21.02.13

Bundespräsident

Erwartungen an Joachim Gaucks Europa-Rede sind groß

Der Bundespräsident spricht in Berlin über "Perspektiven der europäischen Idee". Es ist das Nachfolge-Format für die "Berliner Rede".

Von Florian Kain
Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck ist als versierter Rhetoriker bekannt, die „taz“ attestierte ihm, er rede wie ein Schriftsteller
Bundespräsident Joachim Gauck ist als versierter Rhetoriker bekannt, die "taz" attestierte ihm, er rede wie ein Schriftsteller

An diesem Freitag ist es so weit. Joachim Gauck lädt um Punkt 11 Uhr im Schloss Bellevue zur ersten großen Rede in seiner seit knapp einem Jahr dauernden Amtszeit. Vor 200 geladenen Gästen spricht er über die "Perspektiven der europäischen Idee", die ARD überträgt live.

Die Rede ist zugleich der Auftakt zu einer Serie von Veranstaltungen unter dem Titel "Bellevue Forum", mit der Gauck gesellschaftliche Themen anstoßen und voranbringen will. Das Format löst, wie die Berliner Morgenpost exklusiv berichtete, die Reihe der alljährlichen "Berliner Reden" ab, die 1997 spektakulär von Roman Herzog mit seiner berühmten "Ruck-Rede" begonnen wurde, dann aber immer weniger Gehör fand. Gauck selbst wird beim "Bellevue Forum" nun in einer Dreierrolle als "Zuhörer, Moderator und Redner" zu erleben sein.

Joachim Gauck will auch eine moderierende Rolle einnehmen

Die Veranstaltung dürfte somit stärker den Charakter sogenannter "Town Hall Meetings" annehmen, worauf auch die Gästeliste hinweist, auf der nicht wie bsilang nur Eliten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft stehen, sondern auch Schüler. Der Begriff kommt aus den USA und meint ursprünglich Zusammenkünfte von Bürgern, wie sie in amerikanischen Kleinstädten üblich sind. Doch schon seit etlichen Jahren sind "Town Hall Meetings" auch ein Instrument der politischen Kommunikation – etwa im Wahlkampf, wenn Kandidaten sich vor laufenden Kameras den Fragen von Bürgern stellen.

Es dürfte kein Zufall sein, dass die Strategen des Bundespräsidalamtes Gauck dabei ausdrücklich auch in eine moderierende Rolle rücken wollen. Schließlich lässt sich so en passant zumindest ein bisschen von der Last der Erwartungen nehmen, die in Deutschland immer auf Präsidentenreden lasten. Auch bei den "Berliner Reden" hatte es sich als nachteilig erwiesen, dass die Republik Jahr für Jahr zu einem festen Termin sozusagen auf Knopfdruck Wegweisendes von ihrem höchsten Mann im Staate hören wollte – die Redenschreiber im Schloss stellte das vor nicht geringe Schwierigkeiten.

Schon wieder Vorschusslorbeeren für den Bundespräsidenten

Doch auch Gauck bekommt schon wieder Vorschusslorbeeren. Zum Beispiel vom CDU-Europapolitiker Gunther Krichbaum, der – angesprochen auf die Rede – zu Protokoll gibt: "Er hat ein feines Gespür dafür, was die Menschen bewegt. Deshalb nimmt er auch die Verunsicherung in der Bevölkerung über die Zukunft Europas wahr." Hier könne Gauck "eine Menge bewegen". Von den Sozialdemokraten hört man derweil Forderungen: "Er soll sagen: Europa ist unsere Staatsräson", verlangt der SPD-Europaexperte Axel Schäfer. Gauck müsse klar machen, "dass es Deutschland nur gut gehen kann, wenn es unseren Nachbarn nicht schlecht geht".

Kein leichtes Unterfangen selbst für eine Rhetoriker von Gaucks Kaliber

Spannend bleibt in jedem Fall, was der versierte Rhetoriker, dem die "taz" staunend attestierte, er "rede wie ein Schriftsteller", aus der Aufgabe macht, die er sich da selbst gestellt hat. Im Regierungsviertel hätte wohl kaum einer etwas dagegen, wenn Gauck die europäische Idee, die die Bundeskanzlerin in ihrer naturwissenschaftlichen Nüchternheit zur Begründung der Euro-Rettungsmanöver eher pflichtschuldig denn begeistert vorträgt, mit positiven Gefühlen auflädt. Das aber ist kein leichtes Unterfangen – selbst für einen Rhetoriker seines Kalibers.

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