Grundschule in Moabit nach Großbrand komplett gesperrt

Foto: Michael Brunner

Bei einem Brand in der Gotzkowsky-Grundschule an der Zinzendorfstraße in Moabit sind in der Nacht zu gestern mehrere Klassenzimmer komplett zerstört worden.

Bei einem Brand in der Gotzkowsky-Grundschule an der Zinzendorfstraße in Moabit sind in der Nacht zu gestern mehrere Klassenzimmer komplett zerstört worden. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Verletzt wurde niemand. Die Brandursache war zunächst noch unbekannt. Laut Polizei wird nicht ausgeschlossen, dass ein technischer Defekt das Feuer verursacht hat. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen.

Suche nach Ausweich-Räumen

Wegen der Brandschäden fällt der Unterricht für die 460 Schüler zunächst für drei Tage aus. Noch gestern wollte sich die stellvertretende Schulleiterin Ingrid Noortwyck mit den Schulleitern der umliegenden Schulen in Verbindung setzen, um mögliche Ausweichräume für den Unterricht zu organisieren.

Alle Eltern sollten gestern von den Klassenlehrern informiert werden. Für heute morgen ist ein Treffen aller Lehrer geplant, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auch die Kinder von Eltern, die gestern möglicherweise nicht erreicht werden konnten, sollten nicht ahnungslos und alleine vor verschlossenem Schultor stehen. Die Hortbetreuung sei weiter gewährleistet, sagte Noortwyck. Gestern informierte die Schule auch über ihre Internetseite www.gotzkowsky-grundschule.de über den Brand und den Unterrichtsausfall.

Passant alarmierte Feuerwehr

Das Schulgebäude werde bis auf Weiteres vollständig gesperrt, sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) gestern nach einem Rundgang vor Ort. Das Feuer habe sich wahrscheinlich durch den Versorgungsschacht ausgebreitet. Da die Treppenhäuser nur leichtere Schäden aufwiesen, hoffe er, dass der Unterricht in den restlichen Schulräumen "nach relativ kurzer Zeit" wieder stattfinden könne.

Von außen zeugen geborstene Fenster und ein strenger Geruch von dem Brand, die Außenfassade blieb indes unbeschädigt. Das denkmalgeschützte Gebäude sei durch das Feuer "in seiner Substanz nicht infrage gestellt", sagte Gothe weiter. Von einer mangelhaften Sanierung könne nicht die Rede sein - "das Gebäude war in einem guten Zustand."

Nach ersten Erkenntnissen war der Brand in einem im Erdgeschoss gelegenen Klassenzimmer ausgebrochen und hatte sich nach und nach bis zum dritten Obergeschoss durchgefressen.

Um 21.28 Uhr war der erste Notruf bei der Feuerwehr eingegangen, ein Passant hatte am späten Samstagabend Brandgeruch wahrgenommen. Die zuerst eintreffenden Einsatzkräfte erkannten die Lage und riefen sofort Unterstützung zum Ort. Gegen 22.35 Uhr war die Lage übersichtlich, gegen 3.20 Uhr schließlich unter Kontrolle. Mit einem Drucklüfter wurde der Qualm aus dem Gebäude geblasen.

Acht Räume im mittleren Gebäudetrakt wurden zum Teil vollständig zerstört, darunter vier Klassenzimmer, ein Computerraum, ein Speiseraum und die Aula. Zur Höhe des Schadens konnte Noortwyck noch keine näheren Angaben machen.

Jahrelange Arbeit zerstört

Der Schaden, den sich die Klassenlehrerin Christiane Troxler gestern vor Augen zu führen versuchte, ist ohnehin kaum zu beziffern. Sie blickte ungläubig hinauf zum zweiten Stockwerk, dorthin, wo einmal ihr Klassenzimmer war. Übrig geblieben ist ein schwarzes Loch. Christiane Troxlers Regal für das Bastelmaterial lag verkohlt unter den zersprungenen Fenstern auf dem Hof. Sie hat in dieser Nacht fast ihr vollständiges Schulmaterial verloren: Hefte, Schulbücher, CDs, selbst gebastelte Spiele für ihre Zweitklässler. All das hatte sie sich über Jahre, in Hunderten von Stunden erarbeitet: "Es ist wie mein halbes Leben." Eine Kollegin verteilte Taschentücher.

Vor dem Eingang standen mittlerweile Mitglieder der Elternvertretung und mehrere Eltern und Schüler, die in den Morgennachrichten vom Brand erfahren hatten. Einige Kinder feixten. "Von wegen "hurra, die Schule brennt"", sagte dagegen Susanne Hainz. Ihre achtjährige Tochter Elsa sei ganz geknickt gewesen, als sie einen Blick durch die Fenster auf die rabenschwarzen Klassenräume werfen konnte. "Wir bleiben erst mal zu Hause und warten ab. Bei diesem Gestank kann man ja niemandem den Schulunterricht zumuten."

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