07.07.12

Praktisch

Dacia Dokker, der verlässliche Billigarbeiter

Der rumänische Ableger des Renault Kangoo ist zwar kein Schönling, aber robust und günstig. Einstiegspreis: 8990 Euro

Von Peter Weißenberg

Haben Sie ein Hobby, für das Sie viel Laderaum im Auto brauchen? Weiterlesen. Haben Sie drei Kinder und sind eher knapp bei Kasse? Unbedingt weiterlesen. Lieben Sie beim Autofahren Image, Hightech und Luxus? Dann lesen Sie mal, was auch ohne die Verwirklichung dieser Ansprüche möglich ist. Denn schillernde Markennamen, dicke Lederpolster oder ausgefuchste Direktschaltgetriebe sind nicht die Welt der englischen Hafenarbeiter. Genau diese "dock worker" hat sich Dacia zum Vorbild genommen, als die rumänische Renault-Tochter ihren neuen Hochdach-Transporter konzipiert hat. Der heißt daher auch "Dokker" – und soll ehrlich, bodenständig und vor allem billig sein, was er mit einem Startpreis von knapp 9000 Euro ohne Zweifel ist.

Ideal für Familien und Handwerker

Zunächst einmal – in einer Kategorie entspricht der Dokker nicht dem Klischee des Hafenarbeiters: Ein allzu rauer Geselle ist der Verwandte des Renault Kangoo nämlich nicht. Natürlich dröhnt die leere, tiefe, große Höhle hinter dem Fahrer schon mal, doch in der Regel dürfte der Riesenraum prall gefüllt sein. Abroll- oder Windgeräusche haben die Techniker aber gut in den Griff bekommen, und auch die Motoren benehmen sich manierlich, so lang der Fahrer nicht zu sportlich unterwegs ist.

Souverän ist Dacia inzwischen auch bei der Innenraumgestaltung. Auch der Dokker versucht erst gar nicht vorzutäuschen, was er nicht halten kann: Die Sitze etwa sind bequem, bemühen sich indes nicht um knackigen Seitenhalt. Die Kunststoffe im Cockpit sind hart, aber sauber verarbeitet und nicht so speckig wie in anderen Billigautos. Und die Schalter sind stets da, wo der Fahrer sie erwartet – vor allem der langjährige Renault-Fahrer. Der Ganghebel rutscht angenehm durch die Kulisse, wobei zumindest bei den zum Marktstart erhältlichen zwei Dieseln und dem Benziner wohl auch andere Abstufungen keine Dynamik in den Dokker gezaubert hätten. Der Hafenarbeiter bringt eben Lasten von A nach B – aber relativ gemächlich.

Es dürfen übrigens auch wirklich große Lasten sein: Beim Kofferraumvolumen ist der Dokker mit 800 Litern führend im Hochdachkombi-Segment. Und die nutzt der Dokker auch, weil er nicht mehr als ein Kastenwagen sein will. Daraus folgen beinahe senkrechte Seitenwände. Nach Umlegen der Rücksitzbank ergibt sich ein Ladevolumen von 3000 Litern bei einer Ladelänge von 1,57 Metern und Breite von 1,13 Meter. So passt sogar eine Europalette in Längsrichtung in den Dokker. Bei den Motoren gibt es keine Überraschung – sie haben schon Millionenauflagen in Renault-Modellen hinter sich: Zum Marktstart gibt es einen 1,6-Liter-Benziner und zwei Common-Rail-Turbodiesel mit jeweils 1,5 Liter Hubraum. Sparsam, aber zäh sind alle drei. Der 1,6-Liter-Benziner mit 83 PS liegt bei 7,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Ein Wert, der allerdings in der Praxis nur sehr schwer zu erreichen sein wird. Einfacher wird das mit den Dieselvarianten mit 75 PS und 90 PS: Der kombinierte Verbrauch liegt dort bei jeweils 4,5 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer – und zumindest im größeren Diesel kommt dank ausreichend Drehmoment auch ein wenig Fahrvergnügen auf.

Ab Anfang 2013 komplettiert dann der moderne 1,2-Liter-Turbobenziner TCe 115 mit 115 PS die Motorenpalette. Dieses Gefährt dürfte auch für Familien mit Spaß an der längeren Urlaubsreise eine interessante Alternative sein – und ist selbst in Vollausstattung noch einige Tausender billiger als etwa ein VW Caddy in Basisversion. Womit wir beim Preis wären, dem besten Argument für einen Dacia: Der Dokker kostet in der Basisversion 8990 Euro – die einzige Preisangabe übrigens, die die Rumänen bisher offiziell machen. Zum Vergleich: Der Konzernbruder Renault Kangoo kostet mindestens 15.190 Euro, Marktführer VW Caddy startet bei 17.332 Euro. Die Schiebetür rechts mit Ausstellfenster, umlegbare Rücksitzbank und Tagfahrlicht sind beim Dokker stets dabei.

Der Haken: Wie schon beim technisch verwandten Dacia Lodgy ist die Basis nicht aufzuwerten. Darum dürfte der superbillige Einstieg in die Dokker-Welt eher etwas für Handwerker oder Transportunternehmer sein, die auf kurzen Strecken viel Material befördern wollen. Wer im Sommer eine kühle Brise aus den Luftdüsen haben möchte, kommt an der mittleren Version Ambiance (ab rund 11.000 Euro) nicht vorbei. Der ist dann mit vielen Sonderausstattungen kombinierbar; auch mit einer manuellen Klimaanlage. Im Ambiance ist auch die hintere Schiebetür links serienmäßig enthalten.

Überschaubare Kosten

Eine Einparkhilfe hinten (rund 200 Euro) gibt es erst in der Topversion Laureate – genau wie das Multimedia-System Media-Nav zum Preis von rund 430 Euro, das neben einer Audioanlage, der Bluetooth-Schnittstelle inklusive Freisprechanlage sowie USB- und Klinken-Anschluss zum Anschließen externer Audioträger ein Navi mit Sieben-Zoll-Touchscreen-Monitor umfasst. So bleiben auch bei gehobenen Infotainment-Ansprüchen die Kosten überschaubar.

Und auch andere Kleinigkeiten sparen im Alltag Geld: So können anders als bei vielen anderen Neuwagen die Scheinwerferlampen leicht selbst gewechselt werden, was den Weg in die Werkstatt erspart. Solche Details machen, neben dem Kaufpreis, den Dacia Dokker zum ehrlichen Billigarbeiter.

Quelle: sp-x
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