06.03.12

Provokation in Sachsen

Thor Steinar eröffnet in Chemnitz "Brevik"-Filiale

Die bei Neonazis beliebte Kleidermarke Thor Steinar provoziert erneut: In Chemnitz heißt ein Geschäft so ähnlich wie der Oslo-Attentäter Breivik. Politiker und Bürger sind empört.

Foto: dapd/DAPD
Neonazi-Aufmarsch in Dresden

Ein Klamottenladen benannt nach einem Mörder. Das gibt es nicht? Leider schon. Die bei Neonazis beliebte Kleidermarke Thor Steinar versucht derzeit in Deutschland zu expandieren und noch mehr Läden in der Bundesrepublik zu eröffnen. An Provokation spart sie dabei nicht.

Thor Steinar eröffnete letzte Woche in Chemnitz ein Geschäft mit dem Namen "Brevik". Dieses ruft unweigerlich Erinnerungen an Anders Behring Breivik hervor, der im Sommer letzen Jahres bei einem Attentat in Oslo und Utoya 77 Menschen getötet hatte.

Doch die makabere Anspielung weiß Thor Steinar angeblich zu rechtfertigen. Jedes Geschäft der Marke werde nach einer norwegischen Gemeinde benannt. Der kleine Ort Brevik südöstlich von Oslo zählt 2700 Einwohner und dient nun als provokanter Namensgeber. Schon einmal, im Herbst 2008 - also Jahre vor dem Terroranschlag in Norwegen, löste die Eröffnung einer "Brevik"-Filiale Proteste in Deutschland aus – nach einem Monat schloss das Geschäft in der Hamburger Innenstadt wieder.

"Laden ist absolut indiskutabel"

Politiker und Bürger der Stadt Chemnitz sind empört, auch weil das Land Sachsen nach den Morden des Zwickauer Nazi-Trios nun wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. "So ein Laden mit so einem Namen ist absolut indiskutabel. Wir haben den Vermieter schon kontaktiert und werden alle weiteren Schritte planen, um dieses Geschäft schnellstmöglich zu schließen", sagte die Pressesprecherin der Stadt Chemnitz, Katja Uhlemann, Morgenpost Online.

Der Vermieter sagte der "Freien Presse", es sei ihm kalt den Rücken runtergelaufen, als er das Ladenschild das erste Mal sah. Ihm sei bei Abschluss des Mietvertrages nicht bewusst gewesen, wer hinter den Vertragspartnern stecke.

Das Bürgerbüro der sächsischen Landtagsabgeordnete Hanka Kliese (SPD) ist nur wenige Meter von der Filiale entfernt. Auch sie ist entsetzt. "Diese skandalöse Namensgebung zeigt uns eine neue Qualität von Aggressivität, Rechtsextremismus und Gewaltbereitschaft von Thor Steinar. Jetzt wissen wir doch, mit wem wir es zu tun haben", sagte Kliese Morgenpost Online, die schon lange die Verharmlosung der Marke an den Pranger stellt.

Jetzt sei kein Kleinreden mehr möglich. Die sächsische Landesregierung hätte den Rechtsextremismus im Land viel zu lange nicht ernst genommen, ihm sogar Freiraum geboten. Deswegen hätte Sachsen jetzt diese massiven Probleme, so Kliese vorwurfsvoll.

Sie will die Chemnitzer Bürger zum Protest gegen Thor Steinar mobilisieren. Ihre Bürgerinitative startet am Mittwoch. Die Landtagsabgeordnete plant Mahnwachen und Kundgebung vor der Filiale, um die sofortige Schließung zu bewirken.

Die Neueröffnung der Thor Steinar-Ladens kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Am Montag gedachten die Chemnitzer der Opfer der Bombardierung vor 67 Jahren. Den 5. März begehen sie schon lange als Friedenstag. Über zehn Gedenkveranstaltungen waren von langer Hand geplant.

Auf dem Neumarkt versammelten sich am gestrigen Abend über 2000 Menschen. Vertreter aus Kirche, Kunst und Bildung sprachen unter dem Motto "Es ist unsere Stadt – Wir geben Nazis keinen Platz". Auch etwa 200 Rechtsextreme hatten eine Demonstration angemeldet. Diese hatte wiederum hunderte Gegendemonstranten.

Pressesprecherin Katja Uhlemann sagte, dass der Friedenstag ein voller Erfolg gewesen sei. Sie möchte jetzt in keinem Fall, dass den Neonazis mit dem Thor-Steinar-Laden zusätzlich in die Hände gespielt wird: "Gerade an dem Friedenstag ist unserer Stadt bewusstes Gedenken wichtig. Dazu gehört auch ein neues Auftauchen von rechtem Gedankengut massiv zu unterbinden."

Thor Steinar-Filiale direkt im Studentenviertel

Und eine Ernüchterung kommt noch hinzu: Die Thor-Steinar-Filiale befindet sich im Chemnitzer Brühl-Viertel. Genau hier will die Stadt in Zukunft Kunst und Kultur fördern. Dass der Laden gerade dort eröffnet wurde, macht Uhlemann besonders traurig.

"Wir möchten diesen Stadtteil gerade als attraktives Studentenviertel ausbauen und jetzt das. Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, damit so ein Geschäft in Chemnitz keinen Platz findet", erklärte die Pressesprecherin.

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