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15.03.11

Bevölkerung

Zahl der Deutschen schrumpft, vor allem auf dem Land

In Großstädten steigt die Lust aufs Kinderkriegen, schlecht sieht es hingegen in entlegenen Regionen Ostdeutschlands aus.

© picture alliance / ZB/dpa-Zentralbild
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Das große Schrumpfen geht weiter: Vor allem Deutschlands ländliche Gebiete werden vom Bevölkerungsrückgang der kommenden Jahre empfindlich geschwächt. Die noch vor wenigen Jahren deutliche Trennung zwischen Ost und West weicht nun jedoch einer gesamtdeutschen Tendenz vom Land in die Stadt. Das geht aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor, die auf Basis statistischer Zahlen von 2008 präsentiert wurde.

In der Fläche fehlten bereits vielerorts Schulen, Banken, Busverbindungen oder Ärzte, sagte Instituts-Leiter Reiner Klingholz. "Es gibt eine Renaissance der Städte." Vor allem der Süden Deutschlands bleibt der Studie zufolge Boomregion mit Wachstumspotenzial. Unter den 20 Kreisen und kreisfreien Städten mit den besten Zukunftsaussichten stammen 15 aus Bayern und drei aus Baden-Württemberg. Aber auch Potsdam und Jena können sich platzieren.

Schlusslichter in ländlichen Gegenden Ostdeutschlands

Weit abgeschlagen liegen jedoch weiterhin entlegene oder altindustrialisierte Regionen Ostdeutschlands:13 der 20 Schlusslichter kommen aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die Forscher sammelten für ihr Ranking Daten aus 413 Regionen – von Kinderzahl bis Altersstruktur, vom Einkommen über Arbeitslosigkeit bis zur Frauenbeschäftigung, außerdem Zahlen zu Integration, Bildung und Familienfreundlichkeit.

Dabei zeigt sich: Die Quote von durchschnittlichen 1,37 Kindern pro Frau ist seit 1997 zwar unverändert, aber vor allem in den Städten mit ihrem höherem Anteil qualifizierter, erwerbstätiger Frauen ist der Anteil der Mütter gestiegen, während die Geburtenzahlen in traditionell kinderreicheren ländlichen Gebieten sanken.

Die Einwohnerzahl in Deutschland ist seit ihrem Höchststand 2002 bereits um 800.000 auf knapp 82 Millionen gesunken. "Bis 2050 werden in Deutschland mindestens zwölf Millionen Menschen weniger leben", sagte Klingholz. Das stelle die alternde Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Künftig, so die Experten, müsse die Zivilgesellschaft immer mehr der bisher vom Staat geleisteten Aufgaben übernehmen.

Ehrenamtliche sind künftig stärker gefordert

Bürgerliches Engagement gelte es zu fördern. Oft reichten dazu bereits kleine Summen, die allerdings dauerhaft und nicht als "Projektitis" fließen müssten, betonte auch Studienautor Steffen Röhnert. Beispielhaft untersuchten die Forscher verschiedene Problem-Regionen Deutschlands auf die Rolle, die ehrenamtliches Engagement dort spielt. Fazit: Nicht überall klappt's – oft sind es sogar Stadtverwaltungen oder Wohlfahrtsverbände, die in den Freiwilligen unliebsame Konkurrenz sehen.

"Dabei ist vor allen in den strukturschwachen Gebieten klar, dass es ohne den Einsatz von Freiwilligen nicht weiter geht", sagte Röhnert. Als positive Beispiele nannte er Dorf-Gemeinschaftshäuser, die in Eigenregie von den Dorfbewohnern renoviert wurden und nun für Kulturveranstaltungen, aber auch als Behandlungsraum für den Arzt oder den Friseur auf Rädern dienen.

Wichtig sei, dass künftig die Generation 60+ verstärkt für solche Aufgaben angesprochen werde, sagen die Autoren. Viele "junge" Ältere seien sehr gut ausgebildet und fit, hätten keine Geldsorgen und suchten nach einer neuen Aufgabe. Rolle des Staates könne es künftig sein, die Strukturen für bürgerschaftliches Engagement schaffen und bei der Koordination der Aktivitäten zu helfen.

Quelle: dpa/ks
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