Senat
Deutschlandhalle schließt Tore
Samstag, 2. Mai 2009 01:38 - Von Brigitte SchmiemannTränenreicher Abschied in der Deutschlandhalle: Um 20 Uhr haben dort am Donnerstag Almuth Zimmermann, die 23 Jahre lang die Vereinskantine leitete, und die Pförtnerin das Licht ausgemacht und die Tür abgeschlossen. Nach einem letzten Eltern-Kind-Spiel war zuvor Philip Reuter als Letzter vom Eis gegangen.
Das hatte sich der Stürmer der Männermannschaft des ECC Preussen mit der Nummer 22 schon lange vorgenommen. Schließlich war er 2001 auch der erste auf dem Eis, nachdem die Spieler aus der Jafféstraße in die Deutschlandhalle gewechselt waren. Ihre Spielstätte wich dem neuen Südeingang der Messe.
Jetzt möchte die Messe Berlin so schnell wie möglich an die Stelle der Deutschlandhalle eine neue Halle mit 15 000 Quadratmetern errichten, die mit den bestehenden Gebäuden auf dem Messeareal verbunden werden soll. Die Kosten sind mit 45 Millionen Euro veranschlagt, der Abriss auf 3,5 Millionen Euro. "Wir brauchen dringend mehr Fläche, weil wir mit etlichen Ausstellungen längst über der Kapazitätsgrenze sind", sagte Messe-Sprecher Michael Hofer. Ein Umbau kommt für die Messe nicht in Frage: "Dadurch würden nur 3000 Quadratmeter gewonnen." Eine Entkernung der Deutschlandhalle sei nicht so einfach möglich, weil die inneren Außenwände mit den Tribünen verbunden seien. Technisch sei ein Umbau zwar möglich, doch er würde 120 Millionen Euro kosten.
Entscheidung Mitte Mai
"Die Deutschlandhalle ist in einem viel besseren Zustand, als uns alle weismachen wollen", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) während der Demonstration auf dem Parkplatz vor der Deutschlandhalle anlässlich ihrer Schließung. Der Grundsatz, dass Eigentum verpflichte, gelte auch für den Staat - nicht nur für den kleinen Hausbesitzer, dem die Behörde sage, er müsse sein Denkmal pflegen. Gröhler will über den Abrissantrag der Messe für die Deutschlandhalle Mitte Mai entscheiden. "Die fachliche Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, aber vermutlich wird es eine Absage", kündigte er an. Zusammen mit Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) hat er bei den Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Sport das Angebot gemacht, die Deutschlandhalle zu übernehmen und sie als Bezirk bis 2011 für die rund 1000 Sportler weiter zu betreiben. Dann soll die neue Eissporthalle an der Glockenturmstraße fertig sein.
Für den Unterhalt würde dem Bezirk das Geld reichen, das auch die Messe vom Senat für die Deutschlandhalle erhalten hat: jährlich 1,1 Millionen Euro. Doch der Senat will für die Eissportler, die die Deutschlandhalle nutzten, ab August neben dem Erika-Heß-Stadion in Wedding provisorisch eine Traglufthalle aufstellen sowie eine Eis-Freifläche schaffen. Der neue Standort wird aber von vielen Spielern als ungeeignet gerade für den Nachwuchs eingestuft. ECC-Präsident Alexander Ahrens rechnet damit, dass der Verein "in seiner Substanz ernsthaft Schaden nimmt". Außerdem soll die Alternative für die fast zweijährige Übergangszeit schon jetzt 30 Prozent teurer sein, als wenn die Deutschlandhalle weiterhin betrieben würde.























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