gebaut habe, in Berlin dagegen in kleinkarierter Manier Tempelhof schließe. Von Seiten der BASF AG habe es geheißen, "Be Berlin, keep Tempelhof", von der Metro AG, die Schließung sei ein Akt kompletter Unvernunft und würde in keinem anderen Land passieren. Weiterhin nannte Siebert die deutschen Manager Michael Frenzel, Werner Müller oder das Unternehmen Kühne + Nagel, die sich für den Erhalt Tempelhofs einsetzen. "Das Echo von außerhalb, die Stimmen derjenigen, die weltweit Verantwortung tragen, sollten wir Berliner ernst nehmen", sagte Siebert auf der Veranstaltung am Donnerstagabend, die er gemeinsam mit dem CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger zum Thema "Verkehrspolitische Strategien für Berlin! Flughafen Tempelhof - Nostalgie oder Zukunft?" bestritt.
Senatssprecher Richard Meng bezeichnete den Brief gestern als "merkwürdig" und sagte im RBB-Inforadio: "Das ist ein Amtsverständnis, das nachdenklich macht." Die Bahn sei ein Staatsunternehmen, und die Bundesregierung habe immer für das Planungskonzept gestimmt, das den Neubau eines Hauptstadtflughafens und die Schließung der anderen beiden Berliner Flughäfen vorsieht. "Und jetzt kommt der Bahn-Chef mit einem solchen Brief und sammelt sozusagen Unterstützer gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof."
Bahn-Generalbevollmächtigter Siebert erneuerte am Donnerstag das Angebot der Bahn, den Flugbetrieb im Verbund mit dem Investitionskonzept der US-amerikanischen Investoren Fred Langhammer und Ronald S. Lauder für ein internationales Gesundheitszentrum übernehmen zu wollen. "Wir hoffen nach wie vor, dass wir das Konzept noch verwirklichen können und der Volksentscheid uns einen neuen Weg eröffnet", so Siebert. "Wir machen das als Bahn nicht aus unternehmerischen Gründen, sondern als Berliner Unternehmen."
Siebert warnte, dass die Kapazität des künftigen Hauptstadtflughafens BBI bereits 2015, also nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung, an seine Grenze stoßen werde und erweitert werden müsse. Allerdings sei dies nur beschränkt möglich, da der Bau einer dritten Start- und Landebahn planungsrechtlich nicht zulässig sei.
Auch der Fraktionschef der CDU, Friedbert Pflüger, sieht angesichts der dramatisch angestiegenen Fluggastzahlen im Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof eine notwendige Entlastung des BBI. "Wenn man den Erfolg des BBI will, muss man Tempelhof erhalten", so Pflüger. Er rief die Berliner auf, sich am 27. April am Volksentscheid zu beteiligen. "Das ist eine der wenigen Chancen, wo Bürger Einfluss nehmen können."
Schützenhilfe bekamen die Tempelhof-Anhänger von dem ehemaligen Berliner Bau- und Finanzsenator der SPD, Klaus Riebschläger. "Ein erfolgreicher Volksentscheid wird auch etwas bei Klaus Wowereit in Bewegung setzen." Derzeit aber sei der Regierende Bürgermeister in einer "Trotzphase" und für Argumente nicht offen. Die Frage Tempelhof sei inzwischen von einer Sach- in eine reine Prestigediskussion gehoben worden. Tempelhof aber sei für den Erfolg des BBI wichtig.























Jobs
Immobilien
Reisen
Branchenbuch




















