Bildungsstreik
Studenten besetzen Banken
Freitag, 19. Juni 2009 03:35 - Von M. Wittge und B. HaasRund 120 Schüler und Studenten haben gestern Nachmittag, am vierten Tag des "Bildungsstreiks", zwei Banken an der Tauentzienstraße in Charlottenburg besetzt. Hunderte Mitstreiter legten den Verkehr am Wittenbergplatz mit einer Sitzblockade lahm.
Die Besetzer wurden von der Polizei festgesetzt, Straßen sowie Geldinstitute später geräumt. In der Commerzbank saßen 70 Demonstranten, in der Deutschen-Bank-Filiale am Wittenbergplatz waren es 50.
Anlass der Besetzung war der bundesweite Bildungsstreik. Schüler und Studenten demonstrieren seit Anfang der Woche gegen zu geringe Investitionen in Schulen und Hochschulen. "Es kann nicht sein, dass Banken mit Hunderten Millionen Euro gerettet werden und wir um jede einzelne Million betteln müssen", sagte einer der Organisatoren der gestrigen Kundgebung in der City West, Oskar Stolze. Er studiert Geologie an der Universität Potsdam.
Die Kundgebung startete um 15 Uhr am Los-Angeles-Platz vor einer Filiale der Hypo Real Estate. Nach wenigen Minuten kam es zur ersten Festnahme: Ein Student wollte sein Fahrrad an der Polizeibarriere abstellen. Die Beamten verstand das als Angriff und nahm den jungen Mann zur Aufnahme der Personalien fest.
Der Student war Teilnehmer eines Fahrrad-Korsos von der Technischen Universität (TU) gewesen, der am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg begonnen hatte und an der Kundgebung am Los-Angeles-Platz endete, wo nun 2500 Demonstranten standen.
Entgegen ihrer ursprünglichen Ankündigung stürmten die Studenten jedoch nicht die Hypo Real Estate, sondern lieferten sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Nach einem Vortrag der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Dienstleitungsgewerkschaft Ver.di, Margret Möning-Raane, und des Sozialwissenschaftlers und ehemaligen Professors der Freien Universität Peter Grottian löste sich die Kundgebung zunächst auf. Doch dann bildeten die Studenten fünf Protestströme und zogen gen Norden zu den Banken auf der Tauentzienstraße. Bei der Dresdner Bank scheiterte ihre "Aktion Banküberfall": Die Polizei war schneller, blockierte den Eingang der Filiale.
Doch die Studenten überquerten die Tauentzienstraße, legten innerhalb von Sekunden den Verkehr lahm und stürmten Commerzbank sowie Deutsche Bank. Die Beamten konnten zunächst nur die Protestierer vor der Commerzbank vertreiben, später dann die Besetzer im Innern.
Die 50 Studenten aber, die gegen 16.15 Uhr die Schalterhalle der Deutschen Bank besetzt hatten, konnten das Gebäude nicht mehr verlassen, nachdem sich etwa zehn Polizeibeamte vor der Tür positioniert hatten. Vor ihnen wiederum standen inzwischen mindestens 500 Studenten und forderten die Freilassung der Besetzer, zu denen ein 13-jähriger Junge gehörte.
Dann stellte die Deutsche Bank Strafanzeige. Eine Hundertschaft Polizeibeamter brachte sich in Position. Peter Grottian versuchte, mit der Bank zu verhandeln. Doch ohne Erfolg. Die Studenten ließen sich auf dem rechten Fahrstreifen der Tauentzienstraße nieder und blockierten den Gehweg. Immer wieder ertönten Sprechchöre. "Wir sind friedlich und was seid ihr?", riefen die Studenten und: "18. Juni überall Banküberfall".
Um 17.40 Uhr sprach die Polizei die letzte Warnung aus und forderte die Studenten auf, den Platz vor der Deutschen Bank zu verlassen. Sieben Minuten später begann die Räumung: Polizisten zerrten Schüler und Studenten zur Seite. "Sie haben Pfefferspray eingesetzt", berichtete Oskar Stolz aus der ersten Reihe. Ihn schockierte das brutale Vorgehen der Polizei. "Diese Aktion war eigentlich als friedlicher Protest geplant."
Nach der Räumung nahmen die Polizisten in der Deutschen Bank die Personalien der Streikenden auf und ließen sie einzeln gehen. Ihnen droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Moritz Wittler (22), Student der Politikwissenschaften an der Freien Universität, war in der Deutschen Bank. Er erzählt, dass die Stimmung im Innern während der zweistündigen Belagerung ruhig war. "Wir haben den Angestellten erklärt, dass wir für eine bessere Bildung demonstrieren und sie keine Angst vor uns haben müssen, weil es nicht um sie geht", sagt Moritz Wittler.























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