Gedenkveranstaltung
Wulff nennt Wannsee "Ort deutscher Schande"
Vergangenheit und Gegenwart: Zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz hat der Bundespräsident "Scham und Zorn" über die Mordserie des Neonazi-Trios geäußert.
Was genau Reinhard Heydrich (1904-1942) mit der Staatssekretärsbesprechung am 20. Januar 1942 bezweckte, ist bis heute unklar. Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes war vom geschassten Marineoffizier zum zweiten Mann der SS aufgestiegen. Die Propaganda inszenierte ihn als den "perfekten Nationalsozialisten". Zusätzlich übernahm er die Funktion des stellvertretenden Reichsprotektors für Böhmen und Mähren, de facto war er unumschränkter Herrscher.
Bundespräsident Christian Wulff hat die dauerhafte Erinnerung an die nationalsozialistischen Gräueltaten als eine "nationale Aufgabe" bezeichnet. In seiner Ansprache zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz mahnte Wulff in Berlin, es dürfe nicht vergessen werden, dass dieses "Unglaubliche und Unvorstellbare" wirklich geschehen ist.
Deswegen sei es notwendig, dass in Deutschland zahlreiche Gedenkstätten auch die nachfolgenden Generationen an das Entsetzliche erinnerten, das von Deutschland ausgegangen sei.
Bundespräsident Wulff betonte: "Dieser Ort und der Name Wannsee ist zum Symbol geworden für die bürokratisch organisierte Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben, für staatlich organisierte Vernichtung, für die geplante und behördlich systematisierte Tötung der Juden Europas." Damit sei er auch ein "Ort deutscher Schande".
Wulff äußerte in seiner Rede zugleich "Scham und Zorn" über das vor wenigen Wochen aufgedeckte Versagen von Polizei und Verfassungsschutzbehörden angesichts der lange unentdeckten rechtsterroristischen Verbrechen. "Wir haben es alle nicht für möglich gehalten", dass es "das in unserem Land und in diesem Jahrzehnt gibt".
"Uns bewegt der Wille, die Taten aufzuklären, die Helfer und Unterstützer zu finden und vor Gericht zu stellen, die Netzwerke zu zerstören, die diesen mörderischen Wahn" einer "Bande von rassistischen Mördern ermöglicht haben", betonte Wulff.
Gerade am Ort der Wannseekonferenz gelte es, den Familien ihrer Opfer zu versprechen, alles zu unternehmen, "damit Terror und mörderischer Hass auf Fremde und Fremdes in Deutschland nie mehr Platz haben".
Die Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 gilt als entscheidende Wegmarke für den Völkermord an den Juden. Bei der Zusammenkunft in einer Villa im Südwesten Berlins hatten 15 Spitzenbeamte des NS-Regimes die organisatorische Umsetzung des Völkermords an den europäischen Juden besprochen.
In dem damaligen Gästehaus der SS wurde vor 20 Jahren eine Gedenkstätte eröffnet, die Wulff am Freitag zusammen mit dem 1941 geborenen israelischen Minister Yossi Peled besuchte.
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