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21.12.11

Bundespräsident

Geerkens half Wulff bei der Immobiliensuche

Der Unternehmer Egon Geerkens war nach Angaben des Anwalts von Christian Wulff an den Verhandlungen über einen Privatkredit an den heutigen Bundespräsidenten beteiligt.

Der Anwalt von Bundespräsident Christian Wulff hat eine Beteiligung des Unternehmers Egon Geerkens an den Verhandlungen über einen umstrittenen Kredit für Wulff eingeräumt. In der Tageszeitung "Die Welt" erklärte Anwalt Gernot Lehr, die "Modalitäten" seien "gemeinsam besprochen", das Darlehen dann aber von Frau Edith Geerkens gewährt worden. Derweil erhielt Wulff weitere Rückdeckung von Koalitionspolitikern.

In einer schriftlichen Stellungnahme an die "Welt" schrieb Lehr, der "Darlehensgewährung" sei eine Suche des Ehepaars Wulff nach einer geeigneten Immobilie vorausgegangen. Geerkens sei hierbei "aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden" gewesen. "In diesem Zusammenhang ging die Initiative für ein Privatdarlehen von Frau Edith Geerkens aus. Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt."

Wulff steht wegen des Kredits zum Kauf eines Hauses in Höhe von 500. 000 Euro in der Kritik, den er 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident bekommen hatte. Kreditgeberin war nach Angaben Wulffs und seiner Anwälte Geerkens' Ehefrau Edith. Geerkens selbst räumte allerdings im Magazin "Spiegel" ein, er sei an den Kreditverhandlungen maßgeblich beteiligt gewesen. Die Grünen im Landtag hatten im Februar 2010 nach geschäftlichen Beziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer gefragt. Wulff ließ daraufhin erklären, dass er mit Geerkens und dessen Firmen "in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen" unterhalten habe.

Am Dienstag war Wulff weiter in Erklärungsnot geraten, als bekannt wurde, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer die Rechnung für die Werbung für ein Interview-Buch in Höhe von 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen beglichen hatte. Laut "Bild"-Zeitung wurden Anzeigen, mit denen im Herbst 2007 während des Landtagswahlkampfs für das Wulff-Buch "Besser die Wahrheit" geworben wurde, von Maschmeyer bezahlt. Im Ältestenrat des niedersächsischen Landtags scheiterte am Dienstag indes ein Antrag der Opposition auf eine erneute Prüfung von Wulffs Kreditgeschäften.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der "Berliner Zeitung", er habe "volles Vertrauen zu diesem Bundespräsidenten". Zudem handle es sich bei den Vorwürfen "eher um Stilfragen".

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, forderte ein Ende der Debatte. "Aus Respekt vor dem Amt sollte die Diskussion unverzüglich eingestellt werden", sagte Hasselfeldt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wulff habe in den vergangenen Tagen einen beachtlichen Beitrag zur Aufklärung der gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe geleistet. Ähnlich äußerte sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). "Bundespräsident Wulff hat alles offen gelegt und für Transparenz gesorgt", sagte Aigner der "Rheinischen Post".

Dagegen sagte SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy zu "Handelsblatt Online": "Es wachsen derzeit täglich die Zweifel, ob der Bundespräsident der Vorbildfunktion gerecht wird, die er von anderen führenden Repräsentanten von Staat und Gesellschaft stets eingefordert hat". Der SPD-Vorsitzende in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, sagte, die Bürger erwarteten von ihrem Bundespräsidenten Orientierung und Autorität. "Das ist solange nicht gegeben, wie er im politischen Zwielicht steht."

Quelle: AFP/sei
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