17.07.09

Hauptstadt-Mode

Wo man die besten Berlin-Shirts bekommt

Berliner - aber vor allem ihre Gäste - tragen das echte Hauptstadt-Feeling gern quer über der Brust, nämlich auf einem T-Shirt. Simple Motive wie das Brandenburger Tor oder der Berliner Bär sind allerdings tabu. Morgenpost Online verrät die witzigsten Aufdrucke und sagt, wo man sie bekommt.

Von Sören Kittel

Am Sonntagmorgen, gegen sieben Uhr, am Alexanderplatz, wenn man Glück hat, kann man sie dann aus der U-Bahn steigen sehen: die jungen Leute aus aller Welt, die herkommen, weil sie nach einem bestimmten Gefühl suchen. Manche von ihnen wollen dieses Gefühl dann auch als T-Shirt mit nach Hause nehmen.

Das Motiv sollte aber möglichst nicht das Brandenburger Tor, der Fernsehturm oder der Berliner Braunbär sein. Manchmal reicht es schon, wenn folgende fünf Wörter schwarz auf weiß gedruckt sind: "erschöpft & verschwitzt & betrunken & halbtaub & glücklich". Eben genau, wie sie aussehen, Sonntag morgens am Alexanderplatz.

Dieses T-Shirt gibt es zu kaufen, aber nicht in einem der Läden auf der Friedrichstraße, am Checkpoint Charlie oder Unter den Linden. Dieses T-Shirt gibt es nur im Internet. Ein richtiggehender Parallelhandel mit Berlin-Shirts hat sich in die Onlinewelt verlagert. Unzählige kleine Händler, ob privat oder mit einer Firma im Rücken, verkaufen dort Pullover, Jacken, Taschen und eben T-Shirts, die auf unterschiedliche Weise versuchen, das Image der Stadt nach außen zu tragen. Ganz ohne den Segen der Stadt und deren "be berlin"-Kampagne hat sich ein eigener Markt entwickelt.

Dafür muss man nicht einmal in Berlin wohnen. Alexander Joscht zum Beispiel wohnt in Leipzig und verkauft über seine Webseite www.berlinshirts.net monatlich Hunderte T-Shirts mit Berlin-Gefühl in die Welt. "Berlin ist einfach eine Stadt, die international bekannt ist" sagt der 33-Jährige. Seine Heimatstadt sei schlicht nicht so berühmt. "Leipzig ruft nicht derart große Emotionen hervor." Am erfolgreichsten laufe derzeit der "Klassiker", das T-Shirt "I heart Berlin". Mit seinem roten Herzen erinnert es stark an die berühmten "I heart NY"-Shirts aus New York - und genau das war wohl auch beabsichtigt. Schließlich will Alexander Joscht seine Kreationen auch international verkaufen. "Schon jetzt sehe ich, dass rund jeder zehnte Besucher meiner Webseite aus den USA oder Großbritannien kommt."

Berlin-T-Shirts aus Leipzig

Gegründet hat er das Geschäft zusammen mit seiner Schwester, die in Berlin wohnt. Für den Grafik-Designer Alexander Joscht bleiben aber monatlich mehrere hundert Euro übrig, ein Einsatz, der sich nur schwer in Stundenlohn angeben lässt. "Es gibt Wochen, in denen ich zehn Stunden dafür arbeite", sagt er, "manchmal aber viel mehr". Das hänge schlicht von den Kunden ab.

Und die kommen nicht nur aus Berlin. Denn dort gibt es schließlich genug Läden, in denen man verschiedene Motive kaufen kann. Gerade um den Pariser Platz drängen sich die Geschäfte, die Berlin-Shirts anbieten. "Leider sind die oft eher lächerlich für eine Metropole", sagt Dominik Jais, der ebenfalls T-Shirts bedruckt und online verkauft. "Als ich 2001 nach Berlin zog, konnte ich kaum glauben, wie langweilig die T-Shirts aussahen." Also erfand der gelernte Brauer und Getränketechniker die Internetseite www.shirtsofberlin.de . Seine vier Jahre in Berlin hatten ausgereicht, um zu lernen, was sich in seinen T-Shirts widerspiegelt.

"Den Berlinern sind zum Beispiel ihre Kieze sehr wichtig", sagt der 32-jährige Jais, der seinen Laden ebenfalls nicht aus Berlin, sondern aus Essen betreibt. In seiner Kollektion gibt es ein T-Shirt mit einem großen brüchigen "X", das viele Berlin-Bewohner sofort als Zeichen für Kreuzberg erkennen. Ähnliche Shirts gibt es für "F'Hain" oder "Prenzlberg", wie die Ortsteile oft genannt werden. Doch nicht nur die In-Bezirke hat er abgebildet, auch die Umrisse des Ostberliner Stadtteils Marzahn. Rund 100 Motive sind es inzwischen, die er auf der Webseite anbietet. "Natürlich arbeite ich auch mit Siegessäule, Fernsehturm und Brandenburger Tor", sagt er, "aber man muss eben spielerisch damit umgehen."

Polizeiauto als Berlin-Symbol

Schon einmal - im Jahr 2002 - gab es einen weltweiten Trend, den Schriftzug "Berlin" auf Kleidungsstücken zu tragen. Damals hatte ein öffentlicher Auftritt von Robbie Williams mit einer Trainingsjacke den Hype ausgelöst. Auf dem Foto war zu sehen: Links vom Reißverschluss stand "Ber" und rechts "lin". Kurz darauf gab es die Jacken mit den Aufdrucken "Ham" und "burg", "Dres" und "den" sowie "Mün" und "chen". Sogar einen Gerichtsstreit gab es damals, um die Urheberrechte an dieser - doch recht naheliegenden - Designidee. Die Berlin-Jacken hat all das überstanden, und es gibt sie noch heute in den Touristengeschäften, wenn sie auch nicht mehr als "in" gelten.

Damit das mit den T-Shirts nicht auch passiert, geben die alternativen Online-Berlin-Vermarkter immer wieder neue Motive auf den Markt. Häufig greifen sie dabei den "rebellischen" Teil des Hauptstadt-Images bei ihren Design-Arbeiten auf - und vermitteln so ein Berlin-Gefühl, ohne überhaupt den Stadtnamen zu erwähnen. Auf der Webseite Berlinshirts.de wird zum Beispiel Kleidung verkauft, die ein Polizeiauto zeigt. "Rettet die Wanne" steht über dem Mercedes-Kleinbus. Ein anderes Motiv ruft dazu auf, Friedrichshain "noch blauer" zu machen. Und ein drittes Motiv heißt "Einwohner" und zeigt einen Punk mit Bierflasche vor der Stadt-Silhouette. Wasserwerfer, Joint und Graffiti - die anderen Symbole für Berlin gelten für Touristen inzwischen ebenso als "haupstadttypisch" wie die traditionellen Sehenswürdigkeiten.

Dass auch die klassischen Gebäude nicht spießig in Szene gesetzt sein müssen, zeigen kreative Designer, wie die von "Mazooka", "Sonntag" oder "Icke-Berlin". Diese drei sind schon deshalb besonders, weil sie inzwischen nicht mehr nur im Internet ihre T-Shirts anbieten, sondern auch Läden in Mitte, Prenzlauer Berg oder Neukölln haben. "Mazooka" stellt in einem Laden an der Kastanienallee mehrere Designer aus, wobei eine Kollektion sich speziell an Berlin-Fans richtet. Dort windet sich der Fernsehturm einmal um die Schulter des Trägers, man sieht einen stilisierten Palast der Republik, oder eine nur noch schemenhaft erkennbare Siegessäule. Das Besondere der Shirts ist außerdem, dass die Drucke alle per Hand durchgeführt werden - was die T-Shirts mit einem Grundpreis von rund 40 Euro schon teurer als die sonstigen Online-Shirts macht.

"Handarbeit ist eben aufwendiger", sagt dazu Barbara Kristen, die wiederum den T-Shirt-Design-Laden "Icke-Berlin" gegründet hat. Inzwischen können Käufer in ganz Deutschland mit ihrer Kleidung Heimatgefühle ausdrücken, ob in Bremen, Hamburg oder München. Da die Designerin allerdings in Berlin wohnt, ist die Hauptstadt-Kollektion besonders vielfältig. Die Motive heißen "Heimweh-Alex", "Kiez-Göre" oder "Spree-Prinzessin" und werden allesamt mit Hand bestickt. Die Naht bleibt sichtbar und die Aufnäher sind ebenfalls meist besonders dick und heben sich farblich hervor.

Immer neue "Ti-Schörts"

Nach Handarbeit sieht auch das Atelier von "Icke-Berlin" aus, das an der Neuköllner Friedelstraße steht. Barbara Kirsten arbeitet dort mit ihren Freunden und Kollegen an neuen Designs - auch an solchen, die jenseits von Heimatgefühlen liegen. Neue Ideen werden an der Tafel diskutiert, an der die Überschrift "Ti-Schörts" steht. An einem großen Tisch in der Mitte liegen Papierdrucke und neue Prototypen. Vom Schaufenster aus sieht es nach einem normalen Geschäft aus. "Die meisten meiner Sachen verkaufe ich allerdings weder hier in Neukölln noch im Internet", sagt Barbara Kristen weiter, "sondern in einzelnen Geschäften in den Innenstädten, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite."

Denn das ist die Schwierigkeit aller Online-Händler: Irgendwie müssen die Käufer ja erst einmal auf die Idee kommen, dass die Läden oder Webseiten existieren. Und Online-Werbung ist teuer. Das musste auch Stephan Niewolik lernen. Er wohnt in Weimar und betreibt von dort einen kleinen Online-Handel mit "Döner-Shirts". Es zeigt den Berliner Bären mit einem großen Messer, der an einem Drehspieß Fleisch abschneidet.

"Der Shop läuft nicht besonders gut", sagt Niewolik, "im Durchschnitt verkaufe ich gerade einmal zwei Shirts im Monat." Im Januar 2008 hatte er die Idee, selber T-Shirts zum Thema Döner zu machen. "Aber bis auf Freunde und Bekannte, die die Shirts 'live' an mir sehen und dann fragen, gibt es keine große Resonanz." Berliner Souvenirshops hat er auch noch nicht angeschrieben. Dabei sind die oft auf der Suche nach neuen Ideen. Und zumindest Selbstbewusstsein hat der Bauhaus-Universitäts-Absolvent: "Wirklich schöne Berlin-T-Shirts habe ich bisher nur bei mir im Online-Shop gefunden."

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