Geschlampt, nicht getäuscht
CDU-Politiker Althusmann darf Doktortitel behalten
Die Doktorarbeit von Kultusminister Bernd Althusmann hat erhebliche Mängel, ist aber kein Plagiat, so die Universität Potsdam. Der CDU-Politiker ist erleichtert und sieht seinen Ruf nicht beschädigt – im Gegensatz zur Opposition im Landtag.
Jorgo Chatzimarkakis (FDP) – Dem Europaabgeordneten wurde der Doktortitel aberkannt. In der Dissertation hätten die Prüfer in zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen gefunden, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren, erklärte die Universität Bonn zur Begründung.
Für Bernd Althusmann muss es wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gewesen sein. Niedersachsens Kultusminister, der am Samstag 45 Jahre alt wird, darf seinen Doktortitel behalten. Wirkliche Freude oder gar eine Spur des Triumphes in seinem Gesicht über das "Geschenk" der Universität Potsdam war dem Minister am Donnerstag aber nicht anzumerken. Die Universität Potsdam sprach den CDU-Politiker am Donnerstag vom Plagiatsvorwurf frei. "Diese Dissertation weist zwar eine Vielzahl formaler Mängel auf, die nicht guter wissenschaftlicher Praxis entsprechen", sagte der Vorsitzende der Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, Tobias Lettl. Allerdings gebe es in der Arbeit keine Täuschung und keine Verstöße gegen das Urheberrecht. Das Verfahren gegen Althusmann wurde eingestellt.
Der Politiker reagierte erleichtert auf das Ergebnis der monatelangen Untersuchung, auch wenn er es so erwartet hatte. "Von Anfang an haben anerkannte Wissenschaftler vor einer Vorverurteilung gewarnt", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz in Hannover. "Meine Arbeit weist keine Urheberrechtsverletzungen auf, sie ist kein Plagiat." Die 2007 eingereichte Dissertation über Prozesse in der öffentlichen Verwaltung war mit der schlechtesten Note "rite" (genügend) bewertet worden. Anders als andere prominente Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die als Abschreiber überführt wurden, kann Althusmann seinen Doktortitel behalten.
Die Opposition im niedersächsischen Landtag und SPD-Bundespolitiker sehen gleichwohl seinen Ruf beschädigt. "Auch wenn er den Doktortitel behalten darf, hat Althusmann sich als Bildungsminister selber disqualifiziert. Vorbild für die fast eine Million Schüler in Niedersachsen kann er nicht mehr sein", erklärte Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und früherer niedersächsischer Wissenschaftsminister.
Althusmann dagegen sieht seine Glaubwürdigkeit nicht beschädigt. Im politischen Tagesgeschäft hätten ihn die Vorwürfe nicht beeinträchtigt. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt an Rücktritt gedacht. Es gibt auch Phasen im Leben, wo man nicht so glänzen kann", sagte er. Dies werde auch bei Schülern vernünftig ankommen. Schon als die Schummel-Vorwürfe im Juli öffentlich wurden, hatte er eingeräumt, dass die Arbeit kein Glanzstück gewesen sei.
Die Prüfungskommission stellte auch Althusmanns Doktorvätern ein schlechtes Zeugnis aus. "Insgesamt handelt es sich um Mängel von erheblichen Gewicht. Zu ihrer Vermeidung hätten die Gutachter die Dissertation genauer prüfen und weitere Maßnahmen ergreifen müssen, zumal diese Verstöße zumindest teilweise ohne weiteres erkennbar waren", erklärte Lettl. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Hochschule will aus der Affäre lernen und Doktoranwärter bei der Promotion künftig besser betreuen.
Althusmann selbst hat sich noch nicht entschieden, ob er seine Doktorarbeit wegen der Schludrigkeiten nun überarbeiten wird. Er sieht keinen Anlass dafür, den Titel nun freiwillig nicht mehr zu führen. "Für den heutigen Tag bin ich erleichtert, dass das Verfahren so ausgegangen ist", sagte der Minister, der am Samstag seinen 45. Geburtstag feiert. Auf die Frage nach weiteren Konsequenzen aus der Affäre meinte er: "Ich kann Sie beruhigen, ich werde kein Buch schreiben."
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