22.01.13

Niedersachsen

David McAllister brach bei Wahlanalyse in Tränen aus

Während der Sitzung des CDU-Präsidiums kamen David McAllister die Tränen. Ein Teilnehmer berichtet, er habe minutenlang die Fassung verloren.

Von Robin Alexander
Foto: dapd

Enttäuschung: David McAllister (CDU) ließ bei seinem Auftritt in Berlin spüren, wie sehr ihn die Niederlage schmerzt
Enttäuschung: David McAllister (CDU) ließ bei seinem Auftritt in Berlin spüren, wie sehr ihn die Niederlage schmerzt

Am Montagvormittag kam es im Präsidium der CDU zu einer Szene, wie sie auch langjährige Mitglieder dieses innersten Führungsgremiums noch nicht erlebt hatten: David McAllister, mit hauchdünnem Rückstand abgewählter Ministerpräsident von Niedersachsen, brach während der Analyse des Wahlergebnisses in Tränen aus. Dies berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung, einer sagte sogar, McAllister habe minutenlang die Fassung verloren.

Vielleicht war dem 42 Jahre alten Politiker erst wirklich klar geworden, was geschehen war, als Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble und andere Parteigranden über die Wahl sprachen: Nach einem parteiintern als vorbildlich und beeindruckend gewerteten Wahlkampf, nach einer beispiellosen Aufholjagd gegen ein zeitweise mit 17 Prozentpunkten in Führung liegendes rot-grünes Lager, nach einem Wahlabend, an dem die CDU zuerst knapp in Führung lag und mit dem amtlichen Endergebnis kurz vor Mitternacht doch noch der Traum zerbrach; die Niedersachsen hatten McAllister abgewählt.

"Traurigkeit, nur Traurigkeit" sei der Inhalt der Sitzungen von Präsidium und Vorstand gewesen, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer, die Ministerpräsidentin des Saarlandes, anschließend. Ähnlich äußerten sich weitere führende Christdemokraten.

Letztlich fehlten 335 Stimmen

Sogar Angela Merkel, die kühle Analytikerin, griff ins Betroffenheitsvokabular: "Wir waren heute einfach alle ein Stück weit traurig", sagte die Kanzlerin. Nach diesem "Wechselbad der Gefühle" schmerze die Niederlage besonders. Tatsächlich hätten, das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Montag, gerade mal 335 zusätzliche Erststimmen für den Hildesheimer CDU-Kandidaten Frank Wodsack gereicht, um Schwarz-Gelb im Landtag die Macht zu sichern – eine geradezu lächerlich geringe Zahl, die illustriert, wie knapp dieses Rennen wirklich war.

Und so hatte Merkel vielleicht McAllisters Tränen im Kopf, als sie auf der Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen seinen Wahlkampf lobte und dann sagte: "Umso schwieriger ist es, ein solches Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen." Dies fiel den Bundespolitikern leichter. Denn bei aller ehrlichen, gemeinsamen Bestürzung: Während McAllister tatsächlich ein Endspiel verloren hat, wie er in seinem Leben kein Zweites bekommt, war der Wahlabend für die Kanzlerin nur eine bittere Vorrunden-Niederlage auf dem Weg zur Bundestagswahl.

Und Merkel wäre nicht Merkel, hätte sie nicht sofort die neue Lage analysiert und Lehren gezogen. Diese sprach sie freilich nicht offen aus, sondern deutete sie eher an. Sie habe immer gesagt, "dass die FDP ihren Weg finden wird", erklärte sie. Der deutliche Erfolg der Liberalen bedeute vielleicht auch, dass es "keine große Angst" mehr um die Liberalen geben müsse. Also eine klare Absage an eine Zweitstimmenkampagne à la Niedersachsen.

Die Behauptung des neben ihr stehenden McAllisters, eine solche habe es niemals gegeben, ist – falls er das selbst glaubt – ein krasser Selbstbetrug. Denn der Noch-Ministerpräsident hatte nicht nur den Landesparteitag der Liberalen besucht, sondern auch mehrfach absichtsvoll Raum für Missverständnisse gelassen, wen CDU-Anhänger mit der Zweitstimme wählen sollen.

Dergleichen wird es im Bund sicher nicht geben: "Jeder kämpft für sich allein", stellte Merkel klar. Und mehr noch: "Für die Verbreiterung der Basis" sei es wichtig, sich nicht die Stimmen wegzunehmen, erklärte die Kanzlerin. Dies habe man in den Führungsgremien besprochen, und "das wird sich so auch im Wahlprogramm finden".

Und McAllister? Er ließ es offen, ob er nun Oppositionsführer im Landtag von Hannover werden will. Die CDU in Niedersachsen werde sich ein paar Tage Zeit nehmen, um sich neu aufzustellen. Denkbar ist, dass er auf eine zweite Chance im Bund hofft. Als Alternative wird in niedersächsischen CDU-Kreisen aber auch über einen möglichen Wechsel McAllisters in die Europa-Politik, also nach Brüssel, spekuliert. Am Abend in Hannover erklärte McAllister aber erst mal, dass er bereit sei, auch zukünftig als Landesvorsitzender Verantwortung in Niedersachsen zu übernehmen. Auch sein Landtagsmandat werde er annehmen. Merkel sagte am Montag über ihn die freundlichen Worte: "Er gehört zu den führenden Köpfen, ihm gehört die Zukunft, an welcher Stelle auch immer."

Quelle: Mitarbeit: Florian Kain
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