Gabriel wirbt um Linke
"Kommt zu uns Genossen, willkommen in der SPD"
SPD-Chef Sigmar Gabriel will reformorientierte Linkspartei-Politiker in die SPD locken. Den Fraktionsvize der Linken würde er gern "schon morgen" in der SPD sehen.
SPD-Chef Sigmar Gabriel wirbt um reformorientierte Mitglieder der Linkspartei. "Kommt zu uns, Genossen! Herzlich willkommen in der SPD!", sagte Gabriel nach einer Meldung des "Stern" vom Mittwoch.
Eine frühere SED-Mitgliedschaft soll laut Gabriel kein Hindernis mehr sein. "Ich wünsche mir, dass wir nicht jedem Straftäter mehr Resozialisierungschancen geben als jemandem, der mal in der SED war", sagte er.
Die Entwicklung der Linkspartei sähen viele von deren Mitgliedern mit Entsetzen, meinte Gabriel. Wer eine Mitte-Links-Politik wolle, "findet in der Sozialdemokratie eine Heimat". Es gebe Teile der Linkspartei, "bei denen die Unterschiede zu uns inzwischen überschaubar sind – vielleicht schon immer waren."
"Ich möchte niemanden kaufen"
Ein Angebot von Ämtern und Mandaten für übertrittswillige Politiker lehnte Gabriel jedoch ab: "Ich möchte niemanden kaufen." Es gebe keine Ablöseverhandlungen wie im Fußball. Jeder könne aber in der SPD etwas werden.
In einem Gespräch mit dem Linken-Vizefraktionschef Dietmar Bartsch bot Gabriel diesem an, "schon morgen" in die SPD zu wechseln. "Er ist ein Ausnahmetalent in der deutschen Politik und wird in den inneren Kämpfen seiner Partei einfach verschwendet", sagte der SPD-Vorsitzende. Auch für eine Rückkehr des Linken-Vorsitzenden Klaus Ernst in die SPD zeigte sich Gabriel offen. Dieser habe sich nur "in die Linkspartei verirrt".
Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine hingegen werde vermutlich gar nicht erst auf die Idee kommen zurückzukehren. "Und das ist auch gut", fügte Gabriel hinzu.
Bartsch reagiert verhalten
Bartsch reagierte auf das Aufnahmeangebot Gabriels in die SPD verhalten: "Um mich dorthin zu kriegen, müsste die Linke sich so entwickeln, dass sie nicht mehr meine Partei wäre." Auf den kommenden beiden Parteitagen werde sich die Linke "fangen und finden".
Doch fügte Bartsch hinzu: "Meine Gegner sind die CDU/CSU und die FDP, nicht die SPD. Das ist bei uns in der Tat umstritten. Die Linke darf keine Partei sein, die vor allem aus der Abgrenzung zur SPD ihre Existenzberechtigung ableitet." Seine Partei solle vielmehr mit der SPD strategisch auf ein Mitte-Links-Bündnis hinarbeiten.
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