Energieversorgung
1,4 Millionen Euro für Notstrom im Reichstag
Um Ausfälle in den Parlamentsgebäuden zu verhindern, soll die Stromversorgung für 1,4 Millionen Euro nachgebessert werden. Auch wenn laut Vattenfall die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Blackouts wie Anfang März äußerst gering ist.
Von Florian Kain
Die Nachbesserung der Stromversorgung für die Gebäude des Bundestags in Berlin kommt den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen. Wie aus einem bisher geheim gehaltenen internen Papier hervorgeht, veranschlagen die Experten der Bundestagsverwaltung allein bis Ende 2014 Kosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro, um die Parlamentsgebäude wirkungsvoller als in der Vergangenheit vor Blackouts zu schützen.
Separate Stromtrasse
Demzufolge ist geplant, das Umspannwerk Jägerstraße und die zugehörigen Leitungssysteme so umzurüsten, dass von dort künftig eine zweite Allgemeinstromversorgung – unabhängig vom Umspannwerk Potsdamer Platz – entsteht. Aus gutem Grund. Denn die beiden eigentlichen Leitungstrassen zum Bundestag wurden aufgrund eines Planungsfehlers in derselben Kabeltrasse verlegt. So hatte der Bagger, der im März bei Bauarbeiten an der Voßstraße versehentlich die Trasse durchtrennte, leichtes Spiel.
Weil nach dem Unfall weder die Haupt-, noch die Sicherheitsstromversorgung funktionierte, lag der politische Betrieb im Regierungsviertel einen Tag lang still. Die Szenen, die sich seinerzeit dort abspielten, waren kurios: Abgeordnete durften nicht mehr zur Toilette gehen, weil die Spülung elektronisch gesteuert war, die Computerbildschirme blieben schwarz, alle Telefone standen still – und auf den Fluren flimmerte nur noch die Notbeleuchtung.
Um einen solchen "Havariefall" für die Zukunft auszuschließen, soll das Umspannwerk an der Jägerstraße nun so umgerüstet werden, dass von dort künftig eine zweite Allgemeinstromversorgung – unabhängig vom Umspannwerk Potsdamer Platz – zur Verfügung steht. Dabei könnte, so heißt es in dem der Berliner Morgenpost vorliegenden Schreiben von Bundestagsdirektor Harro Semmler an den Ältestenrat, auch eine neue Sicherheitsstromversorgung "mittels eines Dieselaggregats aufgeschaltet werden", wofür dann allerdings noch "im näheren Umfeld des Deutschen Bundestages ein geeigneter Standort gefunden werden" müsse.
Wahrscheinlichkeit eines weiteren Blackouts gering
Da für den Erweiterungsbau Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (Fertigstellung 2014/2015) aber ohnehin die Installation eines solchen Dieselaggregats zur Sicherheitsstromversorgung geplant ist, "erscheint eine Anmietung als Interimslösung besonders geeignet", wie Semmler in dem Brief ausführt. Doch auch dieses Leihgerät ist nicht zum Spottpreis zu haben: Der Preis für die Anmietung wird auf satte 240.000 Euro pro Jahr veranschlagt. Dazu kommen die Baukosten, die der Stromversorger Vattenfall auf 450.000 Euro schätzt. Für die "höhere Vorhaltungsleistung" des Zweitanschlusses werden demzufolge jährlich weitere 90.000 Euro fällig – macht insgesamt rund 1,4 Millionen Euro.
Dabei, so schätzen die Experten, dürfte bis zur Fertigstellung dieses Provisoriums sowieso noch ein Jahr vergehen. Dann allerdings sei ein Sicherheitsstandard erreicht, wie er mit dem Ende 2014 fertiggestellten Erweiterungsbau Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ohnehin angestrebt wird, heißt es. Pikantes Detail am Rande: Die Wahrscheinlichkeit, dass es bis zur Fertigstellung des Anbaus zu einem weiteren Stromausfall dieser Größenordnung kommt, ist äußert gering. Nach Schätzung von Vattenfall ist statistisch gesehen damit lediglich einmal in einem Zeitraum von rund 50 Jahren zu rechnen.
Anmietung eines Dieselaggregats
Doch die Bundestagsverwaltung will offenbar um jeden Preis ausschließen, dass in den Gebäudekomplexen des Bundestags noch einmal die Lichter ausgehen. So hat sich die Bau- und Raumkommission des Ältestenrats in ihrer Sitzung am 6.April bereits dafür ausgesprochen, das Umspannwerk entsprechend umzurüsten und das Dieselaggregat anzumieten.
Für die übrigen, zusätzlich angemieteten Bundestagsbauten (zum Beispiel die Büros Unter den Linden 50 und Wilhelmstraße 60) ändert sich derweil gar nichts: In diesen Häusern gibt es ohnehin keine zweite Allgemeinstromversorgung. Im Zuge der bereits beschlossenen Sanierungsmaßnahmen im Bereich östlich der Wilhelmstraße sei aber vorgesehen, ein "übergreifendes Energiekonzept" zu entwickeln, mit dem auch bei Stromausfall weiter in den Gebäuden gearbeitet werden könne, heißt es. Der dafür nötige finanzielle Aufwand ist bislang aber noch unbekannt.
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