24.03.11

Buch: "Joggen in Berlin"

Im Volkspark Friedrichshain quält es sich am schönsten

Ja, wo laufen sie denn? Berlin - die Stadt ist in Bewegung. Beim 31. Vattenfall Berliner Halbmarathon bevölkern am 3. April Läufer in Shorts und T-Shirts die Stadt. Atmungsaktiv natürlich. Das Outfit ist meist perfekt, doch vor dem Wettkampf eine geeignete Lauf- und Trainingsstrecke zu finden, ist nicht so einfach. Um diese Hürde weiß auch Jens Karraß.

Von Andrea Kolpatzik

Für sein Buch "Joggen in Berlin" hat der Lauftrainer (unter anderem für den SCC Berlin) prominente Sportler nach ihren Trainingsstrecken gefragt.

DDR-Meisterin war sie, 1990 gewann Uta Pippig den Berlin Marathon - die ehemalige deutsche Langstreckenläuferin rennt am liebsten geradeaus. "Immer, wenn ich in Berlin lande, folge ich einem Ritual: Von Tegel fahre ich direkt in meine kleine Wohnung nach Steglitz, ziehe mich um und laufe los, den Teltowkanal entlang. Kein Jetlag kann mich davon abhalten, wenigstens zehn Kilometer auf meiner Lieblingsstrecke zu laufen, ganz locker, so um die 4 Minuten und 30 Sekunden pro Kilometer."

Bei Guido Westerwelle geht es steil bergauf. Der Außenminister quält sich gern am Teufelsberg - am liebsten hoch hinaus. "In meinem Büro steht immer ein kleiner grüner Rucksack mit Laufklamotten. Bei dem Kalender eines Politikers kann man sich kaum auf feste Termine einstellen, sondern muss laufen, wenn Zeit ist; mal morgens früh, mal abends spät und manchmal auch statt eines Mittagessens. Zwei Stunden müssen es sein, schließlich laufe ich am liebsten im Grunewald. Eine Strecke habe ich früher gemieden, aber inzwischen macht sie mir großen Spaß: der Anstieg zum Teufelsberg, für Berliner Verhältnisse hochalpines Gelände." Mit einem 130er-Puls, damit rückt der FDP-Politiker dem Fett zu Leibe, doch die Gedanken bleiben klar. Zwei bis drei Mal pro Woche schnürt er die Laufschuhe. "Sonst werde ich unleidlich. Und das kann ich meinen Mitarbeitern nicht zumuten".

Jeden Morgen die gleiche gefühlte Demütigung: Kraftmeier, Punks und zähe Senioren überholen Tita von Hardenberg, wenn sich die Moderatorin im Friedrichshain auf Tour de Tortour begibt. "Eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund, jeden Morgen durch die Gegend zu schnaufen. Entweder ist es zu kalt oder zu heiß, zu früh ist es immer und zu spät andererseits auch, weil der Tag schon wieder voll gepackt ist mit Terminen. Und so geht es jeden Morgen: keine Lust, immer die gleiche stumpfe Runde durch den Volkspark Friedrichshain, immer die gleichen bangen Blicke auf die Uhr, wann diese elenden 1800 Sekunden endlich vorbei sind. Jeden Tag das gleiche Erlebnis: Das Gefühl für den Rest des Tages ist so unendlich viel besser, wenn man morgens unter Qualen den Kreislauf angeworfen hat."

Joey Kelly läuft gern mal einen Ironman - im Schlosspark Charlottenburg. Schwimmen und Radfahren entfallen zwar, die Marathondistanz bleibt. "Berlin ist großartig zum Laufen. Meine Trainingseinheiten zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden drehe ich am liebsten im Schlosspark Charlottenburg. Der wurde ja vor mehr als 200 Jahren als erster Barockgarten in Deutschland angelegt. Es ist schon etwas Besonderes, auf buntem Kies zwischen Zierbeeten und Springbrunnen zu laufen, vorbei am Schinkel-Pavillon. Die Wiesen laden zum Stretchen ein, die langen Geraden zu einem flotten Sprint."

Jens Karraß: Joggen in Berlin. Verlag Nicolai, 124 S.; 9,90 Euro.

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