25.02.10

18,9 Millionen Übernachtungen

Das beste Tourismusjahr aller Zeiten

Krise, welche Krise? Das möchte man angesichts der Zahlen für den Berlin-Tourismus des vergangenen Jahres fragen. Denn entgegen dem nationalen und internationalen Trend im Städtetourismus konnte die deutsche Hauptstadt auch 2009 kräftig zulegen.

Von Mathias Stengel und Milan Jaeger

So ließ es sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auch nicht nehmen, diese positive Botschaft vom "besten Tourismusjahr aller Zeiten" persönlich zu verkünden. Denn im siebten Jahr in Folge gab es ein Plus bei der Zahl der Übernachtungen. Im Vorjahr waren es beachtliche 6,2 Prozent mehr. Mit den so erzielten 18,9 Millionen Übernachtungen ist laut Wowereit das einst für 2010 gesetzte ehrgeizige Ziel von 20 Millionen Übernachtungen zwar weiter "sehr ambitioniert", aber wohl kaum noch zu verfehlen.

Weltstadt, die nicht die Welt kostet

Vielleicht hatte Berlins oberster Tourismuswerber Burkhard Kieker, der Chef der Berlin Marketing GmbH (BTM), bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 gehofft, die Besucherzahlen konstant halten zu können. Er hatte möglicherweise auch geringe Einbrüche befürchtet. Aber mit einem satten Plus im ersten Amtsjahr hatte er bestimmt nicht gerechnet. Doch schon die guten Gästezahlen zur Leichtathletik-WM, zum Mauerfalljubiläum und zu Silvester ließen erkennen: "Berlin ist mit seinem Angebot, im Vergleich zu anderen Weltstädten günstig zu sein, sehr attraktiv für die Besucher aus aller Welt."

Mit der Messe "Bread&Butter" und der Fashion Week strömen mehr junge Menschen in die Stadt. Der Werbeslogan "Berlin - die einzige Weltstadt, die nicht die Welt kostet" hätte die Botschaft "preiswert, aber trendy" wunderbar transportiert.

Etwa 40 Prozent der Berlin-Besucher sind Ausländer. Besonders Italiener, Briten, Spanier, Holländer und Franzosen gehören zu den größten Besuchergruppen. Was aber treibt Menschen dazu, bei gräulichem Winterwetter nach Berlin zu reisen? Patric Ang (18) aus dem italienischen Trento findet vor allem die "Architektur in Berlin sehr aufregend". Seine Freundin Roberta Leoni (17) ergänzt, dass sie sich "sehr gut vorstellen kann, später einmal in Berlin zu leben". Beide haben Ferien und nutzen die freie Zeit für Zeichenkurse. "Im Sommer wäre das alles noch schöner gewesen", sagt Roberta.

Carmen Rosa (26) kommt aus Peru. Von Lima gebe es jedoch keine Direktflüge. Das Flugticket war ziemlich teuer. Von einem Berlin-Trip konnte sie das aber dennoch nicht abhalten. Die vielen verrückten Leute, die man auf der Straße sieht, findet sie am spannendsten. Eine kleine Gruppe von Studenten aus dem spanischen Granada findet vor allem die niedrigen Preise in der deutschen Hauptstadt attraktiv. Medizinstudentin Elena Bullegos (19) berichtet, dass "die Flüge jetzt im Winter billiger sind als im Sommer". Sie will sich vor allem kulturelle Orte anschauen, und das geht auch, wenn es kalt ist. Später möchte sie gerne ein Auslandssemester in Berlin absolvieren.

Warum zurzeit so viele Italiener und Spanier nach Berlin kommen, erklärt Stadtführer Uli (29), der seinen Nachnamen nicht sagen will. Er arbeitet für "Tempelhofer Reisen". Er vermutet, dass "Italiener und Spanier im Sommer genug eigene Touristen und außerdem das Meer vor der Tür haben. Im Winter, wenn sie Ferien machen, kommen sie dann nach Berlin." Vor allem die europaweit vergleichsweise niedrigen Hotelpreise und die günstigen Tickets der Low Cost-Flieger machten Berlin für die rund 8,3 Millionen Besucher zu einem der beliebtesten Reiseziele.

Während zahlreiche andere europäische Metropolen wie Rom (minus 22 Prozent), Budapest (minus 10,2 Prozent) oder London (minus 9,8 Prozent) infolge der Weltwirtschaftskrise spürbare Besucherrückgänge zu verzeichnen hatten, stieg in Berlin die Zahl der Übernachtungen.

Die Statistiker zählen 109 700 Betten in insgesamt 726 Hotels, Pensionen und Jugendherbergen (Stand: Ende 2009). Anfang der 90er-Jahre gab es lediglich etwa 40 000 Hotelbetten. Laut Wowereit kommen noch diverse Kapazitäten hinzu, so dass die Zahl in wenigen Jahren auf 120 000 steigen wird.

132 Millionen Tagestouristen

Zusätzlich zu den registrierten Übernachtungen gibt es laut Kieker noch geschätzt zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr bei privaten Vermietern und unzählige bei Freunden und Verwandten. Neben den 8,3 Millionen Touristen, die 2009 mindestens eine Nacht in der Stadt blieben, kamen außerdem noch 132 Millionen Tagestouristen nach Berlin. Und mit den Besuchern kam auch ordentlich Geld.

Nach der jüngsten Erhebung des dwif-consulting GmbH für das Jahr 2008 wurde durch die Berlin-Touristen ein Bruttoumsatz von knapp neun Milliarden Euro und damit 6,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes des Landes Berlin erwirtschaftet. Jeder Berlin-Besucher gab im Schnitt pro Tag 34,50 Euro im Einzelhandel (nimmt etwa 40 Prozent davon ein), im Gastgewerbe (42,8 Prozent) und für sonstige Dienstleistungen (16,8 Prozent) aus, 70 Cent mehr als 2006. Kritik äußerte Kieker am Einzelhandel und nannte ihn einen "Trittbrettfahrer des Tourismusbooms". Obwohl der Einzelhandel stark vom Tourismus profitiere, tue dieser zu wenig, um mehr Gäste anzulocken.

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