Stresstest-Ergebnisse
Ministerium zweifelt an Stuttgart 21-Gutachten
Der Stresstest zu Stuttgart 21 sollte eigentlich endlich Ruhe und Frieden für das Bahnhofsprojekt bringen, doch die Bahnhofsgegner halten die Belastungsprüfung für unglaubwürdig. Auch das Verkehrsministerium in Stuttgart stellt das Gutachten in Frage.
1994 wird das Projekt Stuttgart 21 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Es sieht einen unterirdischen Hauptbahnhof am alten Standort, die Anbindung an den Flughafen, eine Hochgeschwindigkeitsstrecke und einen neuen Stadtteil auf frei werdenden Gleisflächen vor – ähnlich wie die aktuellen Baupläne (Foto).
Das Verkehrsministerium in Stuttgart bezweifelt offenbar, dass die Bahn den sogenannten Stresstest für den umstrittenen Tiefbahnhof "Stuttgart 21" bestanden hat. Die Experten seien zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung gekommen, berichtet das "Handelsblatt". "Der Bericht ist in der Diktion eher wohlwollend gegenüber der Bahn", berichtete ein Mitarbeiter der Leitungsebene.
So verlangten die Gutachter etwa die im Bericht "beschriebene Unstimmigkeiten und kleineren Fehler zu beheben und zur Bestätigung des Gesamtresultats einen weiteren Simulationslauf durchzuführen". Auch habe der Gutachter SMA Schwachpunkte "relativiert und heruntergespielt". So sei etwa der Fahrplan bei der bereits im Schlichtungsverfahren heftig debattierten Wendlinger Kurve schlicht missachtet worden, um einen kostspieligen Ausbau zu vermeiden.
Über die sogenannte kleine Wendlinger Kurve können laut Untersuchung zwei Züge pro Stunde und Richtung fahren, das Land fordert in Spitzenzeiten aber drei Züge. Auch attestiere SMA in den Gutachten "eine Reihe von Taktabweichungen". Teilweise hätten die Gutachter auch von einem "eher zufälligen System" gesprochen, etwa bei der Simulation des aus dem Filstal kommenden Zugverkehrs. Für die Beamten stehe damit fest: "Das ist kein Persilschein."
Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler hat unterdessen erneut das Verhalten der Bahnhofsgegner kritisiert, aber auch eigene Fehler eingeräumt. Nach dem bestandenen Stresstest des geplanten Tiefbahnhofs sagte Geißler zu "Focus Online": "Die Reaktion der Gegner ist völlig irrational." Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hatte angekündigt, die Präsentation der Stresstest-Ergebnisse nächste Woche zu boykottieren. "Nur weil das Ergebnis nicht ausfällt, wie man es sich erhofft hat, kann man doch nicht einfach aussteigen", sagte Geißler.
Im Rückblick gestand er zugleich ein, die Projektgegner nicht immer ausreichend berücksichtigt zu haben: "Es war sicherlich falsch, das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 bei der Ausarbeitung des Stresstests nicht miteinzubeziehen." Dieser Fehler sei aber ausgeglichen worden, indem der Gutachtertermin weiter nach hinten verschoben wurde. "Dafür habe ich gesorgt. Leider haben das die Bahnhofsgegner nicht als ausreichend erachtet."
Die Arbeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bewertete Geißler positiv: "Ich habe an seiner Arbeit als Ministerpräsident nichts auszusetzen. Er hat Stuttgart 21 immer abgelehnt und ist als Ministerpräsident seiner Linie treu geblieben." Dass Kretschmann nun eine Volksabstimmung anstrebe, könne man ihm nicht vorwerfen: "Das ist aus seiner Sicht der nächste logische Schritt und meiner Meinung nach auch richtig für das Projekt."
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