07.11.12

US-Wahl

Frauen und Einwanderer verhalfen Obama zum Wahlsieg

Die schwere Schlappe der Republikaner ist auch auf den demografischen Wandel zurückzuführen. Es gibt weniger weiße Männer in den USA.

Von Martin Greive
Foto: dapd

Mitt Romneys größte Problemgruppe: Junge Frauen, vor allem afroamerikanischer Herkunft, wählten fast ausschließlich Barack Obama
Mitt Romneys größte Problemgruppe: Junge Frauen, vor allem afroamerikanischer Herkunft, wählten fast ausschließlich Barack Obama

So deutlich hatte es dann doch niemand erwartet: Der klare Wahlsieg Barack Obamas war eine Überraschung. Zwar verlor der neue und alte Präsident wie erwartet weiße Wähler an seinen Herausforderer Mitt Romney. Auch zog der Republikaner mehr unentschlossene Wähler auf seine Seite als Obama. Doch weil der Präsident sich auf Frauen, Einwanderer und Jungwähler verlassen konnte, lag er am Ende dennoch deutlich vorn.

Lange Zeit entschieden weiße Amerikaner – die Nachfahren europäischer Einwanderer der amerikanischen Pionierjahre – wer ins Weiße Haus einzieht. Zwar bilden sie auch heute noch die bevölkerungsstärkste Gruppe. Doch ihr Anteil ist mit 72 Prozent so gering wie nie zuvor. Das bekam Romney zu spüren: Zwar holte er unter weißen Wählern 59 Prozent aller Stimmen, drei Punkte mehr als John McCain vor vier Jahren. Bei den weißen Männern stimmten sogar 62 Prozent für Romney. Und gerade in den "Swing States" konnte Romney hier deutliche Zuwächse verzeichnen.

Weibliche Wähler sind Romneys Schwäche

Doch das alles nutzte ihm wenig, weil er bei anderen Gruppen kein Land sieht. So sprachen sich 93 Prozent aller Afroamerikaner für Obama aus. Bei der stark wachsenden Gruppe der Hispanics – jeder zehnte Wähler ist inzwischen Latino – räumte Obama 71 Prozent ab, vier Punkte mehr als 2008. Hält dieser Trend an, stellt das die Republikaner vor große Probleme: Der Anteil der nicht-weißen Wähler ist seit 1996 von zehn auf heute 21 Prozent gestiegen, Tendenz weiter stark steigend.

Die zweite Schwäche Romneys: weibliche Wähler. Frauen stellen 53 Prozent der US-Bevölkerung – und tendierten klar zu Obama (55 Prozent), nur 44 Prozent votierten für Romney. Obama konnte damit seinen Vorsprung dort halten. Ein Schlüssel für den Erfolg bei den Wählerinnen waren offenbar Obamas Vorstellungen in der Sozial- und Gesellschaftspolitik. Das ergaben Umfragen. Die restriktiven Pläne Romneys etwa zur Abtreibung oder zur Homo-Ehe – ein Zugeständnis des Kandidaten an die Hardliner seiner Partei – schreckten viele Frauen ab. Hingegen schätzten sie es, dass der Amtsinhaber gleiche Bezahlung am Arbeitsplatz und die Gesundheitsversorgung zu Schwerpunkten seines Wahlkampfes gemacht hatte.

96 Prozent aller Afroamerikaner wählten Obama

Nur bei weißen Wählerinnen lag Romney vorn: 42 Prozent stimmten für Obama, 56 Prozent für Romney. Bei der afroamerikanischen Wählerschaft stimmten dagegen überwältigende 96 Prozent aller Wählerinnen für Obama, und nur drei Prozent für Romney. Bei den Latina-Mamas war das Votum ebenfalls eindeutig: 76 Prozent aller Frauen gaben ihre Stimme für Obama ab. In den beiden Bevölkerungsgruppen ist Obama anders als bei den Weißen auch bei Männern beliebt: 87 Prozent der dunkelhäutigen Wähler stimmten für Obama, und 65 Prozent der Hispanics.

Das dritte Problem Romneys: Die Jungwähler. 60 Prozent der unter 29-Jährigen stimmten für Obama. Das waren zwar weniger als vor vier Jahren. Doch erschrecken muss die Republikaner, dass Obama ausgerechnet in den entscheidenden "Swing States" Ohio, Florida und Virginia mehr Junge für sich gewinnen konnte als bei den Wahlen 2008. In den Staaten also, in denen beide Parteien besonders stark um die Gunst der Wähler buhlten, fühlten sich junge Amerikaner mehr von Obama vertreten. Auf der anderen Seite der Alterspyramide ist es hingegen umgekehrt: Bei den über 65-Jährigen liegt Romney landesweit mit 56 Prozent klar vorn.

Protestanten wählen Republikaner

Wenige Überraschungen gab es beim Wahlverhalten nach Religionszugehörigkeit: Unter Protestanten erhielt Romney eine klare Mehrheit, bei den Katholiken lag Obama knapp in Front. 69 Prozent aller jüdischen Amerikaner stimmten für Obama, immerhin neun Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Fast drei Viertel der Atheisten wählten demokratisch. Auch die Stimmabgabe je nach Einkommen entsprach den Erwartungen. Gutverdiener mit einem Jahresverdienst von 100.000 Dollar stimmten überwiegend für Romney, Obama lag in der Arbeiterklasse vorn: Jene 41 Prozent, die ein Einkommen von unter 50.000 Dollar haben, gaben ihre Stimme zu 60 Prozent Obama.

Die Wahlergebnisse zeigen zweierlei: Erstens hat sich die Spaltung Amerikas verschärft. Einzelne Wahlgruppen tendieren noch stärker zu einem politischen Lager. Zweitens stehen die Republikaner vor einem strategischen Problem. Die Demokraten liegen bei Frauen, die die Mehrheit der Wähler stellen, und bei Einwanderern, hier besonders bei den Hispanics, klar vorn. Dies sichert ihnen in vielen Bundesstaaten eine Mehrheit. "Im Moment können die Republikaner auf nicht mehr als 286 Wahlmänner hoffen", schreibt die "Washington Post". 270 sind für einen Wahlsieg nötig. Bleibt es dabei, ist die Lage auf Dauer fast aussichtslos: Verlieren die Republikaner nur einen großen "Swing State" oder zwei, drei kleinere Staaten hat ihr Kandidat schon verloren.

So wählten die einzelnen Bundesstaaten

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