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09.02.12

Ex-Generalsekretär

Schnell, treffend, altklug – Lindner ist wieder da

Der ehemalige FDP-Generalsekretär tritt erstmals nach seinem Rücktritt im politischen Berlin auf – und liefert sich gleich einen Schlagabtausch mit SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil.

picture-alliance / dpa/dpa

Der 32-Jährige ist seit 1995 FDP-Mitglied.

4 Bilder

Für mehr als drei gefüllte Sitzreihen im Bundestag hat das Comebackchen von Christian Lindner dann doch nicht gereicht. Renate Künast hockt dort, blättert sich am Donnerstagmorgen schnell durch die "Bild"-Zeitung, stopft sie dann schnell weit unten in den Stapel Papiere, der vor ihr liegt. Im TV sieht man, wie ihr Co-Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, gleich danach die Stirn runzelt, als er das Blatt in den Händen hält. Das politische Theater im Plenum nehmen sie nur am Rande war.

Vielleicht haben die beiden Grünen die Überschrift auf Seite 2 der Zeitung gelesen: "Rösler und Lindner haben sich versöhnt", steht dort. Der FDP-Chef habe mit seinem Ex-General Mittag gegessen. Ein Artikel, der die kriselnde FDP umarmt, und für Lindner in die Woche seiner Rückkehr auf die Berliner Bühne passt.

Linder feiert in diesen Tagen sein bundespolitisches Comeback. Anfang der Woche wurde bekannt, dass er technologiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion wird. Am Dienstagabend schließlich sein erster größerer Auftritt seit langem in Berlin, bei der Stiftung Marktwirtschaft. Am Donnerstag nun die Rückkehr ans Rednerpult des Bundestages.

"Ich bin noch an Bord – aber unter Deck bei der Arbeit"

Der 33-Jährige war vor ein paar Monaten kurz vor dem Ablauf des FDP-Mitgliederentscheids über den Euro-Rettungsschirm zurückgetreten. Vollkommen überraschend. Er sagte damals, er wolle "eine neue Dynamik ermöglichen" für die in den Umfragen abgestürzte Regierungspartei. Doch der Grund für seinen Rückzug in die zweite Reihe ist bis heute nicht klar.

Die FDP musste sich einmal mehr neu aufstellen. Patrick Döring rückte auf und wurde vom Rösler-Freund zum neuen Generalsekretär. Er präsentierte das Grundsatzprogramm, das eigentlich doch Lindners großer Wurf werden sollte. Der zog sich zurück. Aber ein bisschen Politik darf schon sein.

Schließlich behielt Lindner sein Bundestagsmandat. Und außerdem scheint ja auch nie ganz klar, wann sich bei der FDP das nächste Mal das Personenkarrussel dreht. Im Januar schrieb er bei Twitter an Anhänger der Piratenpartei: "Ich bin doch noch an Bord! Sucht mich aber nicht auf der Brücke, sondern unter Deck bei der Arbeit…"

Nun also der Bundestag. "Industriepolitik für den Standort Deutschland" lautete die Überschrift der Debatte. Wie kann die Industrie aussehen, die uns Wachstum und Wohlstand beschert? Die Besetzung der Rollen wie fast immer: Die Koalition setzt sich für eine marktwirtschaftliche Industriepolitik ein. Bei der Opposition geht es um "moderne" Politik, nachhaltig, grün.

Hubertus Heil, stellvertretender SPD-Fraktionschef, fordert "Impulse für ein Konzept. Und das fehlt uns!" Joachim Pfeiffer von der Union konstatiert eine "Technologiefeindlichkeit" im Land der "Dichter und Denker" und der "Tüftler" – aber wohl auch der "Nein-Sager" und "Nörgler", wie Pfeiffer kritisiert. So darf jede Partei mit Sprechern ran, auch mal mehrfach, und nach über einer Stunde, um 12.02 Uhr, schließlich Lindner.

Der TV-Moderator spricht halb-lustig vom "nächsten Karriereschritt", als der FDP-Politiker hinters Pult tritt. Und dann, ja so sieht es aus, steht Lindner wieder genau da, wo er sich wohlfühlt: Er rudert mit den Armen, dreht den Oberkörper nach links, nach rechts, zeigt mit dem Finger auf die Opposition. Und natürlich redet Lindner frei. Schnell. Treffend. Und weiterhin ein bisschen altklug.

Schlagabtausch mit SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil

Lehrerhaft ordnet er für alle die bisherige Debatte ein. Die habe gezeigt, dass sich doch eigentlich alle einig über die Bedeutung von Forschung für Deutschland seien. Aber: "Wir müssen auch über die Methoden diskutieren, wie Geld eingesetzt wird, um zu Innovationen zu kommen", sagt Lindner. Er fordert, dass mittelständische Unternehmen unterstützt werden müssten, damit auch sie sich um Forschung und Innovation kümmern könnten.

Da klatscht Hubertus Heil.

Lindner sagt, wir brauchen eine gemeinsame Initiative für eine Steuerförderung.

Heil applaudiert wieder.

Linder: "Herr Heil, dann müssen sie das im Bundesrat aber auch möglich machen und passieren lasssen!"

"Finanzmärkte sind keine Gegner"

So ganz möchte Lindner dann aber wohl doch nicht mit der Opposition kuscheln. Er erwähnt einen Zeitungsartikel, den SPD-Chef Sigmar Gabriel zwar schon am Vortag mit einem Dementi einkassiert hatte, der nun jedoch gut in Lindners Argumentationslinie passt: Die SPD plane einen Wahlkampf gegen die Finanzindustrie.

Dieses Thema trenne Regierung und Opposition. Selbstverständlich müsse man die Finanzmärkte regulieren. Aber: "Wir brauchen auch leistungsfähige Finanzmärkte", eben eine Mentalität von starken Kapitalmärkten, die auch geordnet sind.

"Finanzmärkte sind keine Gegner, sondern eine Aufgabe", erklärt Lindner und spricht im Zusammenhang mit der SPD vom "Perserkönig Xerxes, der die Meere auspeitschen wollte". Alles sinnlos, also, was die anderen vorhaben.

Um 12.07 Uhr ist der alte Lindner wieder da, die Rede vorbei. Auf seinem Stuhl tippt er danach noch auf seinem Handy, wischt sich mit der linken Hand übers Gesicht. Er wirkt ein bisschen müde. Aber zurück.

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