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11.05.11

Affäre um Dissertation

Uni Bayreuth weist Guttenbergs Beteuerungen zurück

Die Uni Bayreuth ist überzeugt, dass der frühere Verteidigungsminister bewusst getäuscht hat. Guttenberg rechtfertigt sich mit "Mehrfachbelastung".

dpa/DPA

Karl-Theodor zu Guttenberg unterstützt künftig die EU-Kommission als unabhängiger Berater in Fragen der Internetfreiheit unter autoritären Regimes.

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Die Universität Bayreuth wirft dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vorsätzliche Täuschung bei seiner Doktorarbeit vor. Guttenberg habe beim Abfassen seiner aberkannten Doktorarbeit "die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhoben", sagte der Vorsitzende der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft", Professor Stephan Rixen.

Über die ganze Arbeit verteilt habe die Kommission zahlreiche evidente Wortlaut- und inhaltliche Plagiate gefunden, erklärte Rixen, bei der Präsentation des Berichtes . Die Plagiate durchzögen die Dissertation als "werkprägendes Verarbeitungmuster".

Die Universität könne sich der Argumentation Guttenbergs, die Dopplungen seien durch Fahrlässigkeit entstanden, nicht anschließen: "Wenn Texte so übernommen werden oder nur kleine Worte verändert werden, ist das Vorsatz", sagte Rixen.

Durch eine "Montagetechnik" habe Guttenberg außerdem versucht, die wortwörtlichen Übernahmen zu verbergen. Gerade der Umgang mit Texten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zeige dies. Hinweise auf einen Ghostwriter bei der Doktorarbeit gab es nach Angaben der Universität nicht.

Eine Beteiligung von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle an dem Fehlverhalten lasse sich hingegen nicht feststellen, heißt es weiterhin in dem Untersuchungsbericht. Da Guttenberg seinee Plagiate geschickt verschleiert habe, sei auch nicht von einer Vernachlässigung seitens Häberles zu sprechen.

Häberle sei ein angesehener Wissenschaftler mit vielen internationalen Kontakten. Daher solle er auch künftig Doktoranden betreuen, erklärte Rixen auf Nachfrage.

Als längerfristige Konsequenzen der Affäre hat die Hochschule eine Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Kontrolle in Promotionsverfahren eingesetzt. Es sollten einheitliche Qualitätsmaßstäbe erarbeitet werden, sagte Uni-Präsident Prof. Rüdiger Bormann. Bormann kündigte an, dazu externen Sachverstand hinzuzuziehen.

Guttenberg rechtfertigt sich mit Mehrfachbelastung

Guttenberg erklärte seine unzureichende Doktorarbeit dem Abschlussbericht zufolge mit seiner beruflichen und familiären Mehrfachbelastung. Der CSU-Politiker gestand demnach in einer Stellungnahme gegenüber der Hochschule eine "ungeordnete Arbeitsweise" mit "gelegentlich chaotischen Zügen" ein.

All dies habe sich über Jahre in einer Situation abgespielt, in der die – durch die Übernahme neuer beruflicher Tätigkeiten und politischer Ämter entstandene - "vielfache Arbeitsbelastung" ihm teilweise über den Kopf gewachsen sei.

Hinzugekommen sei die Erwartungshaltung der Familie, die bestehenden Anforderungen erfolgreich zu bewältigen. Ihm sei deutlich gemacht worden, dass die Qualität der unterschiedlichen Engagements keinesfalls leiden dürfe und eine begonnene Arbeit auch zu Ende zu bringen sei.

Guttenberg wollte Doktorvater nicht enttäuschen

Außerdem habe Guttenberg seinen Doktorvater Peter Häberle nicht enttäuschen wollen. Er habe sich nicht durchringen können, die Dissertation zurückzugeben und das Promotionsverfahren zu beenden. "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen", sagte Guttenberg dem Bericht zufolge.

Die zuständige Kommission der Universität erkannte die Argumentation nicht an: Im Wissen um eine sich über Jahre hinziehende "zeitliche Dauerüberforderung" habe sich Guttenberg entschieden, "über alle selbst erkannten Warnzeichen hinwegzusehen".

Er habe damit sehenden Auges in Kauf genommen, dass er eine Arbeitsweise pflege, der "die fehlende wissenschaftliche Sorgfalt immanent ist". Wer jahrelang akzeptiere, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, "handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt".

Mögliches Strafverfahren steht noch aus

Im Februar hatte der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano die Affäre ins Rollen gebracht . Er hatte die Arbeit als "dreistes Plagiat" und "Täuschung" bezeichnet.

Am 23. Februar hatte die Universität Bayreuth Guttenberg den Doktortitel entzogen, am 1. März trat er von allen politischen Ämtern zurück. Ein mögliches Strafverfahren steht ihm auch noch bevor: Bei der Staatsanwaltschaft Hof liegen mehr als 100 Anzeigen gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht vor.

Auch ein ein Strafantrag eines Plagiatsopfers liegt vor. Im Fall einer Anklage würden Guttenberg schlimmstenfalls bis zu drei Jahren Haft drohen.

Die Staatsanwaltschaft Hof kündigte bereits an, auch den Abschlussbericht der Universität Bayreuth in ihre Ermittlungen einzubeziehen. Erste Ergebnisse will sie im Sommer bekannt geben.

Guttenberg zum Delegierten für CSU-Parteitag gewählt

Entgegen seiner Ankündigung, sich von allen politischen Ämtern zurückzuziehen, hat sich Guttenberg nach Angaben eines Parteisprechers vom CSU-Kreisverband Kulmbach als Delegierter für den Bezirks- und Landesparteitag wählen lassen. Ob er die Wahl auch angenommen hat, blieb zunächst unklar.

Der frühere CSU-Generalsekretär Thomas Goppel hatte vor der Veröffentlichung des Berichtes gesagt, er rechne nicht mit einem politischen Comeback Guttenbergs. In einer solchen Situation ziehe man sich wohl "am besten aus der Szene zurück", sagte Goppel im Deutschlandfunk. Er schloss allerdings mittelfristig eine Rückkehr Guttenbergs nicht aus. Es könne sich eine Lage ergeben, bei der "wir in der Politik dankbar sind, wenn ein Talent wie er im Prinzip sich wieder betätigt".

Goppel kritisierte zugleich das Verhalten der Universität Bayreuth in der Affäre um die Doktorarbeit Guttenbergs. Der frühere Wissenschaftsminister Bayerns warf der Uni vor, dass sie "sich selbst reinwäscht". Dies halte er "nicht für gut".

Goppel fügte hinzu: "Ein Doktorvater, der 'summa cum laude' vergibt und die eigenen Textstellen nicht einmal sieht beziehungsweise nicht erkannt hat, die da angeblich auch dabei sind, ist jemand, der im Betreuen des Doktoranden nicht genau genug und konkret genug gewesen ist."

Quelle: dapd/dpa/ks
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