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02.02.12

DDR-Aufarbeitung

Manfred Krug – Keine Gnade für die Stasi-Spitzel

Nach Ansicht von Manfred Krug dürfe es keinen Schlussstrich unter die Stasi-Debatte geben. Der Schauspieler ist in der DDR selbst umfassend bespitzelt worden.

© dapd/DAPD
Manfred Krug

Der Schauspieler Manfred Krug hat sich gegen einen Schlussstrich unter die Stasi-Akten ausgesprochen. "Davon halte ich nichts", sagte Krug. "So etwas hat es nach dem Krieg, auch unter Adenauer, genug gegeben. Die sollen sich ruhig noch eine Weile gruseln davor, dass doch noch etwas rauskommt. Das ist doch wohl das Geringste, dass die Täter noch etwas Geduld aufbringen müssen."

Er selbst blicke seit 20 Jahren nicht mehr in seine umfangreichen Stasi-Akten mit den Berichten über seine Bespitzelungen in der DDR.

System der Erpressung und Belohnung

Er habe nicht gewusst, "wieviel in meiner Umgebung damit zu tun hatten." Es sei ein System der Erpressung und Belohnung gewesen. Vielleicht schreibe er noch ein Buch darüber.

Krug, der am 8. Februar 75 Jahre alt wird, stellte am Donnerstag sein autobiografisches "Bilderbuch" vor mit über 1000 Fotos und Dokumenten aus seinem Leben und seiner Karriere.

Er war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. 1977 war er in den Westen gegangen, wo er bald vor allem als "Tatort"-Kommissar Stoever, als Lastwagenfahrer in der ARD-Vorabendserie "Auf Achse" sowie als beliebter Anwalt "Liebling Kreuzberg" bekannt wurde.

"Ich bin kein Held, kein Star, ich bin einzigartig MK", sagte Krug bei der Buchvorstellung. Zu seiner Ausreise 1977 nach der Biermann-Ausbürgerung sagte er, er habe sich dem staatlichen Anspruch, "entweder du gehorchst, sonst knallt's!'" nicht beugen wollen.

"Premiere hätte Goebbels nicht besser kaputt machen können"

Er habe nie vergessen, wie die SED mit seinem Film "Spur der Steine" in den 60er Jahren umgesprungen sei, der gleich nach der Premiere verboten worden sei. "Die Premiere im Kino International in Ostberlin hätte Goebbels nicht besser kaputt machen können. Bezahlte und einstudierte Kampfgruppen-Typen pöbelten über den angeblich antisozialistischen Film herum."

Zuvor war der "Tausendsassa des DEFA-Films", wie ihn eine DDR-Filmzeitschrift einmal nannte, einer der beliebtesten Schauspieler im "Arbeiter- und Bauernstaat", der sogar von SED-Chef Walter Ulbricht (zusammen mit Filmkollegen) mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde.

Nach seinem Biermann-Protest wurde er beruflich kaltgestellt. "Die DDR reagierte wie eine sitzengelassene rachsüchtige Verlobte. Alle Schallplatten, Filme und Fernsehspiele wurden aus dem Verkehr gezogen", erinnert sich Krug in seinem Buch.

Krug hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet und war 1977 in den Westen gegangen.

Derweil soll nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" für die meisten der insgesamt 45 stasi-belasteten Mitarbeiter in der Jahn-Behörde bis Ende März eine Lösung gefunden werden.

Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hatte in seiner Antrittsrede Mitte März vergangenen Jahres, die Anwesenheit früherer Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes in der Behörde als unerträglich für die Opfer kritisiert. Die Stasi-Leute waren von seinem Vorvorgänger im Amt, Joachim Gauck, Anfang der 90er Jahre eingestellt worden.

"Das gibt es Bewegung. Die Front bröckelt"

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" haben einige der umstrittenen Mitarbeiter bereits ihre Bereitschaft signalisiert, auf freie Stellen in anderen Bundesbehörden zu wechseln. "Das gibt es Bewegung. Die Front bröckelt", zitiert die Zeitung einen Abgeordneten des für die Behörde zuständigen Bundestagsauschuss für Kultur und Medien.

Laut dem CDU/CSU-Obmann des Ausschusses, Marco Wanderwitz, werde zumindest vorläufig eine freiwillige Lösung angestrebt. Als Frist nannte er das erste Quartal dieses Jahres.

Das Anfang Januar in Kraft getretene novellierte Stasi-Unterlagengesetz sieht derartige Versetzungen vor. Allerdings habe die Gewerkschaft der Polizei für den Fall, dass Zwang ausgeübt wird, eine Sammelklage angekündigt. Einer solchen Klage räumen Rechtsexperten gute Chancen ein, heißt es.

Quelle: EPD/dpa/mcz
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