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17.05.11

Jobmarkt Berlin

Jeder Zehnte kann nicht von seiner Arbeit leben

Unter den 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern in Berlin ist die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker um 30 Prozent gestiegen. Das heißt, immer mehr Beschäftigte verdienen so wenig, dass es zum Leben nicht mehr reicht.

© picture-alliance/ dpa/dpa
Illustration zum Thema "Ein-Euro-Jobs"

Die Zahl der Berliner, die nicht von ihrer Arbeit leben können, steigt von Jahr zu Jahr. Gab es vor drei Jahren noch 99.000 sogenannte Aufstocker, so waren es im vergangenen Jahr bereits 129.000 der 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer, die zusätzlich zu ihrem Job auf staatliche Hilfen angewiesen sind – jeder Zehnte und ein Plus von 30 Prozent.

Unter ihnen verdienen 35.000 Arbeitnehmer sogar trotz eines Vollzeitjobs zu wenig, um das Existenzminimum zu erreichen. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die Morgenpost Online vorliegt.

Als "Aufstocker" definiert die BA Menschen, denen das Einkommen aus Arbeit oder das Arbeitslosengeld nicht ausreichen, um das Existenzminimum zu bestreiten, und die deshalb zusätzlich Geld vom Staat beziehen. Auffallend dabei ist, dass die Zahl der Selbstständigen, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind, sich seit 2007 von 9000 auf fast 20.000 mehr als verdoppelt hat.

"In den Zahlen drückt sich das niedrige Lohnniveau in Berlin aus", sagte Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) am Montag. Sie kritisierte, dass die gesetzlichen Vorgaben des Bundes die Subvention von Billiglöhnen ermöglichten. "Das kann es nicht sein." Die Sozialsenatorin erneuerte die Forderung der Linken nach einem gesetzlichen Mindestlohn.

Die Grünen äußern dagegen Kritik an der rot-roten Regierungskoalition. "Das viel besungene Jobwunder des Senats entpuppt sich zum Großteil als prekär", sagte die Arbeitsmarktexpertin der Partei, Sabine Bangert. In Berlin sind in den vergangenen Jahren nach Angaben des Senats 120.000 sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden – viele davon allerdings im Niedriglohnsektor. "Deshalb kommt Berlin wirtschaftlich nicht auf die Beine", so Bangert. Gleichzeitig bleibe die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Berlin unverändert hoch, sodass die soziale Situation schwierig bleibe.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sieht Berlin dagegen auf dem richtigen Weg. "120.000 Arbeitsplätze seit 2005 und ein Wachstum über dem Bundesdurchschnitt zeigen, dass Berlin die Trendwende geschafft hat", sagte Wolf. Die Stadt versuche über das Vergabegesetz gegen den Trend zu Niedriglohn und Leiharbeit vorzugehen. Demnach dürfen nur Firmen öffentliche Aufträge erhalten, die einen Mindestlohn von 7,50 Euro je Stunde zahlen und ein Festgehalt von mindestens 25.000 Euro pro Jahr.

In Berlin sind derzeit 240.500 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 14 Prozent, der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes nahm die Teilzeitbeschäftigung im Vergleich zum Vorjahr mit 3,8 Prozent wesentlich stärker zu als die Vollzeitbeschäftigung (plus 0,9 Prozent).

Mit einem Durchschnittsverdienst von 3100 Euro brutto pro Monat liegt Berlin am Ende der Einkommensskala in Deutschland. Insgesamt sind in Berlin 416.000 Menschen von Hartz-IV-Zahlungen abhängig. Jedes vierte Kind lebt in ärmlichen Verhältnissen.

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