Kopf des Tages
Axel Weber, Sarrazins Noch-Chef
Samstag, 4. September 2010 09:35Axel Weber unter Druck: Der Bundesbankpräsident sollte das Problem Sarrazin lösen. Jetzt sind auch er und die Bank beschädigt.
Hinter Bundesbank-Präsident Axel Weber liegen ereignisreiche Tage. Thilo Sarrazin hat ihn mit seinen umstrittenen Äußerungen über Muslime und Juden zu einer außergewöhnlichen Entscheidung getrieben: Erstmals in der Geschichte der Bundesbank soll ein Vorstand abberufen werden. Weber und seine Kollegen haben Bundespräsident Christian Wulff darum gebeten. Für Weber steht derzeit viel auf dem Spiel, die Affäre kam deshalb gänzlich ungelegen.
Seit 2004 ist Weber Chef der Bundesbank. Als der Ökonom sein Amt antrat, kannte in der breiteren Öffentlichkeit kaum einer seinen Namen. Doch in seiner Amtszeit hat der 53-Jährige erfolgreich die Bundesbank umgebaut und ist zu einem der Wortführer in der europäischen Geldpolitik herangereift. Nun soll der nächste Karriereschritt folgen: Im Herbst 2011 könnte Weber Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) werden.
Der Pfälzer mit dem breiten Rücken gilt als Favorit für das Amt, auch wenn er für einen Geldpolitiker vielleicht etwas zu impulsiv ist. Ob die Affäre Sarrazin seine Chancen gemindert hat, wird sich zeigen. In Deutschland halten viele Experten das für unwahrscheinlich. Sarrazin sei von der Politik in die Bundesbank geschickt worden – und Weber habe von Anfang an deutlich gemacht, wie wenig er davon begeistert war.mgr






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