Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
17.11.11

Nach Mordserie

Buback fordert schärfere Geheimdienst-Kontrolle

Der Sohn des von der RAF ermordeten Siegfried Buback plädiert für eine stärkere Kontrolle des Verfassungsschutzes. Michael Buback erinnert an die Verwicklungen von 1977.

dapd/DAPD

... in dem explodierten Haus in Zwickau gefunden wurde, wo die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gemeinsam mit Beate Zschäpe gelebt haben. Hier zeigt es einen Mann aus der Zeichentrick-Serie "Pink Panther", über den das Logo der Rote Armee Fraktion (RAF) montiert wurde.

11 Bilder

Es könnte eine lange Sitzung werden, wenn am Freitag Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mit Vertretern der Länder zu einem Sondertreffen in Berlin zusammenkommen.

Denn dort soll es um die Pannen bei der Fahndung nach den drei Neonazis gehen, die vermutlich neun Einwanderer und eine Polizistin ermordet haben. Geklärt werden soll auch, ob der Verfassungsschutz die Strafverfolgungsbehörden ausreichend informiert hat.

0Beim Bundesamt für Verfassungsschutz wird laut Innenministerium eine "lageorientierte Sonderorganisation" von 30 Mitarbeitern eingerichtet. Geprüft werde, wo sich untergetauchte Rechtsextremisten aufhalten.

Keine Aussage von Beate Zschäpe

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe habe bisher nicht ausgesagt, sagte der amtierende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum der ARD. Zschäpe sei auf die Möglichkeit, die Kronzeugenregelung in Anspruch nehmen zu können, hingewiesen worden. Griesbaum sagte weiter, die Bundesanwaltschaft sei von der Enttarnung der Terrorzelle "überrascht" worden.

Bundespräsident Christian Wulff zeigte sich über die Mordserie "erschüttert und empört". "Menschen in unserem Land, mitten unter uns, wurden Opfer von tödlichem Hass und rechtsextremistischer Gewalt", sagte Wulff anlässlich der Verleihung des Leo-Baeck-Preises an ihn.

Forderung nach NPD-Verbot abgelehnt

Nun sei sicherzustellen, dass der Staat seine Schutzfunktion in allen gesellschaftlichen Bereichen erfülle. Man dürfe "gegenüber den Hinterbliebenen nicht sprachlos sein", Deutschland werde sich in seiner weltoffenen Haltung nicht beirren lassen.

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte in einem Brief an Wulff , den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus "zu einer zentralen Aufgabe aller Demokratinnen und Demokraten" zu machen. Die Taten der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund "zeigen die Existenz rechtsterroristischer Strukturen und bedeuten eine völlig neue Dimension rechtsextremistischer Bedrohung in Deutschland", schreibt Özdemir.

Die Forderung nach Aufklärung der Morde und die Prüfung eines NPD-Verbots könnten daher nicht die einzige Antwort sein: "Gerade deshalb wäre ein Staatsakt zum Gedenken an die Opfer der rechtsterroristischen Anschläge aus meiner Sicht das richtige Signal an die Menschen in unserem Lande, gleich welcher Herkunft sie sind", heißt es in dem Brief.

Einen solchen Staatsakt lehnt der Bürgerrechtler und evangelische Pastor Joachim Gauck ab. "Von dem Vorschlag, für die Opfer der gerade bekannt gewordenen Mordserie von Neonazis einen Staatsakt zu veranstalten, halte ich nichts", sagte er "Morgenpost Online". Ein Trauergottesdienst oder ein staatlicher Trauerakt schienen ihm nicht "die richtige Form zu sein, um Toter zu gedenken, deren Ermordung schon so lange zurückliegt".

Ein Staatsakt könne nur eine unmittelbare Reaktion auf ein Ereignis sein. Gauck forderte eine wehrhafte Demokratie, die sowohl vom Staat als auch den Bürgern ausgehe: "Überall im Land gibt es breite Bürgerbündnisse, wenn sich Rechtsextremisten zusammenrotten." Diese Bürger müssten ermutigt werden. "Das erscheint mir wichtiger, als erneut nach dem Verbot der NPD zu rufen", sagte Gauck.

Reform der Geheimdienste unausweichlich

Der Ex-Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hansjörg Geiger, forderte eine Reform der Geheimdienste: "Jetzt besteht Anlass, endlich über die Neuorganisation des Verfassungsschutzes, des Bundesamts, der Landesämter wie auch des Militärischen Abschirmdienstes grundlegend nachzudenken", sagte Geiger der "Zeit".

Für eine stärkere Kontrolle des Verfassungsschutzes plädierte der Sohn des 1977 von Linksextremisten ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback.

"Es bereitet mir Sorge, dass Kontakte zwischen Terroristen und Verfassungsschutz im Raum stehen, was auch für das Karlsruher Attentat im Jahre 1977 gilt", sagte Michael Buback Morgenpost Online. "Der Verfassungsschutz hat sehr weitgehende Rechte, denen eine angemessene Kontrolle zumindest durch parlamentarische Gremien gegenüberstehen muss.

Quelle: mir/ccm/dfs/mka
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
Inventor of TV remote control dies at age 96
Erfinder der Couch-Potato

Ohne Eugene Polley gäbe es keinen gemütlichen TV-Abend.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote