Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
05.11.11

Alt-Kanzler Schröder

Deutschland soll in einem föderalen Europa aufgehen

Ex-Kanzler Schröder plädiert für eine EU-Regierung samt entsprechender Änderung des Grundgesetzes. Den Beitritt Griechenlands dürfe man ihm nicht anlasten, so Schröder.

dapd/DAPD

Er rief die Abgeordneten zu mehr Zusammenhalt auf, um die Krise in Griechenland zu bewältigen.

16 Bilder

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich ausdrücklich hinter den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou gestellt und dessen ursprüngliche Idee für ein Referendum über den Sparkurs in Griechenland verteidigt.

Es sei "naiv" von den Euro-Partnern gewesen, angesichts der politischen Mehrheitsverhältnisse in Athen nicht von einem solchen Schritt auszugehen, sagte der SPD-Politiker in einem am Samstag veröffentlichten Reuters-Interview.

Athen muss Euro-Auflagen erfüllen

"Er hat eine knappe Mehrheit im Parlament und Widerstand in der eigenen Partei. Ich kenne mich ein bisschen aus, was das bedeutet", sagte Schröder mit Blick auf die eigenen Regierungszeit. In einer Demokratie könne man nur schlecht argumentieren, ein Volk solle nicht über etwas abstimmen, was wirklich an den Kern der Verfasstheit der Demokratie geht.

Allerdings müsse das Land alle auf dem Euro-Gipfel eingegangen Auflagen erfüllen, eine Nachverhandlung sei nicht möglich. Sonst drohe der "Tabubruch" und eine Rückkehr zur Drachme.

"Wenn in der Bundesregierung jemand von einem Tabu redet, wissen wir nur, dass es eine Woche später keines mehr ist. Nur ist dies keine Entwicklung, die für Europa gut ist", so Schröder.

Beitritt Griechenlands war auch Schuld von Schwarz-Gelb

Schröder gab zu, dass es möglicherweise ein Fehler war, Griechenland in die Euro-Zone aufzunehmen. "Wenn man damals völlige Klarheit über die ökonomische Lage gehabt hätte, wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen."

Aber damals gab es einen allgemeinen Konsens, die EU-Kommission hatte die Aufnahme vorgeschlagen." Zudem, so Schröder, hätten im Europaparlament dann auch CDU und FDP der Aufnahme zugestimmt.

Als Ausweg aus den Problemen der Euro-Zone forderte er ein "föderales Europa", für das sowohl der EU-Vertrag als auch das Grundgesetz geändert werden müssten.

Dabei schließt der Alt-Kanzler auch ein Referendum für Deutschland nicht aus: Die Frage, wie Europa aussehen solle, sei ein wichtigere Frage als etwas die Abstimmung über einen Bahnhof, sagte er in Anspielung auf Stuttgart 21.

Verfassungsrichter für neue Verfassung

Nach Ansicht des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, könnte der Beitritt Deutschlands zu möglichen Vereinigten Staaten von Europa über eine Neuauflage eines Verfassungskonvents wie in der Frankfurter Paulskirche von 1848 realisiert werden.

Voßkuhle sagte dem "Focus": "Wenn wir einen europäischen Bundesstaat schaffen, dann brauchen wir eine neue Verfassung und dann muss das Volk beteiligt werden. Das kann über eine direkte Abstimmung über einen vorher erarbeiteten Verfassungsentwurf geschehen oder über einen Konvent, der speziell dafür gewählt wird."

Eine Versammlung nach dem Vorbild der Paulskirche "wäre durchaus denkbar und dann das Modell des Verfassungskonvents, der stellvertretend für das Volk ein neues Grundgesetz erarbeitet", so der Gerichtspräsident.

Voßkuhle äußerte sich aber grundsätzlich skeptisch gegenüber Volksabstimmungen. "Die Vorstellung, mit mehr Plebisziten würde die Welt demokratischer, ist sicherlich falsch. Gleichwohl können sie im Einzelfall eine sinnvolle Ergänzung zum parlamentarischen Verfahren sein."

Fragen der Außenpolitik, der Verteidigung oder des Finanzausgleichs halte er zum Beispiel für weniger geeignet für eine Volksabstimmung.

Quelle: Reuters/pku
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
Inventor of TV remote control dies at age 96
Erfinder der Couch-Potato

Ohne Eugene Polley gäbe es keinen gemütlichen TV-Abend.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote