Wulff-Nachfolge
Nazi-Jägerin Klarsfeld will gegen Gauck antreten
Die Linkspartei lehnt Joachim Gauck kategorisch ab und will möglicherweise die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld gegen Joachim Gauck in das Rennen um das Bundespräsidentenamt schicken. Klarsfeld ist dazu bereit. Eine Ohrfeige machte sie berühmt.
Die als Nazijägerin bekannt gewordene Beate Klarsfeld ist nach Angaben ihres Mannes bereit, als Kandidatin der Linkspartei bei der Bundespräsidentenwahl anzutreten. Die 73-Jährige erklärte sich am Mittwoch über ihren Mann zu einer Kandidatur bereit.
Eine Sprecherin der Linken bestätigte, dass es ein Gespräch zwischen Parteichefin Gesine Lötzsch und der 73-jährigen Klarsfeld gegeben habe. Es werde aber auch mit anderen möglichen Bewerbern gesprochen. Es sei noch keine Entscheidung gefallen.
Die Linke will am Donnerstag auf einem Treffen des Bundestags-Fraktionsvorstandes mit den Chefs der Partei- und Fraktionschefs in den Ländern über die Aufstellung eines eigenen Kandidaten für das höchste Amt im Staate entscheiden. Die Linke lehnt eine Wahl Gaucks ab.
Die Partei stellt rund 10 Prozent der Wahlleute in der Bundesversammlung, die am 18. März das Staatsoberhaupt wählt. Mit dem Kabarettisten Georg Schramm, der aus den Reihen der Jugendorganisation der Linken ins Gespräch gebracht worden war, hatte ein erster potenzieller Kandidat am Mittwoch bereits abgesagt. Die Parteispitze hatte eine Nominierung des 62-jährigen Saarländers auch nie ernsthaft in Erwägung gezogen, obwohl Ex-Parteichef Oskar Lafontaine von einem "interessanten Vorschlag" sprach.
Mit Klarsfeld ist nun eine Kandidatin im Gespräch, die schon eher Potenzial hat, die eine oder andere Stimme aus anderen Parteien zu ergattern – und das ist das erklärte Ziel der Linken. Die heute 73-Jährige wurde durch eine Ohrfeige berühmt: Im Alter von 29 Jahren schlug sie 1968 auf einem CDU-Parteitag Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger ins Gesicht, weil der früher Mitglied der NSDAP war.
Später bemühte sich die gebürtige Berlinerin letztendlich erfolgreich um die Auslieferung des in Bolivien lebenden ehemaligen Gestapochefs von Lyon, Klaus Barbie. Nach der Verurteilung Barbies in Frankreich sprach sie vom "wichtigsten Ergebnis ihrer zahlreichen Aktionen".
Ihr Mann Serge Klarsfeld sagte der WAZ-Mediengruppe, ein Duell mit Gauck habe vor allem wegen der unterschiedlichen Rollen der beiden bei der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ihren Reiz. Gauck stehe für die Aufarbeitung der Stasi-Tätigkeit, seine Frau für die Aufarbeitung der Nazi-Zeit.
Aufruf zum Boykott der Bundesversammlung
Als einziger Name neben Klarsfeld und Schramm ist bisher der von Luc Jochimsen genannt worden, die bereits 2010 für die Linke ins Rennen gezogen war. Die 75-jährige Bundestagsabgeordnete sagte auf "stern.de" zu der Frage, ob sie erneut antreten würde: "Das entscheiden andere."
Am sinnvollsten fände es die Ex-Fernsehjournalistin aber, wenn ihre Partei die Bundesversammlung boykottieren würde. "Man hat uns parteiübergreifend klargemacht, dass man uns nicht will und auch nicht braucht", sagte sie "stern.de". "Ich bin daher der Ansicht, wir sollten an der Bundesversammlung gar nicht teilnehmen."
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Linke als einzige im Bundestag vertretene Partei von der Kandidatensuche ausgeschlossen. Die Parteiführung wollte sich beim politischen Aschermittwoch in Tiefenbach nicht zur Kandidatenfrage äußern. Neben der Linken sind auch die rechtsextremistische NPD und die Piratenpartei unentschlossen, ob sie eigene Kandidaten ins Rennen schicken wollen. Eine Präsidentenwahl mit nur einem Kandidaten gab es bisher nur 1989, als Richard von Weizsäcker mit breiter Mehrheit in das höchste Staatsamt gewählt wurde.
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