Altkanzler
Helmut Schmidt lästert über Politiker ohne Beruf
Dass viele Politiker der jüngeren Generation niemals eine andere Tätigkeit ausgeübt haben, stößt dem SPD-Urgestein übel auf.
SPD-Politiker, mehrfacher Bundesminister und acht Jahre Bundeskanzler: Helmut Heinrich Waldemar Schmidt. Morgenpost Online blickt zurück auf seine einmalige Karriere.
Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hätte gern mehr Politiker, die vor ihrer Karriere als Volksvertreter einen Beruf ausgeübt haben.
"Jemand, der in die Politik geht, ohne einen Beruf zu haben, kann mir gestohlen bleiben. Ich kenne leider mehr als genug von denen!", sagte Schmidt, der auch Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" ist, dem "Zeitmagazin".
Nur wenn Politiker gegebenenfalls wieder in ihren alten Beruf zurückkehren könnten, sei ihre Unabhägigkeit gewährleistet. Schmidt selbst ist Volkswirt und war vor seinem Wechsel in die Politik Amtsleiter in Hamburg.
Den Bundestagsabgeordneten stellt Schmidt insgesamt ein durchwachsenes Zeugnis aus. "Fleißig sind sie. Aber ihre Kenntnisse der Geschichte sind nicht ganz ausreichend", sagte er.
Zudem forderte Schmidt Nachwuchspolitiker auf, sich zu spezialisieren – ohne darüber den Überblick fürs Ganze zu verlieren: "Ein Abgeordneter muss sich wenigstens ein Politikfeld aussuchen, auf dem er sich selbst für urteilsfähig hält", erklärt Schmidt. Dabei könnten frühere berufliche Erfahrungen ein Ausgangspunkt sein.
Für andere Entscheidungen seien Politiker auf die Ratschläge von Freunden, Kollegen und ihrer Partei angewiesen: "In vielen Fällen reicht die persönliche Urteilskraft des Einzelnen tatsächlich nicht mehr."
Schmidt kritisiert, deutsche Spitzenpolitiker erlägen mitunter der "ungeheuren Versuchung, dem Publikum nach dem Mund zu reden und das wegzulassen, was die Leute womöglich nicht hören wollen".
Das sei aber "eine unvermeidliche Begleiterscheinung der Demokratie," schließlich wollten alle Politiker ihr jeweiliges Publikum davon überzeugen, "dass sie ehrliche Menschen sind, zuverlässig, urteils- und tatkräftig."
Die Medien, sagte Schmidt allerdings, "verführen die Politiker in anderer Weise als früher". Manchem Politiker genüge es, an einer Talkshow teilzunehmen. "Er sagt dort seine Meinung. Das reicht ihm."
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Aufrüstung: Helmut Schmidt und sein mutiger Atom-Poker
- Atomprotest: Helmut Schmidts Ringen mit den ersten Wutbürgern
- Late Night: Bei Schmidt wird Maischberger zum kleinen Mädchen
- Eurokrise: Alt-Kanzler Schmidt rechnet mit Bundesregierung ab
- "Gorch Fock"-Affäre: Altkanzler Schmidt kanzelt Minister Guttenberg ab
- Abrechnung vor Schülern: Altkanzler Schmidt wirft Westerwelle Versagen vor
-
19:10Griechenland-Krise: Günter Grass provoziert mit neuem Gedicht
-
19:03Dokumentation: Europas Schande – Ein Gedicht von Günter Grass
-
19:02Facebook: Jetzt wird Mark Zuckerberg zum Buhmann
- 1. Live-Ticker Herthas Raffael hatte Tränen in den Augen
- 2. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 3. Bauexperten Zweifel am neuen Eröffnungstermin für BER wachsen
- 4. "Ein Scherz" Flugsicherung prüft juristische Schritte gegen RBB
- 5. Entscheidungslösung Der Bundestag beschließt Organspende-Reform











