08.11.12

US-Wahl

Bei den Republikanern bricht der Bürgerkrieg aus

Nach dem Sieg von Obama bei den US-Wahlen lecken die Republikaner ihre Wunden - und stolpern in einen Richtungsstreit.

Von Ansgar Graw
Foto: dapd

Gescheiterter Hoffnungsträger: der republikanische Vize-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan
Gescheiterter Hoffnungsträger: der republikanische Vize-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan

Mitt Romneys innerparteiliche Kritiker toben: "Wir wollten jemanden, der für uns kämpft", sagt Jenny Beth Martin von den Tea Party Patriots. "Was wir bekamen, war ein schwacher, moderater Kandidat, persönlich ausgesucht von der Beltway-Elite (die Politkaste in Washington). Die Niederlage geht auf ihre Kappe."

Die Wahl sei verloren worden, weil Romney nicht konservativ genug sei, heißt es am rechten Flügel. Der konservative Radio-Talker Steve Deace prophezeit gar einen "Bürgerkrieg in der Partei".

Möglicherweise wirft Ex-Senator Rick Santorum, der katholische Favorit der Evangelikalen, 2016 wieder seinen Hut in den Ring oder die konservative Abgeordnete Michele Bachmann. Doch andere Stimmen empfehlen den Republikanern, man müsse die Latinos und andere Minderheiten umarmen.

Das fordert etwa Rudy Giuliani, der einstige Bürgermeister von New York. Er selbst habe 1994 bei seiner ersten Wahl 43 Prozent der Latino-Stimmen bekommen und bei seiner Amtsbestätigung vier Jahre später gar 48 Prozent. Die aktuelle Partei hingegen "habe ein großes Problem mit Zuwanderern".

US-weit holte George W. Bush bei seiner Wiederwahl als Präsident im Jahr 2004 noch 44 Prozent der hispanischen Stimmen, John McCain kam 2008 nur auf 34 Prozent – und Romney an diesem Dienstag auf katastrophale 27 Prozent. Hohe Zustimmung erhielt Obama vor allem bei Afroamerikanern, aber auch bei Latinos und Asiaten.

Der 66-jährige Giuliani schließt sich selbst als Kandidat für 2016 aus. Er hat gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Abtreibung befürwortet und ist damit für den sozialkonservativen Flügel inakzeptabel.

Doch es gibt jüngere Anwärter, Marco Rubio etwa, der junge Senator aus Florida mit kubanischen Wurzeln, oder Bobby Jindal, charismatischer Gouverneur in Louisiana mit indischer Abstammung, sowie Chris Christie, Gouverneur aus New Jersey. Außerdem Paul Ryan, der als Vizepräsidenten-Kandidat immerhin US-weite Bekanntheit erreichte. Und Romney? Wenig spricht dafür, dass er zukünftig noch viel Einfluss haben wird. Den einen ist er zu moderat, den anderen zu rechts.

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