14.03.14

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Uli Hoeneß' Verzicht auf Revision und Reaktionen darauf

Uli Hoeneß geht nach seiner Verurteilung nicht in Revision und legte alle seine Ämter beim FC Bayern nieder. Jochim Stoltenberg und Raik Hannemann mit ihrer Sicht auf diese Schritte.

Quelle: Die Welt / N24
14.03.2014 0:53 min.
Er verzichtet auf die Revision und tritt seine Haftstrafe an: Das hat Uli Hoeneß am Tag nach dem Urteil bekannt gegeben. Außerdem legt der 62-Jährige seine Ämter beim FC Bayern München nieder.

Diesem Schritt gebührt Respekt

Jochim Stoltenberg zur Erklärung von Uli Hoeneß, den Richterspruch zu akzeptieren.

Ein wie reuiger Sünder Uli Hoeneß wirklich ist, das weiß nur er allein. Aber mit seiner Erklärung, auf alles weitere juristische Taktieren zu verzichten, hat er das einzig noch verbliebene Richtige getan. Er hat in der bittersten, allein von ihm zu verantwortenden Niederlage seines Lebens doch noch einmal Größe gezeigt und sich ohne quälende Verlängerung in das Unvermeidliche gefügt. Um im sportlichen Bild zu bleiben, hat der frühere Nationalspieler, dann Macher und Präsident des erfolgreichsten Fußballklubs Deutschland sein Spielfeld erhobenen Hauptes verlassen.

Das zumindest ehrt ihn, ohne seine Schuld zu mindern. Es sollte auch denen Respekt abnötigen, die weiter glauben, sich rachsüchtig an ihm abarbeiten zu müssen. Es geht nicht um Mitleid für den Millionen-Zocker und Steuerbetrüger, sondern darum, nicht länger nachzutreten. Nicht nur im Sport gilt die Regel, den, der am Boden liegt, nicht weiter zu traktieren. Uli Hoeneß hat sein großes Lebenswerk selbst zerstört und muss dafür zu Recht hinter Gitter. Aber damit reicht's dann auch.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft erst in der nächsten Woche entscheiden will, ob sie ihrerseits das Urteil so hinnimmt. Am Einzug ins Gefängnis in Landsberg am Lech wird das am Ende nichts ändern. Wie lange Uli Hoeneß dann in Häftlingskleidung und als Wurstfabrikant vielleicht in der JVA-Küche zur Arbeit verpflichtet wird, entscheidet irgendwann der Anstaltsleiter. Der allein urteilt auch über eine mögliche Lockerung des Vollzugs, beispielsweise als Freigänger. All denen, die sich dann über einen vermeintlichen Promibonus für Hoeneß empören sollten, sei schon einmal vorab in Erinnerung gerufen, dass auch Egon Krenz, letzter SED Generalsekretär, Freigänger war. Den hatten die Richter wegen mehrfachen Totschlags und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR 1997 zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Fast zu spät für Anstand

Raik Hannemann wundert sich über den großen Zuspruch für Hoeneß.

Zuspruch gab es unerwartet reichlich und aus allen Ecken, als Uli Hoeneß den Verzicht auf eine Revision erklärte. Selbst die Kanzlerin fühlte sich bemüßigt, ihrem früheren Berater Respekt zu zollen für die Entscheidung, auf weitere Rechtsmittel zu verzichten. Aber steht sie damit nicht etwas zu nah bei den Unverbesserlichen, die Hoeneß sogar beim Verlassen des Gerichtssaals noch applaudierten?

Dass jemand nach dem "Fehler seines Lebens" zu Anstand und Moral zurückkehrt, ist genau der Sinn einer jeden Verurteilung, das sollte niemand verklären. Lobenswert Anstand beweisen können, hätte Hoeneß dagegen schon früher, mit der weniger kurzfristigen Abgabe von über 50.000 Seiten Unterlagen zum Beispiel oder einem Verzicht auf Stadionbesuche rund um den Prozess.

Niemand sollte vergessen: Im Falle einer Revision würde der Fall möglicherweise erneut aufgerollt werden – Hoeneß müsste befürchten, dass weitere unangenehme Details ans Licht kämen, die auch das Image "seines" FC Bayern noch schlimmer schädigen können. Woher so manche Summe auf Hoeneß' Konten stammt, ist längst nicht öffentlich. Und soll es offenbar auch nicht werden.

Da der landesweit bekannte Strafverteidiger Gerhard Strate ("In Bayern gibt es bei diesen Hinterziehungssummen in der Regel eine Freiheitsstrafe zwischen acht bis zehn Jahren") von einem milden Urteil spricht und wegen der gelassenen Reaktion des Hoeneß-Verteidigers auf die drastisch gestiegene Hinterziehungssumme sogar "informelle Absprachen" vermutet, kommt man ins Grübeln. Fast wünscht man sich, dass die Staatsanwälte bis Donnerstag selbst noch Revision fordern. Aber nach dem lauten Beifall für Hoeneß' Verzicht ist das wohl nicht mehr zu erwarten.

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